Tether, Ekon, SwissRealCoin und Co. - Sind Stablecoins die besseren Kryptowährungen?

Bitcoins, Ethereum und andere Kryptowährungen befinden sich in einer Krise. Daher geraten sogenannte Stablecoins mehr und mehr in den Fokus von Krypto-Fans. Was taugen Stablecoins?
19.11.2018 22:59
Von Pascal Züger
Tether ist aktuell der mit Abstand grösste Stablecoin.
Tether ist aktuell der mit Abstand grösste Stablecoin.
Bild: iNg

Es ist das grosse Problem der bekannten Kryptwährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Litecoin: die massiven Preisschwankungen. Und in diesem Jahr vor allem die Kursstürze. Bitcoin etwa war vor zwei Jahren 600 Dollar Wert, Ende 2017 dann 20'000 Dollar und inzwischen wieder 5000 Dollar. In den letzten sieben Handelstagen hat Bitcoin gar 22 Prozent an Wert eingebüsst.

Um eine Alternative zu Bitcoin & Co. aufzubauen, hat die wendige Krypto-Branche die Stablecoins ins Leben gerufen. Das sind ebenfalls Kryptowährungen. Aber sie sind an einen Gegenwert gekoppelt. "Sie sind quasi aus der Not entstanden, da viele Krypto-Börsen keine Fiat-Transaktionen anbieten. Anleger wollen ihr Kryptovermögen aber zwischendurch in stabile Werte parkieren", sagt Jan Roth, Mitgründer des Blockchain-Vermögensverwalters Vision&, im Gespräch mit cash.

Stablecoin hat viel von einer Fluchtwährung. Dazu ein Beispiel: Gesetzt der Fall, ein Investor hält Bitcoin im Gegenwert von 5000 Dollar, befürchtet aber einen weiteren Kurs-Einsturz. Die Krypto-Börse "Binance", zum Beispiel, wo er die Coins handelt, erlaubt jedoch keine Ein- und Auszahlungen in Form von Fiat-Geld (traditionelle Währungen wie etwa Dollar oder Franken). Um das Vermögen trotzdem sicher parkieren zu können, kann er die Bitcoins auf Stablecoins umschichten.

Der Stablecoin-Riese Tether

Mit Abstand der grösste Stablecoin ist heute Tether, der eins zu eins an den US-Dollar gebunden ist. Die Marktkapitalisierung beträgt knapp 2 Milliarden Dollar, womit Tether immerhin die achtgrösste Kryptowährung überhaupt ist. Gemäss einer Studie von Blockchain Research ist Tether gegenwärtig für 93 Prozent des ganzen Marktwertes von Stablecoins verantwortlich. Die Studie ortete derzeit 57 Stablecoins, wovon heute aber erst 23 auf dem Markt sind.

Überhaupt orientieren sich Stablecoins in erster Linie am US-Dollar, der bei "realen" Zahlungsmitteln ebenfalls oft als Fluchtwährung dient. Von den zehn grössten Stablecoins sind nicht weniger als acht an den "Greenback" gekoppelt, während mit bitCny und Stasis Eurs noch je ein Vertreter den Yuan beziehungsweise den Euro als Backup hat (Top 10 Stablecoins siehe Tabelle unten).

Diese Dollar-Lastigkeit könnte sich in den nächsten Jahren ändern: Diverse Stablecoins stehen in den Startlöchern, die auf andere Absicherungen setzen. Etwa Ekon von der Firma Eidoo mit Sitz in Chiasso, bei der ein Token mit einem Gramm Gold gedeckt ist. Am 1. November wurde zudem mit Swiss Crypto Tokens in Zug der erste an den Schweizer Franken gebundene Token lanciert. Ebenfalls aus Zug stammt SwissRealCoin, der an die Entwicklung eines Schweizer Immobilienportfolios gebunden ist und noch bis Ende Jahr eingeführt werden soll. Gold, Franken und Schweizer Immobilien - auch sie haben den Charakter von sicheren Anlagen.

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Widerspruch zur Dezentralität

Doch egal, ob nun diese Coins mit einer Währung, mit Gold oder mit Immobilien abgesichert sind - (fast) alle leiden unter demselben Problem: Es muss einer zentralen Gegenpartei vertraut werden, was dem Charakter der Dezentralisierung von Kryptowährungen widerspricht und für Verunsicherung sorgen kann. So behauptet Tether, dass ihre Token zu 100 Prozent mit physischen US-Dollar in einem Reservekonto hinterlegt sind. "In der Vergangenheit konnten sie nicht beweisen, dass sie tatsächlich Dollar als Gegenwert halten, was für kurzfristige Kursausschläge sorgte", sagt Roth. Der Tether-Kurschart bestätigt diese zwischenzeitlichen Zweifel:

Kursentwicklung Tether-Dollar in den letzten 12 Monaten, Quelle: cryptoslate.com

Grundsätzlich sollte der Tether-Dollar-Kurs eine gerade Linie auf der 1 bilden. Doch Vertrauenskrisen haben Anfang 2018 und Mitte Oktober zwischendurch den Kurs stärker ausschlagen lassen. Bei anderen Stablecoins mit deutlich geringeren Marktkapitalisierungen sind die Abweichungen sogar noch um einiges stärker.

Was tun, um die Probleme der Zentriertheit und des mangelnden Vertrauens zu beheben? "Abhilfe schaffen können hier neuere Ansätze bei Stablecoins, wo ein fester Algorithmus als Absicherung dahinter steht", so Roth. Diese Entwicklung steckt aber noch immer in den Kinderschuhen. Dai ist ein Beispiel eines solchen Tokens. Dieser Stablecoin ist zwar wie die meisten anderen an den US-Dollar gekoppelt, hat jedoch keine zentrale Instanz mehr dahinter, welche diese Anbindung sicherstellen muss. Garantiert wird der Kurs durch einen Code, konkret durch einen Smart Contract der Ethereum-Blockchain.

Unter Krypto-Expertenkreisen ist man sich weitgehend einig: Algorithmische Stablecoin werden sich in der langen Frist durchsetzen. "Wir erwarten, dass durch Assets gedeckte Stablecoin versuchen werden, in ein Algorithmus-Design zu wechseln", steht im Report von Blockchain Research. Diese würden im Gegensatz zu den bisherigen Stablecoin eine grössere Skalierbarkeit ermöglichen, da eine Deckung durch Assets nicht mehr notwendig ist. Auch die Vertrauensfrage wird dadurch überflüssig, ein Algorithmus folgt strikten Regeln. Einziges Problem: Laien haben keine Chance mehr, den dahinterliegenden Algorithmus zu verstehen.

Stablecoin als Absicherung

Was bleibt? Stablecoin eignen sich also nicht für Investoren, die damit Geld machen wollen. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Absicherung im Krypto-Handel. Experte Roth von Vision& glaubt auch nicht, dass Arten von Stablecoin zur neuen Weltwährung aufsteigen werden. Er sieht aber in der langen Frist durchaus mögliche Anwendungsfelder, etwa in der Logistik. Blockchain-Lösungen vereinfachen den Ablauf der Wertschöpfungskette von Gütern, die von der Gewinnung bis zum Verkauf den Weg über zahlreiche Länder mit unterschiedlichen Währungen machen müssen. "Ein guter Stablecoin kann hier direkt eingebaut werden", meint Roth. 

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist gemäss Roth die potenzielle Nachfrage nach Stablecoins in Entwicklungs- und Schwellenländern. Viele Leute haben dort keinen Zugang zu einem Bankkonto, besitzen jedoch ein Smartphone. Hinzu kommt eine unsichere Entwicklung ihrer Landeswährung oder gar eine Diktatur, die Vermögenswerte jederzeit beschlagnahmen kann. "Mit Stablecoin kann so sicher Wert aufbewahrt werden", resümiert Roth.

Die zehn grössten Stablecoins

Stablecoin Marktkapitalisierung (in Mio. US-Dollar) Gekoppelt an
Tether 1'742 US-Dollar
TrueUSD 163 US-Dollar
USD Coin 144 US-Dollar
Paxos Standard Token 137 US-Dollar
Dai 75 US-Dollar
Gemini Dollar 23 US-Dollar
bitCNY 18 Chinesischer Yuan
Stasis Eurs 14 Euro
BitUSD 10 US-Dollar
nUSD 1 US-Dollar

Quelle: coinmarketcap.com, Stand 19.11.2018

 
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