Wirtschaft - Boom in Irland dank Brexit

In ganz Dublin gibt es Anzeichen für einen neuen Boom. Angetrieben durch die Nachfrage von Finanz- und Technologiekonzernen sowie Anwaltskanzleien steigen die Preise für Immobilien an.
30.09.2018 08:14
Abendstimmung in Dublin an der Grattan Bridge über dem River Liffey.
Abendstimmung in Dublin an der Grattan Bridge über dem River Liffey.
Bild: Pixabay

Kräne spriessen wieder im Zentrum der irischen Hauptstadt. Das Promi-Restaurant "The Ivy" hat in der Nähe des Parlaments geöffnet, in der Hoffnung auf einen Zustrom von Bankern, die vor dem Brexit geflohen sind. Im gleichen Gebäudekomplex zahlt Barclays 4000 Euro pro PKW-Stellplatz im Jahr und 2,36 Millionen Euro Jahresmiete für neue Büroräume.

Die Miete, die Barclays zahlt, ist 13 Prozent höher als die neueste Schätzung für die Liegenschaft, erklärte Green Reit, der Besitzer des Komplexes, in der vergangenen Woche. Angetrieben durch die Nachfrage von Finanz- und Technologiekonzernen sowie Anwaltskanzleien tragen steigende Preise dazu bei, den Bürobau auf das Niveau des letzten Booms zurückzuführen, als Irland als "Celtic Tiger" bezeichnet wurde. Dann brach der Boom zusammen mit verheerenden Folgen. Ein Jahrzehnt später wird der Markt genau beobachtet, um Anzeichen einer Überhitzung zu erkennen, denn das Wachstum hat wieder 9 Prozent erreicht.

"Es ist unvermeidlich, dass der Bau in Gang kommt, wenn wir einen Aufschwung erleben, und gewöhnlich schiesst er über das Ziel hinaus, sodass es bei einem Abschwung tendenziell zu einem Überangebot kommt", sagte Tom Dunne, Immobiliendozent am Dublin Institute of Technology "Worum es also wirklich geht, ist das Ausmass dieses Überangebots, und das ist wirklich schwer vorherzusagen."

Technologie-Giganten

Mehr als 370.000 Quadratmeter an Bürofläche werden derzeit in Dublin errichtet, wie aus Daten des Immobilienmaklers HWBC hervorgeht. Die Nachfrage nach Büroflächen ist auf ihrem Höchststand, erklärte der Immobilienbroker Savills Plc am Mittwoch, denn Unternehmen suchen nach Büros in einer Grössenordnung von mehr als 550.000 Quadratmetern.

Facebook führt Gespräche über ein Campus-Projekt in der Südstadt mit einer Grösse von mehr als 40.000 Quadratmetern, während Alphabet-Tochter Google etwa 300 Mio Dollar für einen Campus mit 28.000 Quadratmetern in den Docklands der Stadt zahlt - das ist der grösste Einzelvertrag in der ersten Hälfte dieses Jahres. Salesforce ist in Verhandlungen, Bürofläche mit Platz für bis zu 5000 Mitarbeiter zu mieten, berichtete der Irish Independent.

"In absoluten Zahlen ist die Konstruktion heute vergleichbar mit dem vorherigen Boom, aber im Verhältnis zur Grösse des Gesamtmarktes ist sie viel kleiner", sagt Colm Lauder, ein Analyst bei Goodbody Börsenmakler in Dublin. "Wir fügen netto etwa 15 Prozent zur Grösse des Marktes hinzu, wenn man Büros berücksichtigt, die ersetzt oder renoviert werden", sagte Lauder. "Zwischen 2004 und 2007 ist der Markt um etwa 50 Prozent gewachsen, in Relation gesehen ist das jetzt also viel weniger."

Crash brachte Finanzsystem beinahe zum Einsturz

Nach dem Crash von 2008 gingen die Spitzenmieten in Dublin um bis zu 55 Prozent zurück. Die Kredite an die Entwickler wurden uneinbringlich und brachten fast das Finanzsystem des Landes zum Einsturz. Im Jahr 2009 richtete die irische Regierung eine sogenannte Bad Bank ein, um die Banken des Landes von mehr als 70 Milliarden Euro an riskanten Gewerbeimmobilien-Krediten zu befreien.

Bürogebäude werden heute eher vor-vermietet und finanziert. Mehr als 40 Prozent der Büros, die im nächsten Jahr fertiggestellt werden sollen, sind bereits vermietet, bestätigt Jones Lang LaSalle . Barclays, die Bank of America und die Toronto-Dominion Bank gehören zu den Firmen, die sich nach dem Brexit auf Dublin für ihre europäischen Zentralen verständigt haben.

"Investmentfonds und REITs finanzieren heute einen Grossteil des Baus, verglichen mit Bankkrediten in der Vergangenheit", sagt Marie Hunt, Analysedirektorin bei der Irland-Sparte von CBRE Gruppe. "Sie sind weniger dazu bereit, ein Projekt ohne Mieter zu unterstützen, was wiederum den Markt etwas bremst."

(Bloomberg)