Wo die Wechselkurse Ihre Ferien verteuern oder verbilligen

Ferienzeit heisst Geld wechseln. Je nach Destination ist das in diesem Jahr ein besserer oder schlechterer Deal für die Schweizer. Ein Blick auf wichtige «Ferien-Währungen».
14.06.2016 23:05
Von Marc Forster
Schon die Erwähung des Wortes «Brexit» macht Ferien in Cornwall im Südwesten Englands für Schweizer derzeit billiger.
Schon die Erwähung des Wortes «Brexit» macht Ferien in Cornwall im Südwesten Englands für Schweizer derzeit billiger.
Bild: Pixabay

Sofern man die Ferien nicht in der Schweiz verbringt, hat es schon vor dem Antritt der Reise mit Fremdwährungen zu tun. Flüge und Zugfahrten, Hotels und Sharing-Economy-Unterkünfte werden im Internet gebucht; der Kurs zu einer Fremdwährung, in der die Buchung stattfindet, verändert den Preis von Tag zu Tag. Und wer die Koffer packt, wechselt am Automaten oder am Bankschalter noch etwas Geld. Auf den Kurs schaut man dann auch.

Bei einem durchschnittlichen Reisebudget geht es meist um kleinere Beträge, die man beim geschickten Ausnutzen der Kurse gewinnen kann. Bei mindestens einer Währung zeigen sich derzeit aber Schwankungen, die grössere Einsparungen möglich machen: Im Vorfeld der Brexit-Abstimmung fällt das Pfund deutlich: Der Pfund-Franken-Kurs liegt um neun Prozent tiefer als im vergangenen Jahr.

Hier ein Blick über alle wichtige Währungen. cash sagt, wie sich die Kurse in nächster Zeit entwickeln.

Pound Sterling: Die Wahlschlacht über das künftige Verhältnis Grossbritanniens zur EU steigert sich fiebrig ihrem dramatischen Höhepunkt entgegen. Am Morgen des 24. Juni, am Tag nach der Abstimmung, wird das Resultat ziemlich sicher bekannt sein. Weil seit rund einer Woche mehrere Umfragen einen Vorsprung für die Austrittsbefürworter erkennen - und auch in den Wettbüros stärker auf einen Brexit gesetzt wird - fällt das Pfund erneut. Soeben hat das Massenblatt "The Sun" die Wähler zum Austritt aufgerufen, andere konservative Zeitungen wie "Daily Mail" oder "Daily Telegraph" dürften folgen.

Zum Franken steht Sterling derzeit bei 1,364. Im vergangenen Herbst betrug beim Mehrjahrshoch der Wechselkurs von noch fast 1,56 Franken für ein Pfund. Sollte der Brexit wirklich kommen, wären Reisen nach Grossbritannien wohl nochmals günstiger: Einige Ökonomen sagen einen Einbruch des Pfund-Kurses von 20 Prozent voraus - zum Dollar, aber dies hätte auch Auswirkungen auf das Währungspaar Pfund-Franken. Im Falle des Verbleibs würde der Pfund-Kurs wohl rasch steigen, und zwar auf die Levels vor dem Beginn des Abstimmungskampfs im Februar, also zwischen 1,45 und 1,50.

Tendenz für GBP/CHF: Hängt vom Ausgang des EU-Referendums ab. Wer auf sicher gehen will, deckt sich jetzt ein, solange die Unsicherheit den Kurs drückt.

Euro: Im bisherigen Jahresverlauf bewegte sich der Euro-Kurs zwischen knapp 1,08 und 1,12 Franken. Ein Brexit-Votum würde wegen der nachfolgenden globalen Verwerfungen an den Finanzmärkten den Franken unter Aufwertungsdruck bringen. Die Nationalbank hat schon durchblicken lassen, dass sie intervenieren würde. Wer im Sommer vorhat, zwischen Baltikum und Mittelmeer eines oder mehrere der 19 Länder der Euro-Zone zu besuchen, kann beim Geldwechsel fürs Ferienbudget weder grosse Vor- und Nachteile einkalkulieren.

Auch die französischen Überseegebiete in der Karibik verwenden den Euro. Dazu gibt es zahlreiche Länder und Gebiete ausserhalb der Eurozone, deren Währungen an die Gemeinschaftswährung gekoppelt sind. Dazu gehören Bulgarien und Bosnien-Herzegovina sowie 14 west- und zentalafrikanische Länder der CFA-Zone und französische Kolonien im Pazifik. Die Dänenkrone ist mit einer vordefinierten Schwankungsbreite an den Euro gekoppelt.

Tendenz für EUR/CHF und DKK/CHF: Ein Brexit-Votum würde Euroland-Ferien kurzfristig billiger machen, ansonsten wird sich das Währungspaar in etwa gleichbleibend verhalten.

Dollar: Das neben der Brexit-Abstimmung zweite grosse Thema dieser Tage, die Zinserhöhung in den USA, prägt den Verlauf des Dollar-Kurses. Zum Franken hat sich der Dollar seit Anfang Jahr um 3,7 Prozent abgeschwächt und bewegte sich in einer Bandbreite zwischen 0,944 und 1,026.

Devisenspezialist Marcus Hettinger von der Credit Suisse sagt: "Wir sehen den Dollar bei etwa 0,98 Franken auf drei Monate hinaus. Wir denken, dass der nächste Zinsschritt erst im September kommt, wodurch der Dollar im Moment wenig Zinsunterstützung haben wird." Im frühen Stadium von Zinserhöhungen schwäche sich der Dollar in der Regel immer etwas ab, sagt Hettinger: "Stärker wird der Dollar wohl erst 2017."

An den Dollar gebunden sind zahlreiche Währungen in der Welt, vor allem jene von karibischen Inselstaaten oder Panamas. Auch britische Überseegebiete in der Neuen Welt koppeln ihren Währungen an den Dollar und nicht das Pfund. Einen "Dollar-peg" haben gleichsam Reisedestinationen wie die Vereinigten Arabischen Emirate oder Hongkong. Der Dollar ist zudem Bordwährung auf vielen Passagierschiffen.

Thailand hat keinen Dollar-peg, aber der Kurs des Thai-Baht ist von der US-Währung beeinflusst. Innert Jahresfrist bewegte sich der Kurs relativ stabil von 34,75 bis 38,25 Baht für einen Franken. Seit Anfang Jahr bewegt sich der Kurs wenig verändert bei etwa 36,5 Baht.

Tendenz für USD/CHF: Längerfristig stärker zum Franken, aber noch nicht in diesem Sommer.

Brasilien-Real: Reisen in den grössten Staat Südamerikas werden diesen Sommer wohl vergleichsweise teuer, weil das Land im August die XXXI. Olympischen Sommerspiele ausrichten wird. Zum Franken hat der Real seit Anfang Jahr rund 10 Prozent aufgewertet, aber die Langfristperspektive zeigt ein anderes Bild. Seit 2010 hat Brasiliens Währung zum Franken die Hälfte ihres Werts eingebüsst.

Weil Brasiliens Leitzins bei 14,25 Prozent steht, geniesst der Real einen massiven Zinsvorteil. Dass die politischen Wirren um die suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff etwas abgeflacht sind, und die Zentralbank einen neuen Chef bekommt, dürfte der Landeswährung weiter Auftrieb geben.

Tendenz für den BRL/CHF: Längerfristig steigend.

Nordische Währungen: Die Schwedenkrone und die Norwegische Krone sind zum Franken stark unterbewertet. Beide Währungen verhalten sich zum Franken volatil, wobei die schwedische Währung seit Anfang Jahr um rund 1,25 Prozent abwertete, die norwegische hingegen um 3,3 Prozent stärker wurde. Marcus Hettinger erklärt: "Bei Schweden spielt der Negativzins eine Rolle, bei Norwegen der Ölpreis. Aktuell prägt auch noch die Unsicherheit wegen des britischen EU-Referendums die Kurse." Durch die tiefe Bewertung hätten aber beide Währungen in den nächsten zwölf Monaten Aufwärtspotential.

Tendenz für SEK/CHF und NOK/CHF: Auf zwölf Monate gesehen steigend.

Kanada-Dollar und Australien-Dollar: Während der kanadische Dollar zum Franken seit Anfang Januar 3,7 Prozent stärker tendiert, fiel der australische Dollar um 2,4 Prozent zurück. Die Währungen dieser beiden grossen englischsprachigen Volkswirtschaften zum Franken sind insgesamt leicht unterbewertet, die Kurse verlaufen aber nahe bei neutral. Die kanadische Währung ist beeinflusst vom Ölpreis, während Australien stärker abhängig ist von der Entwicklung der chinesischen Konjunktur.

Tendenz für CAD/CHF und AUD/CHF: Neutral.