Die Edelmetall-Rally kennt kein Halten: Die ‌Preise für ‌Gold und Silber galoppieren seit Wochen von Rekord zu Rekord. Der schwache Dollar und geopolitische Risiken wie der Grönland-Konflikt oder ein möglicher US-Militärschlag gegen den Iran trieben die Anleger zuletzt reihenweise in die gern als sichere Häfen angesteuerten Edelmetalle.

Die ​Preise explodierten förmlich, sagt Frank Sohlleder von ActivTrades. Auch Cyrus de la ‌Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank AG, konstatiert: «Der Goldpreis ‌scheint vollkommen ausser Rand und Band zu sein.» Am Donnerstag markierte das Gold mit 5594,82 Dollar je Feinunze ein frisches Allzeithoch - seit Jahresbeginn hat sich das Metall bereits um knapp 30 Prozent verteuert.

Silber kletterte mit 120,45 Dollar je Feinunze ebenfalls auf einen neuen Rekordstand, das Plus beläuft sich in diesem ⁠Monat auf rund 67 Prozent. Für Timo Emden von Emden Research sind die aktuellen Bewegungen am Edelmetallmarkt «womöglich Ausdruck tiefer liegender struktureller Verschiebungen im globalen Finanzsystem». Gold sei nicht mehr nur ein Krisenschutz, sondern werde zunehmend als monetäre Alternative ​wahrgenommen, meint der Analyst.

Nach Einschätzung von Thomas Altmann von QC Partners ist ‌der Kursanstieg beim Gold das «stärkste Zeichen des neuen Misstrauens gegenüber ‍dem Dollar». Dennoch werde die Luft für weitere Preisanstiege dünner: «Aus technischer Sicht ist Gold jetzt so stark überkauft wie zuletzt im ​Jahr 1999.» Es sei mittlerweile eine gefährliche Phase erreicht, prognostiziert der Experte. Die US-Währung befand sich zuletzt im freien Fall, am Dienstag markierte der Dollar-Index ein Vier-Jahres-Tief von 95,591 Punkten.

Zinssenkungserwartungen wie auch die Politik von US-Präsident ‌Donald Trump mit Handelskonflikten, Streitigkeiten mit Verbündeten und verbalen Angriffen ⁠auf die unabhängige Notenbank Fed setzen der Währung zu. Einige ‌Pensionsfonds aus Skandinavien haben sich deshalb bereits von US-Staatsanleihen getrennt oder planen einen solchen Schritt.

Seit Anfang 2025 ist der Dollar-Index um gut ‍elf Prozent eingebrochen und kurbelt damit die Nachfrage am Rohstoffmarkt noch zusätzlich an: Ein schwacher Dollar macht Rohstoffe für Anleger mit anderen Währungen erschwinglicher.

Auch am Kupfermarkt geht diese Entwicklung ​nicht spurlos vorbei: Angesichts der aktuell hohen Nachfrage nach physischen Vermögenswerten stieg der ‍Preis für das Industriemetall an der Londoner Metallbörse um bis zu 7,9 Prozent auf den Rekordwert von 14.125 Dollar je Tonne. Seit Jahresbeginn hat sich Kupfer um mehr als elf Prozent verteuert.