170 Prozent Wachstum - Aktie von Virgin Galactic im Höhenflug - doch wie lange noch?

Seit ihrem Listing an der US-Börse hat die Aktie mit atemberaubenden Tempo an Wert gewonnen. Analysten tun sich schwer mit der Bewertung – sind insgesamt aber noch immer bullish.
24.01.2020 14:29
Von Manuel Boeck
Das zweite Raumschiff von Virgin Galactic.
Das zweite Raumschiff von Virgin Galactic.
Bild: ZVG

Der Aktienkurs des erst seit letztem November an der Börse gelisteten Unternehmen Virgin Galactic musste zu Beginn einiges durchmachen. Fast 40 Prozent stürzte die Aktie innerhalb der ersten 6 Wochen an der Börse ab (cash berichtete). Doch seit Mitte Dezember befinden sich die Titel auf einem extremen Erfolgskurs. Die Spekulationsaktie konnte innerhalb von nur zwei Monaten 170 Prozent zulegen. Allein seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein sattes Plus von 65,5 Prozent.

Kursverlauf von Virgin Galactic seit Listung am 28.10.2019 (Grafik: www.cash.ch).

Das Ziel des von Richard Branson geführten Unternehmens Virgin Galactic ist es, schon diesen Juni Touristen in das All zu bringen. Das Angebot richtet sich dabei mit einem Unkostenbeitrag von 250'000 Dollar an eine eher betuchte Klientel. Obwohl noch kein Flug stattgefunden hat, verkaufte das Unternehmen schon rund 600 Tickets. Pro Flug sind Einnahmen von 1,25 Millionen Dollar geplant, während die veriablen Kosten auf 400'000 Dollar geschätzt werden.

Doch aufgepasst, bei Virgin Galactic handelt es sich klar um eine Risikoanlage. Eine Investition gleicht einer Wette auf die ambitiösen Pläne von Branson, wobei bis jetzt noch kein einziger Weltraumtourist befördert wurde. So ist das kommunzierte Ziel von 16 Raumflügen im Jahr 2020 noch in weiter Ferne.

Dominierendes Thema bei Analysten

Die Gute Performance der Aktie lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass die Mehrheit der Wall Street-Analysten ein "Kaufen" empfohlen haben. Darunter sind  die Banken Morgan Stanley und Credit Suisse wie auch das Aktienresearch-Unternehmen Vertical Research Partners  Dem Kursziel von Morgan Stanley (22 Dollar) nähert sich die Aktie, welche bei Handelsschluss am Donnerstag bei 18,8 Dollar gelegen hatte. Für den Morgan Stanley Analysten Adam Jones ist sogar ein 60 Dollar bullish-Szenario möglich.

Wie man hört, ist das Unternehmen ein dominierendes Thema unter den Analysten. Adam Jonas von Morgan Stanley berichtet, dass "mit Ausnahme von Tesla Virgin Galactic die Gespräche prägt".

Morgan Stanley erklärt sich die Rally auch teilweise dadurch, dass das Investoreninteresse stark zugenommen hat. Zudem konnte die Aktie von der Aufnahme in ETFs profitieren. So kaufte der Finanzdienstleister Vanguard für 90 Millionen Aktien von Virgin Galactic. Auch die Finanzdienstleister Charles Schwab und BlackRock sicherten sich kleinere Positionen.

Mit 9 Prozent nimmt Virgin Galactic grosses Gewicht im auf Raumfahrt spezialisierten UFO Procure Space ETF ein. Dieser konnte zwar nicht im gleichen Masse wie die Virgin Galactic-Aktie zulegen, doch immerhin steht dieses Jahr schon ein Plus von 5,27 Prozent. 

Wohin geht der Kurs? 

Doch es gibt auch warnende Stimmen. So meint Matt Kennedy von Renaissance Capital: "Die Aktie lässt sich sehr schwer bewerten." Das Problem liegt darin, dass es keine vergleichbaren Unternehmen wie Virgin Galactic an der Börse gibt. "Wäre etwa der Konkurrent SpaceX öffentlich handelbar, dann könnte Virgin Galactic gegenüber ihnen bewertet werden" fügt Matt Kennedy an.

Kennedy und weitere Analysten glauben, dass sich die Aktie in beide Richtungen entwickeln kann. Der Wert kann sich vervierfachen oder auch auf null sinken. Heisst: Keiner weiss wirklich, wohin es geht. Virgin Galactic ist eine Anlage, mit der sich kurzfrisitg hohe Gewinne erzielen lassen können, doch am Ende bleibt es eine Zockeraktie. 

Es sind auch Akteure am Werk, die auf einen fallenden Preis setzen. So sind gemäss dem FinTech Unternehmen S3 Partners 25 Prozent der Aktien "short". So könnte gemäss Kennedy der Anstieg der Aktie dazu geführt haben, dass Investoren ihre "short"-Positionen schliessen mussten. Dieser sogenannte "short squeeze", bei dem "short"-Investoren gezwungen sind, ihre Short-Positionen zu zurückkaufen, hat vermtlich zusätzlich den Anstieg der Aktie unterstützt. 

Mit Material des Wirtschafts- und Finanznachrichtensenders CNBC.

 

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