Googles Mutterkonzern Alphabet bietet jeweils fünf Tranchen von Anleihen in Pfund Sterling und Schweizer Franken an. Die 100-jährige Pfund-Anleihe ist die erste Emission solch langfristiger Schuldtitel durch ein Technologieunternehmen seit der Dotcom-Ära.

Die Pfund-Emission umfasst Laufzeiten von drei bis 32 Jahren sowie die 100-jährige Anleihe. Die Schweizer-Franken-Anleihen haben Laufzeiten von drei, sechs, zehn, 15 und 25 Jahren. Die Preisgestaltung beider Emissionen wird am Dienstagnachmittag erwartet, so die Insider gegenüber Bloomberg. 

Globale Unternehmen haben in den vergangenen Jahren verstärkt auf den Schweizer-Franken-Anleihenmarkt zurückgegriffen, um ihre Finanzierungsprogramme zu diversifizieren. Im Jahr 2025 emittierten US-Firmen wie Thermo Fisher und der Baumaschinenhersteller Caterpillar Schweizer-Franken-Anleihen.

Alphabet nutzte erst im November den Euro-Anleihenmarkt und nahm dabei 6,5 Milliarden Euro auf. Diese Emission, die eine bereits Anfang des Jahres erfolgte Anleiheemission ergänzte, machte Alphabet laut von Bloomberg zusammengestellten Daten zum grössten Emittenten am Euro-Markt im Jahr 2025.

Am Montag nahm Alphabet mit einer siebenteiligen Dollar-Anleihenemission 20 Milliarden Dollar ein und übertraf damit die ursprünglichen Erwartungen von 15 Milliarden US-Dollar. Die Emission verzeichnete in der Spitze Aufträge im Wert von über 100 Milliarden Dollar - eines der stärksten Ergebnisse, das jemals bei einer Unternehmensanleiheemission erzielt wurde.

Die Mega-Anleiheemission erfolgte weniger als eine Woche, nachdem Alphabet bekannt gegeben hatte, dass die Investitionsausgaben in diesem Jahr bis zu 185 Milliarden US-Dollar erreichen werden. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahr, um die ambitionierten Ziele im Bereich der künstlichen Intelligenz zu erreichen. 

Andere Technologieunternehmen, darunter Meta und Microsoft, haben ebenfalls massive Investitionspläne für 2026 angekündigt. Morgan Stanley rechnet damit, dass die Kreditaufnahme der grossen Cloud-Computing-Unternehmen, der sogenannten Hyperscaler, in diesem Jahr 400 Milliarden Dollar erreichen wird, gegenüber 165 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Diese enormen Finanzierungsbedürfnisse haben begonnen, Bedenken hinsichtlich eines möglichen Drucks auf die Anleihebewertungen zu schüren.

Aktionäre könnten das Nachsehen haben

Die 100-jährige Anleihe von Alphabet ist die erste Emission eines Technologieunternehmens mit einer so extremen Laufzeit seit Motorola im Jahr 1997, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

Der Markt für 100-jährige Anleihen wird von Regierungen und Institutionen wie Universitäten dominiert. Für Unternehmen sind solche Transaktionen aufgrund potenzieller Übernahmen, veralteter Geschäftsmodelle und technologischer Veralterung selten. Dennoch hat die Nachfrage britischer Pensionsfonds und Versicherer den Pfund-Markt zu einem bevorzugten Markt für Emittenten gemacht, die längerfristige Finanzierungen suchen.

Für Unternehmen wie Motorola waren solche Emissionen in der Vergangenheit erfolgreich, da sie sich viel Geld zu günstigen Konditionen beschaffen konnten. Etwas anderes ist die Situation für die Aktionäre, betont der legendäre Investor Michael Burry in einem Kommentar auf Substack am Montagabend. Anfang 1997 gehörte Motorola zu den 25 grössten Unternehmen in den USA hinsichtlich Marktkapitalisierung und Umsatz. Das sollte sich nie wiederholen.

Damals war die Marke Motorola in den USA die Nummer eins, noch vor Microsoft. 1998 überholte Nokia Motorola im Mobilfunkbereich, und nach dem iPhone verschwand Motorola aus dem Bewusstsein der Verbraucher. Seither kam das Unternehmen kaum mehr vom Fleck. Mit einem Umsatz von nur 11 Milliarden Dollar belegt Motorola Platz 232 der grössten US-Unternehmen nach Marktkapitalisierung, warnt Burry.

Differenzierter sieht das Andy Constan auf X, der während zwölf Jahren zunächst als Ideengeber beim bekannten Hedgefondsmanager Bridgewater und zuletzt als Chefstratege bei Brevan Howard für makroökonomische Strategien zuständig war. Er betont dabei, eine Unternehmensanleihe sei ebenso ein Anspruch auf die Zukunft eines Unternehmens wie eine Aktie.

Er stellt deshalb zu den zum Teil kritischen Meinungen gegenüber den Google-Bonds folgende Frage: Wenn Investierende davon ausgehen, dass ein Unternehmen in 25 Jahren nicht mehr existieren wird, warum halten diese es dann für sinnvoll, Aktien mit einer niedrigeren Rendite zu kaufen, und gleichzeitig für unklug, eine Unternehmensanleihe mit einer Laufzeit von 30 Jahren oder länger zu erwerben?

(Bloomberg/cash)