Wie die Rivalen Google und Microsoft legt auch Amazon bei den Investitionen kräftig nach. Sie würden 2026 voraussichtlich um 50 Prozent auf 200 Milliarden Dollar steigen, kündigte der Online-Händler am Donnerstag an. Das Geld solle in den Bau neuer Rechenzentren sowie die Entwicklung von KI-Chips und Kommunikationssatelliten fliessen, sagte Konzernchef Andy Jassy. Analysten hatten mit Ausgaben von knapp 145 Milliarden Dollar gerechnet.
Amazon Web Services (AWS) ist der weltgrösste Cloud-Anbieter. Die Tochter des Online-Händlers trägt zwar nur etwa 15 bis 20 Prozent zum Konzernumsatz, aber 60 Prozent zum Betriebsgewinn bei. Für den Einsatz in den eigenen Rechenzentren entwickelt AWS eigene Spezialprozessoren für Künstliche Intelligenz (KI). Im vierten Quartal haben Rechner mit insgesamt einer halben Million Trainium2-Chips den Betrieb aufgenommen. Diese werden vor allem vom KI-Entwickler und OpenAI-Rivalen Anthropic genutzt. An diesem ist Amazon beteiligt. Daneben baut der Online-Händler mit Leo ein Netzwerk für Internet-Verbindungen über Satellit auf, das Starlink Konkurrenz machen soll.
Die Google-Mutter Alphabet, der Softwarekonzern Microsoft und der Facebook-Betreiber Meta hatten in den vergangenen Wochen ebenfalls jeweils eine deutliche Ausweitung ihrer Investitionen in KI-Infrastruktur angekündigt. Anleger reagierten jedoch nur dann positiv, wenn die Unternehmen kräftige Steigerungen bei Umsatz oder Gewinn vorweisen konnten. Amazon-Aktien fielen am Donnerstag im nachbörslichen Handel an der Wall Street zeitweise um elf Prozent.
Amazon enttäuscht mit Zahlen und Ausblick
Der US-Konzern steigerte seine Erlöse im abgelaufenen Quartal überraschend deutlich um 14 Prozent auf 213,4 Milliarden Dollar. Dabei habe AWS mit einem Plus von 24 Prozent das stärkste Wachstum seit 13 Quartalen verzeichnet, betonte Konzernchef Jassy. Die Cloud-Sparten von Alphabet und Microsoft hatten jedoch 48 beziehungsweise 39 Prozent zugelegt. Für das aktuelle Vierteljahr prognostizierte Amazon ein Umsatzplus von elf bis 15 Prozent auf 173,5 bis 178,5 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn werde voraussichtlich zwischen 16,5 und 21,5 Milliarden Dollar liegen. Analysten hatten jedoch auf 22,04 Milliarden Dollar gehofft.
«Wir hatten auf ein fortgesetztes starkes Gewinnwachstum gesetzt, aber das ist hier einfach nicht der Fall», kritisierte Portfoliomanager Dave Wagner vom Vermögensverwalter Aptus. «Dem Markt missfällt, dass für derartige Wachstumsraten erhebliche Summen investiert werden.»
(Reuters)
