Seit Jahresbeginn haben die Valoren von AMS Osram (+122 Prozent), DocMorris (+47 Prozent) und Idorsia (+61 Prozent) mit satten Kursgewinnen auf sich aufmerksam gemacht. Damit befinden sich die drei Titel nach langer Durststrecke mit ausgeprägten Kursrückgängen wieder auf Erfolgskurs. 

Ein Teil der überdurchschnittlichen Kursgewinne lässt sich mit den operativen Verbesserungen begründen. Einen ebenso gewichtigen Anteil an den Kursgewinnen haben die Leerverkäufer, welche ihre Positionen in den vergangenen Wochen und Monaten zurückgefahren haben. Zuvor hatten diese über Jahre erfolgreich auf sinkende Kurse gesetzt und Kursgewinne eingefahren. 

Allen drei Firmen ist es gelungen, die finanzielle Situation zu verbessern oder die Finanzierung auf stabilere Beine zu stellen. Über den Berg sind die Firmen indessen noch nicht. Während es bei AMS Osram darum geht, die Verschuldung weiter abzubauen und damit günstigere Finanzierungskonditionen zu erlangen, steht DocMorris weiterhin vor der Herausforderung, einen gangbaren Weg zwischen notwendigen Marketinganstrengungen und Kosteneinsparungen zu finden. Bei Idorsia wiederum hängt vieles vom Verkaufserfolg des Schlafmittels Quviviq ab. 

Da die drei Firmen in unterschiedlichen Branchen tätig sind, stehen AMS Osram, DocMorris und Idorsia vor unterschiedlichen Herausforderungen und Kurschancen wie Risiken. Nachfolgend eine Einordnung der drei Aktien: 

AMS Osram

Am 30. Januar 2023 übernahm Aldo Kamper den Posten als CEO bei AMS Osram - und er hat bisher geliefert. Unter seiner Führung rückte das Unternehmen vom stark auf Wachstum und Zukäufe ausgerichteten Kurs ab. Das Kerngeschäft wurde in den Fokus gestellt, Randbereiche wie das Speziallampengeschäft wurden verkauft. Zur Senkung der Fixkosten wurden weltweit Tausende Arbeitsplätze abgebaut und die Organisation verkleinert. Damit konnte die Schuldenlast reduziert werden. 

Zudem ist es CEO Kamper gelungen, AMS Osram im Bereich der optischen Datenübertragung in Rechenzentren als vielversprechenden Nischenanbieter zu etablieren. Zusammen mit dem Fokus auf KI-gestützte Augmented-Reality-Smart-Glasses sorgte dies jüngst immer wieder für Kursfantasie. 

Die hohen Schulden drücken indessen weiterhin. Die Verschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital liegt immer noch bei 3,5x und auch für 2026 wird ein negativer Cashflow prognostiziert. Für 2027 sollte gemäss Analystenkonsens dann ein positiver, freier Cashflow von 34 Millionen Euro resultieren, für 2027 einer von 140 Millionen Euro. 

Bei den Ratings halten sich die Analysten in etwa die Waage. Drei Empfehlungen «Kaufen» stehen vier «Halten» und vier «Verkaufen» gegenüber, bei einem durchschnittlichen Kursziel von 15,40 Franken. Das höchste Kursziel ruft die US-Investmentbank JPMorgan mit 23,60 Franken auf. Der zuständige Analyst erwartet eine verbesserte Anlegerstimmung, da die Verschuldung abgebaut werde, die Zinskosten sänken und sich die Ertragsqualität sowie die Generierung von freiem Cashflow verbesserten. 

Wer an einen langfristig erfolgreichen Turnaround bei AMS Osram glaubt, kann die aktuelle Konsolidierungsphase - der Titel hat sich von seinem Jahreshoch bei 23 Franken am 23. Mai zurückgebildet - für selektive Käufe nutzen. Das Management um CEO Kamper bleibt ob der bestehenden Herausforderungen, alle Möglichkeiten finanziell zu monetarisieren, auch in den nächsten Jahren gefordert. 

DocMorris

Auch bei DocMorris ist mit Martin Hess ein langjähriger CEO am Ruder. Er hatte den Posten 2022 vom heutigen Verwaltungsratspräsidenten Walter Oberhänsli übernommen und den Konzern in den vergangenen vier Jahren durch turbulente Zeiten gesteuert. 2023 wurde das physische Apothekengeschäft an die Migros verkauft, mit dem Ziel, sich ausschliesslich auf den Onlinehandel und das E-Rezept zu konzentrieren. 

Obwohl es der Frauenfelder Onlineapotheke gelungen ist, die kurzfristige Finanzierung zu stemmen, ist es ein weiter Weg, bis im Jahr 2029 gemäss Analystenkonsens die Gewinnschwelle erreicht wird. Dank der vor zwei Tagen (mehr dazu hier) angekündigten Kosteneinsparungen dank konsequenter Fokussierung auf KI, ist der Konzern dem Ziel eines positiven Cashflows immerhin ein weiteres Stück näher gekommen. 

Diese Kosteneinsparungen sind nach Einschätzung der Zürcher Kantonalbank wie ein Heilmittel, denn für DocMorris bleibe das Erreichen der anspruchsvollen Balance zwischen Wachstum und Kosteneffizienz entscheidend. Das Erreichen des Break-even beim freien Cashflow im Verlauf des Jahres 2027 sowie eine mögliche Eigenkapitalstärkung über die ausstehende Wandelanleihe von 50 Millionen Franken bei einem Umwandlungspreis 6,54 Franken bleiben zentrale Faktoren zur Verringerung des Anlagerisikos aus Investorensicht, so der zuständige ZKB-Analyst Gian Marco Werro.

Vier Analysten stufen den Titel mit «Kaufen» ein, drei mit «Halten» und einer mit «Verkaufen». Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 8,31 Franken und somit unter den derzeit bezahlten Preisen. Die Spanne der Kursziele ist weit und reicht von 4 bis 12 Franken.

Für Anlegerinnen und Anleger könnte ein Engagement beim Konkurrenten Redcare Pharmary interessant sein, der bereits 2026 die Schwelle zu einem positiven freien Cashflow erreichen sollte. Die Deutsche Bank stuft den Titel mit «Kaufen» und einem Kurspotenzial von 40 Prozent ein, während die Bank DocMorris nur ein «Halten» und ein Kursziel von 5,50 Franken führt. 

Idorsia

Während AMS Osram als auch DocMorris auf Kontinuität in der Führungsetage zählen können, verabschiedete sich am 16. März überraschend Idorsia-CEO Srishti Gupta nach nicht mal einem Jahr im Amt. Entsprechend verschnupft reagierte die Börse, der Titel brach am selben Tag um 17 Prozent auf 2,93 Franken ein.

Die Verunsicherung war indes nur von kurzer Dauer, und mit der Ernennung von Roland Wandeler zum CEO per 1. Oktober ist diese Baustelle am Mittwoch aus dem Weg geräumt. Wandeler ist ein ausgewiesener Branchenkenner, der das Unternehmen in die nächste Wachstumsphase überführen und den Wert des Portfolios besser ausschöpfen soll (mehr dazu hier).

In Bezug auf das operative Geschäft kann das Allschwiler Biotechunternehmen in der jüngeren Vergangenheit mit positiven Nachrichten aufwarten. So verschafft ein mit dem Partner Pharmakon am 9. Juni abgeschlossener Darlehensvertrag über 250 Millionen Franken dem Unternehmen Planungssicherheit bis ins Jahr 2028 und befreit Idorsia vom unmittelbaren Liquiditätsdruck.

Zudem besteht die Hoffnung, dass das verschreibungspflichtige Schlafmittel Quviviq sich nach stark steigenden Verkaufszahlen zum Blockbuster entwickelt.Ein Blick auf die Analystenschätzungen zeigt, welch Potenzial in diesem Medikament schlummert. Der Umsatz soll sich von 220 Millionen Franken im Jahr 2025 auf 686 Millionen Franken im Jahr 2028 mehr als verdreifachen. Die höchste Analystenschätzung geht gar von einem Jahresumsatz 2028 von knapp einer Milliarde Franken aus. 

Sollte das Umsatzwachstum tatsächlich wie erwartet ausfallen, könnte 2028 pro Aktie ein Gewinn von 1,89 Franken abfallen. Das lässt viel Spielraum für weitere Kursgewinne. Nicht undenkbar ist zudem, dass Idorsia ganz oder in Teilen von einem Konkurrenten übernommen wird. Idorsia-Gründer Jean-Paul Clozel hat darin bereits Erfahrung nach dem Verkauf von Actelion für 30 Milliarden Dollar an den US-Pharmariesen Johnson & Johnson im Jahr 2017.

Mit der Deutschen Bank, der New Yorker Investmentbank H.C. Wreight und Kepler Cheuvreux decken nur drei Institute den Titel ab. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 4,67 Franken und somit deutlich unter dem aktuellen Kurs. Einer Kaufempfehlung stehen zwei «Halten» gegenüber. 

Thomas Daniel Marti
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