Analyst meint - VW, nicht Tesla, ist reif für einen Börsenrückzug

Volkswagen ist gemäss einem Analysten «enorm unterbewertet» und könnte reif für einen Aufkauf sein.
15.09.2018 08:55
Das VW-Logo vor einer Markengarage.
Das VW-Logo vor einer Markengarage.
Bild: Bloomberg

Das sagt Max Warburton, Analyst bei Sanford C. Bernstein. Der Analyst veröffentlichte in Anlehnung an Teslas wechselhaften CEO Elon Musk seine Idee zum deutschen Autohersteller in einem Bericht mit der Überschrift: "VW: Ich überlege, VW bei 420 Euro von der Börse zu nehmen. Finanzierung gesichert."

Musk hat letzten Monat einen Tesla-Buyout in einem Tweet mit ähnlichen Worten vorgeschlagen, um dann den Plan angesichts einbrechender Unterstützung durch Investoren fallen zu lassen. VW hat einen Marktwert von 68 Milliarden Euro.

"Ich selber nehme VW nicht von der Börse", schrieb Warburton. "Aber hinter diesem Witz steckt eine ernste Botschaft: Wir glauben, dass VW enorm unterbewertet und reif für ein LBO ist. Im Gegensatz zu einem bestimmten Bargeld-verbrennenden Elektroauto-Unternehmen in den USA."

Die drei großen Anteilseigner des Automobilherstellers - die Porsche Automobil Holding, das Land Niedersachsen und Katar mit zusammen 57 Prozent - könnten locker 90 Milliarden Euro aufnehmen, um eine Übernahme der restlichen Aktien zu 420 Euro je Aktie zu finanzieren, so der Analyst. Das sind 210 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs von VW und das gleiche Niveau, das Musk für Tesla in Dollar vorgeschlagen hat.

Die Käufer könnten sofort VWs Finanzgeschäft für 30 Milliarden Euro und den Lkw-Bereich für den gleichen Betrag verkaufen, schrieb er. Sie könnten auch 20 Milliarden Euro aus dem Betriebskapital von VW freisetzen, indem sie die Zeitspanne für die Begleichung von Rechnungen verlängern, um beim Zahlungsziel das gleiche Niveau zu haben, wie die konkurrierenden Automobilhersteller PSA und Fiat Chrysler Automobiles.

"Minderheitsaktionäre wären sicherlich dankbar"

Bis Ende 2019 würden die Verbindlichkeiten auf 10 Milliarden Euro sinken, und mit einem jährlichen Cashflow von mehr als 11 Milliarden Euro könnte VW sie bis Ende 2020 abbezahlt haben, sagte er. Zu diesem Zeitpunkt hätten die drei großen Aktionäre Zugang zu 100 Prozent des Cashflow und des Dividendenpotenzials von VW, sagte der Analyst.

"Könnten VWs Hauptakteure VW von der Börse nehmen?", schrieb Warburton. "Minderheitsaktionäre wären sicherlich dankbar. Dieses Unternehmen hat bei Aktien-Investoren fast sämtliche Unterstützung und Glaubwürdigkeit eingebüßt. Was ist mit der Familie Porsche und Katar? Wären sie bereit, ein LBO zu führen? Da die Mathematik einer Transaktion funktioniert und es ihr Einkommen erhöhen würde - würden sie nicht die Attraktivität sehen?"

Die Volkswagen-Aktie ist in den letzten fünf Jahren um etwa 20 Prozent gefallen, belastet durch den Skandal um den Diesel-Emissionsbetrug des Herstellers und in jüngster Zeit durch die Spannungen im Welthandel. Indes ist der Stoxx 600 Automobile & Parts Index um 22 Prozent gestiegen. Das Unternehmen notiert zum 4,7-fachen des geschätzten Gewinns des nächsten Jahres, verglichen mit einer Median-Bewertung von 7,6 für die größten Autohersteller der Welt. "

(Bloomberg)

 
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