Die Aussage war ungewöhnlich: Zwar würde er eine einzelne Aktie in Betracht ziehen, wenn es sich um eine «hervorragende Investition» handle. Doch den breiten Markt würde er bei den aktuellen Bewertungen nicht kaufen. Die eher pessimistische persönliche Einschätzung gegenüber Aktienkäufen kam von Jamie Dimon, CEO von JPMorgan und dem wohl mächtigsten Banker der Welt. Doch nicht bloss Aktien würde er derzeit meiden. Auch US-Staatsanleihen würde Dimon derzeit nicht kaufen, wie er vor einigen Tagen bei CNBC ausführte (mehr dazu hier).

Grund für Dimons Zurückhaltung: Die Märkte würden die wachsende Liste geopolitischer und fiskalischer Bedrohungen nicht vollständig berücksichtigen. Dimon verwies auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, auf die Spannungen zwischen den USA und China sowie auf die steigenden Militärausgaben in Zeiten zunehmender Staatsdefizite.

Der JPMorgan-Chef hat durchaus eine Historie von Warnungen betreffend - seiner Meinung nach - Übertreibungen an den Märkten. Manchmal behält er Recht, manchmal nicht. So wird es auch dieses Mal sein.

Tatsache bleibt, dass vor allem Technologie-Aktien weltweit seit etwa Anfang Juli kränkeln. Auch der breite Markt zeigt Sättigungserscheinungen, wie der Blick auf die Entwicklung des Swiss Market Index zeigt. Abseits davon steigen viele Aktien munter weiter, andere fallen deutlich ab. Bei einigen Titeln spielen die Halbjahreszahlen erheblich mit. Hier fünf auffällige Aktien aus dem Schweizer Markt der letzten Wochen im Überblick.

1) Nestlé

Fast ist man versucht zu sagen: Nestlé-CEO Philipp Navratil zahlt an der Börse erstmals richtig Lehrgeld. Doch wofür? Dass die Aktie nach den Quartalszahlen 8 Prozent in die Tiefe rauschte, lag weniger an den Zahlen selbst als an den übertriebenen Erwartungen der Investoren. Allenfalls könnte man Nestlé mangelnde Markt-Guidance vorwerfen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Aktie unmittelbar nach Firmenergebnissen heftige Bewegungen vollzieht - was für einen Grosskonzern mit einem defensiven Geschäftsmodell eher nicht geschehen sollte.

Aber eben: Nestlé befindet sich auf dem Weg aus einer Krise, deren Bewältigung die Anleger offenbar noch immer unterschätzen. Dennoch sind die Zeichen von Stabilisierung und Verbesserung unverkennbar. Langfristig orientierte Anleger können den jüngsten Kursrücksetzer für Aktienkäufe nutzen. Und für Navratil sollte der Kursrückschlag ein Wink sein, beim Konzern-Restrukturierung eher einen Gang höher zu schalten-.

2) Alcon

Es ist noch ein zartes Pflänzchen, was da heranwächst – nachdem das Gewächs vor etwas mehr als zwei Monaten arg zertrampelt wurde. Im Mai hatte das Quartalsergebnis des Augenheilmittelherstellers Alcon die Investoren arg enttäuscht. Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Nun hat sich der Titel um etwas mehr als 10 Prozent nach oben gerappelt.

Ein fallendes Messer ist die Alcon-Aktie in dem Sinn nicht mehr. Am 10. August werden die nächsten Quartalszahlen veröffentlicht. Im zweiten Quartal würden noch einmal erhebliche Investitionen anfallen, erklärte Finanzchef Tim Stonesifer Anfang Mai. Daher werde das erste Semester bezüglich Marge schwächer als die zweite Jahreshälfte ausfallen. Inwiefern solche Aussagen bereits im Aktienkurs eingepreist sind, bleibt abzuwarten. Vor den Quartalszahlen sollten sich Anleger mit Engagements zurückhalten.

3) Aryzta

Was reagierte die Börse Ende Mai euphorisch, als eine Berenberg-Analystin die Aktie von Aryzta zum Kaufen empfahl und das Kursziel auf 75 Franken anhob. Der Claim dabei: Bei Aryzta handle es sich um einen klassischen Turnaround-Fall hin zu einer defensiven Qualitätsaktie. Das Anlegervertrauen kehrte bei Aryzta tatsächlich wieder langsam zurück, nachdem CEO Michael Schai im Oktober letzten Jahres nach nur zehn Monaten ausschied und Verwaltungsratspräsident Urs Jordi im Doppelmandat als Konzernchef interimistisch zurückkehrte.

Doch die Euphorie hat sich durch die Hintertür verabschiedet. Die Aktie ist auf ein Sechs-Monate-Tief abgesackt und befindet sich mit 52 Franken nicht mehr weit weg vom Mehrjahrestief vom letzten Herbst. Besonders in den vergangenen Tagen fiel die Aryzta-Aktie steil ab. Grosse Verunsicherung löste aber der Mega-Verkauf von 335’000 Aryzta-Aktien im Wert von 19,3 Millionen Franken Anfang Juni durch Verwaltungsrat und Jordi-Stellvertreter Heiner Kamps aus. Am 10. August veröffentlicht die Firma die Halbjahreszahlen. Erst danach sollten sich Anleger Aktienkäufe überlegen.

4) Bossard

Die Valoren des Verbindungstechnik-Spezialisten Bossard sind seit Mitte März um nicht weniger als 75 Prozent angestiegen. Der Titel nähert sich nun dem höchsten Stand seit Februar 2023. Beschleunigt wurde der Kursanstieg nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen letzte Woche, welche die Erwartungen des Marktes auf allen Ebenen übertrafen.

Die Bank Vontobel meint, die Aktie werde noch immer mit einem signifikanten Discount im Vergleich zu Konkurrenten gehandelt. Das tönt wie eine uneingeschränkte Kaufaufforderung. Dennoch sollten Anleger nach einem derart kometenhaften Anstieg der Aktie Vorsicht walten lassen und erst Rückschläge zu Käufen nutzen.

5) DSM-Firmenich

Die Aktie des niederländisch-schweizerischen Aromen- und Duftstoffherstellers DSM-Firmenich weist an der Schweizer Börse eine vorzügliche Bilanz auf. Ein Anstieg von 66 Franken vor zwei Monaten bis auf fast 80 Franken zuletzt. Doch das ist bloss ein Teil der Geschichte. DSM-Firmenich startete im Mai an der SIX im Rahmen einer Zweitkotierung neben der Mutterbörse Euronext in Amsterdam.

Dort sieht die Langzeitbilanz etwas weniger schön aus. Der Kurs fiel von rund 123 Euro im August 2024 bis auf 57 Euro im März 2026. Die Frage stellt sich, ob die jüngste Kurserholung von DSM-Firmenich nun bereits wieder zu Ende ist. Denn die von Konkurrent Givaudan am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen kamen an der Börse nicht gut an und belasteten beide Titel erheblich. Für Zurückhaltung sorgen vor allem die Aussagen Givaudans zu den Rohstoffkosten. DSM Firmenich veröffentlicht die Halbjahreszahlen am 30. Juli. Insgesamt weist der Konzern bei Analysten eine höhere Empfehlungsrate aus als Givaudan.

Daniel Hügli
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