Man befinde sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem VW-Haupteigner Porsche SE (PSE), teilte der Wolfsburger Konzern am Dienstag mit. Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht getroffen. VW will ein Viertel der Porsche AG an die Börse bringen und seinen Aktionären, allen voran den Eigentümer-Familien Porsche und Piech, aus dem Erlös eine milliardenschwere Sonderdividende zahlen, wie zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. An der Börse sorgten die Pläne für ein Kursfeuerwerk: Volkswagen-Aktien legten in der Spitze mehr als zehn Prozent zu, die Aktien der Holding Porsche SE mehr als 15 Prozent.

Investmentbanker gehen von einer Bewertung der Porsche AG zwischen 60 und 80 Milliarden Euro aus. Einige Analysten rechnen sogar mit 100 Milliarden Euro. Das Emissionsvolumen von 15 bis 25 Milliarden Euro, das sich daraus ergibt, würde Porsche in eine Liga mit Mega-Börsengängen wie Alibaba, Softbank oder der Bank of China bringen.

Im Wolfsburger Mehr-Markenkonzern wird schon lange diskutiert, ob der hochprofitable Sportwagenbauer aus Stuttgart zumindest zum Teil an die Börse gebracht werden soll. Dadurch könnte der Wert der Ertragsperle besser genutzt werden, um den Kapitalmarkt für milliardenhohe Investitionen in Elektromobilität und Software-Entwicklung anzuzapfen. Das Porsche-Management hatte sich für einen solchen Schritt offen gezeigt. Volkswagen hatte wiederholt bekräftigt, der Konzern sei durch seinen Barmittelzufluss in der Lage, die milliardenschwere Transformation auch ohne Erlöse aus einem Porsche-IPO stemmen zu können.

Die Hinweise darauf, dass VW an Börsenplänen bastelt, hatten sich in den vergangenen Wochen verdichtet. Einer der Insider sagte Reuters, Volkswagen-Chef Herbert Diess habe die Eckpunkte der Pläne zu Wochenanfang Vertretern der Kapitalseite und der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat präsentiert, nachdem bereits am Wochenende darüber beraten worden sei. Eine zunächst für Dienstag ins Auge gefasste Aufsichtsratssitzung sei jedoch abgeblasen worden, weil noch viele Fragen offen seien.

Viele Unwägbarkeiten

Das Aktienkapital der Porsche AG solle den Plänen zufolge je zur Hälfte in Vorzugs- und Stammaktien aufteilt werden, sagten drei Insider. Volkswagen und Porsche lehnten eine Stellungnahme zu den Informationen ab. Volkswagen teilte in seiner Ad-hoc-Mitteilung an die Anleger mit, ob am Ende eine Vereinbarung geschlossen werde, sei genauso offen wie deren Inhalt. Dies hänge auch von der Zustimmung der Gremien beider Parteien ab. Die Porsche SE bestätigte fortgeschrittene Gespräche und erklärte, die Transaktion könnte auch den Erwerb von Stammaktien der Porsche AG umfassen. So bekämen die Eigner-Familien Porsche und Piech wieder direkten Zugriff auf die Porsche AG, die nach der verlorenen Übernahmeschlacht vor zehn Jahren an Volkswagen gegangen war. Insidern zufolge ist das Ziel der Eigner-Familien, 25 Prozent plus eine Aktie der Stimmrechte an Porsche zu halten.

Vor einem Gang von Porsche aufs Börsenparkett müssen noch zahlreiche Hürden genommen werden. Ob dies gelingt, hängt auch vom Börsenumfeld ab, das sich durch die Ukraine-Krise deutlich verschlechtert hat. Selbst wenn die Gremien zustimmten, stünde die Durchführung der Transaktion weiterhin unter dem Vorbehalt weiterer Prüfungen sowie der allgemeinen Marktentwicklung, erklärte die Porsche SE.

Der Konzern bestätigte Insider-Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus den vergangenen Wochen, wonach die Vorbereitungen für einen Börsengang in eine heiße Phase getreten seien. Nach weiteren Anfragen von Medien, darunter auch von Reuters, sei man gezwungen gewesen, die Vorbereitungen nun öffentlich zu machen, hieß aus dem Konzern.

Börsengang würde Werte offenlegen

Die meisten Investmentbanker halten einen Börsengang von Porsche für einen guten Weg, den Wert von Volkswagen für die Aktionäre zu erhöhen. Denn Sportwagenbauer wie Porsche und Ferrari werden als Hersteller von Luxusgütern – gemessen an der Ertragskraft – in der Regel deutlich höher bewertet als Massenhersteller. So liegt der Börsenwert von Ferrari beim 25-fachen des operativen Jahresgewinns, bei Volkswagen gerade einmal beim Sechsfachen. Im Vergleich zu dem für Porsche veranschlagten Unternehmenswert ist Ferrari mit 37 Milliarden Euro deutlich kleiner.

Abspaltungen und Börsengänge von Töchtern liegen derzeit international im Trend. Finanzexperten gehen davon aus, dass die Einzelteile vieler Mischkonzerne mehr wert sind als ein Konglomerat als Ganzes. Deshalb hatte Siemens hatte die Medizintechnik-Tochter als Siemens Healthineers an die Börse gebracht. Sie ist inzwischen allein 60 Milliarden Euro wert, während die Bewertung von Siemens noch gestiegen ist. Auch der Autozulieferer Continental arbeitet Medienberichten zufolge an einer Aufspaltung, um den Börsenwert zu heben. 

(Reuters)