Vertreter von Deka, DWS und Union Investment lobten am Freitag auf der Hauptversammlung zwar die Erholung des ‌Aktienkurses und operative ⁠Fortschritte unter Bayer-Konzernchef Anderson. Der Druck bleibt jedoch hoch. «2026 wird das Jahr der Entscheidung. Nicht nur für Bayer, ⁠sondern auch für Sie», erklärte Deka-Experte Ingo Speich laut vorab veröffentlichtem Redetext.

Der Konzern sei noch lange nicht über den Berg. ‌Während die Aktionäre auf eine rasche Beilegung der milliardenschweren Glyphosat-Klagen drängen, sind sie ‌über die künftige Struktur des Leverkusener Pharma- und Agrarkonzerns ​gespalten.

Im Fokus steht eine für Montag angesetzte Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Ein positives Urteil könnte Bayer einen Befreiungsschlag in der Klagewelle bringen, die der Konzern sich 2018 mit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eingehandelt hatte. Parallel treibt Bayer einen neuen Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar voran. «Dieses ‌Vergleichsprogramm ist kein Friedensangebot, es ist ein taktisches Ultimatum», sagte Janne Werning von Union Investment. Wer bis Anfang Juni nicht zustimme, könne im Fall eines für Bayer günstigen Urteils leer ausgehen.

Speich betonte, ein juristischer Befreiungsschlag müsse zwingend eine ​Debatte über die Konzernstruktur nach sich ziehen. «Wer über Jahre hinweg unter einer solchen ​Last steht, darf sich dann nach ersten Entlastungen nicht mit ​kosmetischen Anpassungen begnügen. Die juristischen Fortschritte allein schaffen noch keinen Wert.» Deka fordere daher eine ergebnisoffene Prüfung der Konzernstruktur. Union Investment unterstützt Andersons ‌Kurs, eine Abspaltung der Sparte für rezeptfreie Medikamente (Consumer Health) vorerst zurückzustellen. «Bayer kann sich zusätzlich zum DSO-Programm keine weitere Selbstbeschäftigung mit Strukturfragen leisten – die PS müssen jetzt auf die Strasse», forderte Werning.

DWS-Vertreter Hendrik Schmidt warnte vor einem schrittweisen Vorgehen bei ​möglichen Abspaltungen. «Eine ​Salamitaktik wie bei der Trennung von Covestro lehnen wir ⁠ab», sagte er. Sollten Geschäftsbereiche verselbstständigt werden, erwarte die DWS eine vollständige ​Platzierung sämtlicher Anteile in ⁠Deutschland.

Bayer-Chef Anderson hatte in seiner bereits am Montag veröffentlichten Rede betont, dass der Konzern sich weiterhin mitten im ‌Umbau befinde. «Alle strategischen Prioritäten sind entscheidend vorangebracht worden, aber keine ist abgeschlossen.» Seit Beginn der Neuausrichtung fielen rund 14.000 Stellen weg, allein im vergangenen Jahr waren es gut 4700.

Den leidgeprüften Investoren ‌hat Anderson wiederholt versichert, die Rechtsstreitigkeiten, die den Konzern seit Jahren schwer belasten, bis ​Ende 2026 deutlich eindämmen zu wollen. Trotz der Kritik signalisierten Deka, DWS und Union Investment, den Vorstand in diesem Jahr wieder entlasten zu wollen. Zustimmung kommt auch von den einflussreichen Stimmrechtsberatern ISS und Glass Lewis.

(Reuters)