Beliebter Halbleiterzulieferer - Hat die VAT-Aktie tatsächlich noch Luft nach oben?

Nach ihrem fulminanten Börsendebüt von 2016 bekundet die Aktie des Schweizer Vakuumventilherstellers VAT seit Monaten Mühe. Zu Unrecht, sagt ein Analyst und rät zum Kauf.
20.09.2017 08:25
Von Lorenz Burkhalter
VAT-Stand an der Semicon West in San Francisco.
VAT-Stand an der Semicon West in San Francisco.
Bild: ZVG

Seit knapp eineinhalb Jahren ist die VAT Group nun schon an der Börse SIX kotiert. Und das mit Erfolg, hat sich der Aktienkurs gegenüber dem seinerzeitigen Ausgabepreis von 45 Franken doch nahezu verdreifacht. Wie cash erst vor einer Woche schrieb, gehört die Publikumsöffnung des Spezialisten für Vakuumventile damit bereits zu den erfolgreichsten Börsendebüts seit 2007.

Allerdings liess sich in den vergangenen fünf Monaten kein Geld mehr mit der Aktie verdienen. Von den Höchstständen von Anfang Mai bei 136,80 Franken aus betrachtet errechnet sich sogar ein Minus von etwas mehr als 7 Prozent.

Zu Unrecht, schreibt der für die amerikanische Investmentbank J.P. Morgan tätige Analyst. Aus seiner Sicht ist die kursseitige Abkoppelung von der Geschäftsentwicklung einerseits und den Aktien vergleichbarer Anbieter andererseits nicht nachvollziehbar.

Zum Vergleich: Die Aktie des bekannten amerikanischen Grosskunden Applied Materials notiert um 23 Prozent, jene von Lam Research sogar um gut 25 Prozent höher als noch Anfang Mai. Auch die Titel der beiden direkten Rivalen Inficon und MKS Instruments schnitten in den letzten fünf Monaten deutlich besser ab.

Auf der Suche nach den Gründen

Dem Experten zufolge trägt die Aktie der VAT Group mit dieser zermürbenden Seitwärtsbewegung den starken Wachstumsaussichten für das kommende Jahr (Umsatzplus von 8 Prozent für 2018 nach einem Wachstum von 30 Prozent in diesem Jahr) kaum Rechnung. Der Analyst bekräftigt deshalb sowohl seine "Overweight" lautende Kaufempfehlung als auch das knapp 20 Prozent über dem aktuellen Börsenkurs liegende Kursziel von 150 Franken.

Beeindruckende Kursentwicklung der VAT-Group-Aktie seit dem Börsengang im April 2016 (Quelle: www.cash.ch)

Was der Analyst nicht schreibt: Mitunter ein Grund für die schleppende Kursentwicklung ist der Rückzug wichtiger Grossaktionäre. Erstmals trennten sich die beiden Altaktionäre Capvis und Partners Group im August 2016 von einem Teil ihrer Aktien. Im Zuge dessen fiel der Stimmenanteil damals von 51,1 auf 42,8 Prozent. Ende Mai dieses Jahres platzierten die beiden bekannten Finanzinvestoren ein weiteres Beteiligungspaket und vor gut sechs Wochen stieg Capvis dann sogar ganz aus.

Beliebtes Spekulationsobjekt hiesiger Trader

Über die Beweggründe für diesen Ausstieg lässt sich bloss spekulieren. Womöglich lässt er sich mit der starken Kursentwicklung seit dem Börsengang sowie mit der stolzen Bewertung der Aktie erklären. Denn selbst auf Basis der eher optimistischen Annahmen von J.P. Morgan errechnet sich für das laufende Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 36,4 und für das kommende Jahr immerhin noch ein KGV von 26,1. Darüber hinaus entspricht der heutige Firmenwert dem Siebenfachen des nächstjährigen Umsatzes, was selbst für ein Unternehmen aus dem Technologiesektor ziemlich viel ist.

Wichtigste Kennzahlen der VAT-Aktie auf einen Blick:

Kennzahl 2017 2018
Umsatzwachstum +30 Prozent + 8 Prozent
Gewinnwachstum + 31,3 Prozent +39,5 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 36,4 26,1
Kurs-Buchwert-Verhältnis (P/BW) 7,3 7
Dividendenrendite 3,5 Prozent 3,8 Prozent

(Quelle: J.P. Morgan, Schätzungen)

Davon lassen sich kurzfristig orientierte Anleger jedoch nicht abschrecken. Die Aktie der VAT Group, besser gesagt die zahlreichen Call- und Put-Optionen auf die Aktie, sind ein beliebtes Spekulationsobjekt hiesiger Trader. Je nach Vorgaben aus New York wird bei uns schon vorbörslich rege mit den Optionen gehandelt.

Für langfristig orientierte Anleger eignet sich die Aktie hingegen weniger, unterliegen die Unternehmen aus der Halbleiterindustrie und ihre Zulieferer auf lange Sicht für gewöhnlich doch starken Nachfrageschwankungen.