Bertelsmann baut sein Engagement in Indien mit einer Übernahme aus. Die Investmentsparte (BI) habe die Mehrheit am indischen Logistik-Marktplatz Lets Transport erworben, sagte Konzernvorstand und BI-Chef Carsten Coesfeld der Nachrichtenagentur Reuters. «Wir haben jetzt 80 Prozent.» Das Unternehmen aus Gütersloh ist seit Ende 2018 an der 2015 gegründeten Plattform beteiligt, die Lkw-Fahrer mit Firmenkunden verbindet. «Der Markt für Lets Transport ist 14 Milliarden Dollar gross, mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa elf Prozent - ist aber zu 90 Prozent nicht organisiert», betonte Coesfeld in dem am Dienstag veröffentlichten Interview. Er sieht Indien insgesamt als wichtigen Wachstumsmarkt. «Das ist hochattraktiv, wir sind von dem Potenzial überzeugt.»
Der gesamte Logistikmarkt in Indien sei sogar rund 300 Milliarden Dollar gross und wachse etwa acht bis neun Prozent im Jahr. Zu Details des Investments äusserte sich der Manager nicht. Ein anderer mit der Sache vertrauter Insider sagte, die Summe belaufe sich auf einen hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag. Bei einem hypothetischen Verkauf wäre das Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag wert, hiess es.
Uber für LKW
Lets Transport sei wie eine Art Uber für kleine und mittelgrosse Lastwagen, erläuterte Coesfeld. Die rund 250'000 registrierten und meist selbstständigen Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer könnten sich schnell anmelden und Aufträge übernehmen. «Wir verbinden Blue-Chip-Kunden mit Bulli-Fahrern in Neu-Delhi.»
Es handelt sich um die erste strategische Akquisition von Bertelsmann in Indien. Mit dem Zukauf will das Unternehmen einen führenden indischen Logistikanbieter aufbauen. Bei Lets Transport könne er sich Zukäufe vorstellen, zudem könnte man die gesamte Lieferkette erweitern, etwa durch Lager, erklärte Coesfeld. Lets Transport habe seinen Umsatz 2025 um rund 40 Prozent gesteigert und beschäftige knapp 500 Mitarbeitende in 25 Niederlassungen. Zu konkreten Umsatz- und Gewinnzahlen äusserte sich der Bertelsmann-Vorstand nicht. Co-Gründer Pushkar Singh hatte für das vergangene Jahr Erlöse von rund 100 Millionen Dollar in den sozialen Medien veröffentlicht.
«Wir setzen langfristig auf Indien – die am schnellsten wachsende grosse Volkswirtschaft der Welt», sagte Coesfeld. Die Übernahme sei ein Beispiel dafür, wie man Aktivitäten in globalen Wachstumsmärkten nutze, um neue langfristige Geschäftsfelder zu erschliessen. Er verwies auf eine ähnliche Strategie mit Afya, einem Netzwerk von medizinischen Hochschulen in Brasilien, das inzwischen an der US-Börse Nasdaq notiert ist. «Das ist der Blueprint, was wir hier wiederholen könnten.» Auf die Frage, ob dies langfristig auch zu einem Börsengang von Lets Transport führen könne, sagte Coesfeld: «Das kann passieren.»
Der Medien-, Dienstleistungs- und Gesundheitskonzern Bertelsmann ist in Indien seit mehr als 40 Jahren vertreten, etwa mit der Verlagsgruppe Penguin Random House und dem Fernsehproduzenten Fremantle der TV-Tochter RTL. Lets Transport soll operativ weiter vom Gründungsteam geführt werden. Der Chef von Bertelsmann India Investments, Pankaj Makkar, soll als Vorsitzender in den Verwaltungsrat der Lkw-Plattform einziehen.
(Reuters)

