Viele Anlegerinnen und Anleger tun sich schwer, beim Gold einzusteigen. Die Schwankungsanfälligkeit des Edelmetalls verunsichert und der Entscheid wird hinausgeschoben, weil der Einstiegszeitpunkt falsch sein könnte oder die Positionsgrösse nicht definiert ist. Ein klar definiertes Vorgehen und eine nachhaltige Strategie vereinfachen den Entscheid. 

Der erste Schritt ist, den Goldanteil im Portfolio festzulegen. Eine Gewichtung von 3 Prozent am Gesamtportfolio ist als Richtschnur ein kleiner Wert, 6 Prozent durchschnittlich und alles über 9 Prozent entsprechend ein hoher Wert. 

Mit der festgelegten Quote ist es allerdings nicht getan. Die Position muss zusätzlich periodisch angepasst werden, damit der festgelegte Anteil im Portfolio konstant bleibt. Das sogenannte Rebalancing tut genau das: Steigt der Preis, wird am Ende eines jeden Quartals der Anteil über dem festgelegten prozentualen Goldbestand verkauft. Im umgekehrten Fall wird wieder hinzugekauft, wenn der Preis fällt und die Quote unter den definierten Zielwert fällt. 

Die Raiffeisenbank hält in den alternativ ausgerichteten Kundendepots derzeit einen Goldbestand von 7,5 Prozent. Matthias Geissbühler, Anlagechef der Raiffeisen Schweiz, erklärte die zwei vorgenommenen Rebalancing im 2026 wie folgt: «Wir haben Ende Januar Gewinne mitgenommen, als der Preis auf 5400 Dollar pro Feinunze gestiegen ist. Nach dem Kursrutsch Mitte März haben wir dann das, was wir abbauten, wieder zurückgekauft.» Entsprechend ist die Quote wieder von 6,5 auf 7,5 Prozent angestiegen. «Wir waren im Gold anlagetaktisch sehr aktiv in den vergangenen Monaten», erläutert Geissbühler weiter. 

Eine deutlich höhere Quote für risikofreudige Anleger

Edelmetalle dienen nicht nur zur Stabilisierung der Renditen, sondern auch dem Erhalt der Handlungsfähigkeit in volatilen Marktphasen, hält das Department of Finance der Universität Zürich in einer Studie im Auftrag der Bank von Roll zu den Edelmetallen beim Vermögensaufbau fest. 

Die wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist, dass ein Portfolio mit einer Gewichtung von 85 Prozent Aktien und 15 Prozent Edelmetallen langfristig eine höhere Rendite als ein reines Aktienportfolio erzielt. Je nach Risikotoleranz des Investors kann sogar ein Edelmetallanteil von über 20 Prozent sinnvoll sein. 

Für hiesige Investoren mit einem hohen Aktienanteil sehen die Studienautoren einen idealen Anteil von 9 Prozent Silber und 11 Prozent Gold. Unter Berücksichtigung von Einkommenssteuern auf die Zinsen von Obligationen und Dividenden von Aktien, verändert sich die Quote auf 25 Prozent Edelmetalle, bei einem international diversifizierten Anleger sogar auf 30 Prozent. Dies, weil die Einkommenssteuern auf ausbezahlten Dividenden die Rendite schmälern.

Ein Vergleich zwischen Gold und einer Anlage in den Weltaktienindex MSCI-World im Zeitraum von 1972 bis heute ohne Berücksichtigung der Inflation kommt zu folgendem Ergebnis: Eine Investition von 100 Dollar in Gold wäre heute rund 6000 Dollar wert, während dieselbe Investition in den MSCI-World lediglich etwa 3400 Dollar erreicht hätte. 

Gold kann allerdings kein Aktieninvestment ersetzen. Unternehmensanteile liefern inklusive Dividenden die höhere Rendite ab. Das trifft aber nur zu, wenn die Dividenden reinvestiert werden. In diesem Falle hätte eine Investition in den MSCI-World einen Wert von rund 14’800 Dollar erzielt. Dieser Vorsprung reduziert sich jedoch deutlich, wenn die Besteuerung der Dividenden berücksichtigt wird. Insofern ist die Steuer- und Einkommensplanung bei der Aktien- und Goldgewichtung ein zu berücksichtigender Faktor. 

Risikokontrolle ist entscheidend

Vor einem sei weiterhin gewarnt: Bei stark fallenden Edelmetallpreisen können auch bei einer aktiven Rebalancing-Strategie Kursverluste eintreten. Der wesentliche Vorteil liegt andererseits jedoch auf der Hand: Anlegerinnen und Anleger gehen dem Risiko aus dem Weg, zu Höchstkursen zu kaufen und zu Tiefstkursen zu verkaufen. Deshalb ist dies ein disziplinierter Weg, um von den Marktschwankungen zu profitieren.

Mit dem Anpassen der Gewichtung bringt ein Investor zusätzliche Stabilität rein. Je höher der Gesamtanteil an Edelmetallen ist, desto häufiger sollte das Rebalancing stattfinden. Wer eine Gewichtung von 3 Prozent hat, ist mit einer halbjährlichen Anpassung gut beraten. Bei 6 Prozent drängt sich ein quartalsweises Rebalancing auf, bei mehr als 9 Prozent ein monatliches. 

Wer Gelegenheit hat, kann das Rebalancing bei Bedarf vornehmen, da bei volatilen Assets wie Edelmetallen in kurzer Zeit hohe Gewinne wie auch Verluste anfallen können. So ging es zwischen August 2025 und Ende Januar 2026 mit dem Goldpreis um 61 Prozent nach oben. Zwischen Ende Januar und Ende März folgte eine rasante Preiskorrektur und der Goldpreis fiel um 26 Prozent. 

Hohe Volatilität und intakte Fundamentaldaten

Diese hohen Kursschwankungen - in der Fachsprache Volatilität genannt - dürften vorerst bestehen bleiben. Alain Bokobza, Leiter globale Asset Allocation bei Société Générale in London, sieht die realisierte Volatilität kurzfristig am oberen Ende ihrer Spanne seit 2020, was die Eignung von Gold als stabile Absicherung vorerst schwächt. Gleichzeitig untermauern die hohen Handelsvolumina dieses Bild und deuten auf verstärkte taktische Positionierungen und kurzfristige Kapitalflüsse hin. 

Für den Strategen von Société Générale kann sich das gelbe Edelmetall in dieser Konstellation zwar weiter erholen, seine Absicherungsqualität wird jedoch so lange beeinträchtigt sein, bis die Volatilität nachlässt. Wer geduldig wartet, dürfte deshalb auch in der nahen Zukunft nach einem Preisrückgang einen guten Zeitpunkt finden, um auf einem angemessenen Niveau in Gold oder Silber einzusteigen. 

Ob der soliden Fundamentaldaten lassen sich langfristig orientierte Investierende vom ausgeprägten Auf und Ab der Edelmetallpreise nicht irritieren. Ein zentraler Grund sind die Zentralbanken, welche als solide und verlässliche Käufer auftreten. Das zeigen die Daten aus der Umfrage bei den Notenbanken des Branchenverbandes World Gold Council. Mit 95 Prozent geht die überwiegende Mehrheit der befragten Notenbanker davon aus, dass die globalen Goldreserven der Zentralbanken im Jahr 2026 steigen werden. Rund die Hälfte erwartet, dass auch ihre eigenen Goldreserven im gleichen Zeitraum zunehmen werden. 

Solide Nachfrage der Zentralbanken

Entsprechend zuversichtlich zeigen sich die Strategen. Dies streichen mit der Nachfrage der Zentralbanken und den resilienten Investoren zwei Faktoren heraus. So sehen die Strategen von Goldman Sachs weiteres Potenzial beim Goldpreis und beliessen vor Wochenfrist das Kursziel unverändert bei 5400 Dollar. Das Kernargument der Investmentbanker aus New York lautet, dass private Investoren, die Gold als Absicherung gegen langfristige makroökonomische Risiken – darunter Bedenken hinsichtlich der fiskalischen Tragfähigkeit der US-Schulden und Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbanken – erworben haben, ihre Positionen nicht verkaufen. 

Gold habe sich nach einem starken Kursverfall bis Ende März etwas erholt, stehe kurzfristig aber weiterhin unter Druck, schrieben die Analysten der UBS am Dienstag in einem Kommentar. Die Schweizer Grossbank prognostiziert nun einen Goldpreis von 5200 nach 6200 Dollar pro Unze für Ende Juni, da die Investorennachfrage angesichts der erhöhten makroökonomischen Volatilität nachgelassen habe. 

Die strukturelle Nachfrage bleibe jedoch intakt, da die Zentralbanken weiterhin ihre Käufe ankurbeln. Ebenso dürften die mittelfristigen Rückenwinde - Stagflationsrisiken, die Unsicherheit im Kontext der US-Wahlen und die Aussicht auf einen schwächeren US-Dollar bei gleichzeitig sinkenden Realzinsen - einen Anstieg auf 5900 Dollar pro Feinunze bis Ende 2026 unterstützen, so die Konklusion der UBS-Strategen.

Thomas Daniel Marti
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