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Biotech-Unternehmen - Warum wollen plötzlich alle die Basilea-Aktie?

Die Aktie der Biotech-Firma Basilea geht seit Tagen durch die Decke. Dafür verantwortlich sind zwei Gründe. Die Anlegergunst kann aber schnell kippen.
23.02.2017 15:45
Von Ivo Ruch
Schöne Aussichten: Der Hauptsitz von Basilea in Basel.
Schöne Aussichten: Der Hauptsitz von Basilea in Basel.
Bild: ZVG

Ein solcher Kursanstieg kommt nicht alle Tage vor: Seit Montagmorgen hat die Aktie von Basilea 12 Prozent zugelegt (siehe Chart). Das ist mehr als praktisch jede andere Aktie am Schweizer Markt. Nur die fusionstüchtigen Walter Meier und die Penny Stocks Von Roll, Schmolz+Bickenbach sowie Accu Holding können diesbezüglich mithalten. Zum Vergleich: Der Swiss Performance Index (SPI) kommt in den letzten vier Handelstagen auf ein Plus von einem knappen Prozent.

Die Basilea-Aktie in den letzten zwölf Monaten (Quelle: cash.ch)

Was steckt hinter dem Zwischenspurt des Biotech-Unternehmens, das einst zum Roche-Konzern gehörte? Basilea legte am Montag die neusten Geschäftszahlen vor. Wichtigste Informationen für Anleger: 2016 wurde der Verlust deutlich eingedämmt, und – noch wichtiger – ab 2018/2019 soll sogar ein Gewinn drinliegen. Die Neue Helvetische Bank schrieb dazu in einem Kommentar: "In eigentlich allen Belangen konnten die Zielsetzungen übertroffen werden."

Es liegt in der Natur vieler Biotech-Startups, dass sie in einer frühen Unternehmensphase vor allem Geld verbrennen. Mehrheitlich für die Forschung und Entwicklung von Medikamenten, die in Zukunft viel Geld in die Kasse spülen sollen. Derzeit hat Basilea zwei Anwendungen, Cresemba und Zevtra, auf dem Markt. Weitere sind in der Pipeline. Schwarze Zahlen würden Basilea also in der Unternehmensentwicklung auf die nächste Stufe hieven.

Steht eine Übernahme bevor?

Der zweite Grund für den Kursanstieg sind Gerüchte und Spekulationen über eine mögliche Übernahme. Das ist eigentlich nichts neues für Basilea. In der Biotech- und Pharmabranche ist diesbezüglich die Dynamik aber schneller geworden. Jüngstes Beispiel mit Schweizer Beteiligung ist die Übernahme von Actelion durch den US-Konzern Johnson & Johnson.

Basilea gilt in Anlegerkreisen diesbezüglich ebenfalls als attraktives Ziel. Die Suche nach Wachstum, wie es Basilea möglicherweise bietet, wird für Grossunternehmen einerseits immer schwieriger. Andererseits sind die Finanzierungsmöglichkeiten so günstig wie selten zuvor.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Basilea im Zusammenhang mit Übernahmespekulationen genannt wird. In der Vergangenheit machten Gerüchte die Runde, GlaxoSmithKline oder Actelion seien an einem Kauf interessiert.

Solche Übernahmephantasien beflügeln nicht nur Basilea. Auch andere Schweizer Biotech-Aktien sind derzeit gefragt. Molecular Partners und Cassiopea konnten in den letzten fünf Handelstagen ebenfalls mehr als 7 Prozent zulegen.

Mittlerweile ist Basilea mit 87 Franken pro Aktie wieder so hoch bewertet wie zuletzt im Januar 2016. Das Allzeithoch von 285 Franken aus dem Sommer 2007 ist allerdings noch weit entfernt. Solche starken Kursschwankungen sind durchaus typisch für Biotech-Aktien, die noch keinen Gewinn schreiben. Die Sympathie der Anleger kann aber schnell umschlagen. Produktneuheiten oder Studienresultate sind in der Lage, eine Aktie jäh abstürzen zu lassen. Darauf muss gefasst sein, wer bei Basilea einsteigen möchte. Die Basilea-Aktie kostete im Juni 2015 einmal 140 Franken, acht Monate später war sie noch 59 Franken Wert.