Der Bitcoin ist am Montag erstmals seit Mitte April unter 72'000 US-Dollar gefallen. Die Digitalwährung kostete auf der Handelsplattform Bitstamp zeitweise 71'811 Dollar. Zuletzt lag der Kurs nur geringfügig höher. Im frühen Handel hatte der Bitcoin noch fast 74'000 Dollar gekostet.

Strategy, der grösste institutionelle Anleger von Bitcoin, hat Bitcoin im Wert von rund 2,5 Millionen Dollar verkauft. Es war der erste Verkauf seit 2022. Mitbegründer Michael Saylor hatte während der Quartalskonferenz des Unternehmens im vergangenen Monat die Möglichkeit von Bitcoin-Verkäufen angedeutet. Zuvor hatte das Unternehmen jahrelang versichert, dass man keine Bitcoin verkaufen werde. Das Unternehmen erwähnte steuerliche Vorteile.

Die anfängliche Euphorie um US-Bitcoin-ETF hat sich danit weiter abgekühlt und einer beispiellosen Abflusswelle Platz gemacht. Laut ETF-Anbietern zogen Anleger im Mai innerhalb von zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen 2,96 Milliarden US-Dollar aus den Fonds ab. Dies führte zu Nettoabflüssen von insgesamt 2,4 Milliarden US-Dollar im Laufe des Monats. Der abrupte Umschwung steht im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Monaten mit einer starken institutionellen Nachfrage, in denen im März und April Zuflüsse von insgesamt über 3,3 Milliarden US-Dollar verzeichnet wurden.

Der Verkaufsdruck Ende Mai verschonte niemanden. BlackRocks normalerweise robuster IBIT verzeichnete nach einem massiven ausserbörslichen Blockhandel einen fast rekordverdächtigen Tagesumsatz an Rücknahmen.

Diese Kapitalflucht verdeutlicht die jüngste, eklatante Divergenz zwischen digitalen und traditionellen Risikoanlagen. Während globale Aktienindizes wie der S&P 500, der Nasdaq und Asiens führende Indizes wie der Kospi neue Höchststände erreichen, hat sich Bitcoin von der breiteren Marktrallye abgekoppelt.

Während ein rekordverdächtiger täglicher Kapitalabfluss bei US-Bitcoin-ETF auf akute Marktmüdigkeit hindeutet, legen frühere Erfahrungen nun nahe, dass solch drastische Verkäufe häufig kurzfristige Positionierungen bereinigen und einen zyklischen Tiefpunkt für den digitalen Vermögenswert signalisieren.

Unter der Oberfläche fungiert die Bereinigung des ETF-Kanals als zuverlässiger Kontraindikator. Historisch gesehen fielen derart extreme Tiefstände bei den US-Bitcoin-ETF-Zuflüssen häufig mit Tiefpunkten des lokalen Marktes zusammen. Ähnliche Kursstürze Anfang 2025 gingen starken, mehrmonatigen Erholungen voraus, sobald die institutionellen Verkäufe ihren Höhepunkt erreicht hatten.

Obwohl die Stimmung im Kryptobereich laut dem Alternative.me Crypto Fear and Greed Index, einem Multi-Faktor-Marktstimmungsindikator, in den Bereich «Angst» gefallen ist, könnte diese Bereinigung von übermässig gehebelten oder kurzfristigen Positionen genau das sein, was der digitale Vermögenswert benötigt, um sich neu zu positionieren und ein nachhaltiges Niveau zu erreichen.

(Bloomberg/cash/AWP)