Börse - Warum «splitten» Unternehmen überhaupt ihre Aktien?

Wenn Unternehmen ihre Aktien teilen, ist dies ein Hinweis auf gute Performance der Titel. Und die Leistung der Aktien kann durch das Splitten noch weiter angeheizt werden. Eine Erklärung.
26.12.2020 12:05
Tesla-Fabrik in Fremont in der Nähe von San Francisco. Die Firma hat 2020 die Aktien gesplittet.
Tesla-Fabrik in Fremont in der Nähe von San Francisco. Die Firma hat 2020 die Aktien gesplittet.
Bild: imago images / UPI Photo

Es kommt in den besten Familien vor - oder besser, bei den beliebtesten Aktien der Welt: Ein Aktiensplit. Apple tat es im Jahr 2020 und Tesla auch. Ein Aktiensplit heisst: Aus einer Aktie werden mehrere.

Unumstritten ist so ein Vorgang nicht. Eine Häufung von Aktiensplittings weist auf rasch steigende Kurse und damit einen nervösen Markt hin. Und somit auf eine gestiegene Gefahr eines Absturzes. Gut möglich, dass vor allem aus der US-Tech-Welt in nächster Zeit noch mehr solcher Splits durchgeführt werden. 

Ein Aktiensplit ist zunächst einmal eine optische Täuschung: Eine Aktie wird zwar günstiger im Erwerb, wenn eine Aktie statt 1000 Franken kostet, für fünf Aktien je 200 Franken bezahlt werden können. Ein Aktienpaket wird durch den Aktiensplit alleine aber weder grösser noch kleiner. Auch ändert dieser Vorgang per se noch nichts an der Bewertung einer Aktie.

Und doch zieht ein Aktiensplit eine ganze Reihe von Veränderungen mit sich. Psychologisch kann die Wirkung einer solchen Aufteilung gross sein. Als Apple am Freitag, dem 31. Juli 2020, einen geplanten Vier-zu-Eins-Split bekanntgab, schloss der Kurs bei 425 Dollar – am Tag davor war die Aktie für 385 Dollar aus dem Handel gegangen. Apple hatte in den vergangenen Jahren die Aktie schon mehrmals gesplittet. Aktuell kosten Apple-Aktien an der amerikanischen Börse nach dem Split 130 Dollar. Sie sind nach der ausgeführten Teilung nochmals angestiegen.

Firmen wissen um den potentiell positiven Effekt eines Aktiensplits

Bei Tesla verhielt es sich mit dem Kursschub nicht wesentlich anders: Bevor Tesla am 11. August einen Split im Verhältnis 5:1 ankündigte, lag der Kurs der Aktie bei 1374 Dollar. Nach der Ankündigung stieg der Wert auf über 2000 Dollar. Nach dem vollzogenen Split notiert Tesla nun bei rund 660 Dollar. Multipliziert mal fünf hätte die Aktie daher einen Wert von "ungeteilt" über 3000 Dollar.

Ein Aktiensplit treibt also in aller Regel die Kurse. Denn ein tieferer Preis pro Aktie macht eine Aktie leichter handelbar. Zwar gibt es grundsätzlich die Möglichkeit, bei Aktien mit einem hohen Preis pro Einzelaktie nur Teile einer Aktie zu kaufen. Aber was günstig aussieht, ist zum Handeln "handlicher": Also kaufen Investoren zu, gerade auch solche mit relativ kleinen Gesamtportefeuilles, die diversifizieren wollen. 

Managements von Firmen wissen um den potentiell positiven Effekt eines Aktiensplits. Langfristig nicht positiv ausgewirkt hat sich ein solcher Schritt vom März 2015 allerdings bei Leonteq: Kurz nach dem Split erklomm der Kurs zwar ein Maximalhoch bei 225 Franken. Jetzt handelt die Aktie nach Jahren geschäftlicher Probleme der Finanzgesellschaft für 37 Franken.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Optisch wiederum ganz schlecht sieht nach einem Aktiensplit der Chart aus: Die Reduktion des Kurses wirkt auf den ersten Blick wie ein dramatischer Kurseinbruch. Der Chart wird aber in der Regel rückwirkend angepasst werden, um dieses Bild zu verhindern. Und wenn dies nicht passiert, sollten erfahrenere Anleger wissen, dass sie ja entsprechend mehr Aktien im Portfolio haben und deren Wert im ersten Moment gleich bleibt.

Theoretisch kann ein Aktiensplit auch massive Verkäufe bewirken, weil Stopp-Loss-Order ausgelöst werden. Banken und Tradinggesellschaften müssen diese deshalb vorher spezifisch für gesplittete Aktien deaktivieren, um diese unerwünschte Nebenwirkung zu vermeiden.

Eine Folge hat ein Aktiensplit für gewisse ETF-Investoren. Gerade das Beispiel Apple verdeutlichte dies: Der Tech-Konzern hat eine hohe Gewichtung im US-Leitindex Dow Jones Industrial Average, weil bei der Berechnung des Gewichts im Index der reine Aktienpreis eine wichtige Rolle spielt (weswegen die Aussagekraft des DJIA abgekürzten Index’ immer wieder Gegenstand von Kontroversen ist).

Einmal gesplittet, geht die Bedeutung des Apple-Kurses für die Berechnung des Dow Jones zurück. Grössere Wirkung zeigt ein Aktiensplit auch bei Derivaten. Wer eine Option handeln will, macht dies üblicherweise über den Aktienpreis mal den Faktor 100. Bei einem Aktienkurs von fast 2100 Dollar wie bei Tesla ging es dann um 210'000 Dollar. Nach dem geplanten Split bewegten sich die Puts und Calls in Grössenordnungen von gut 40'000 Dollar. Dies machte Tesla für Optionshändler interessanter – auch in diesem Falle vor allem deshalb, weil mit kleineren Volumen operiert und optimaler diversifizert werden konnte.

Manche wollen es bewusst teuer

Apple und Tesla lösten am Markt mit ihren Splittings viel Aufsehen und Gerede aus. Es gibt aber auch Firmen, die sich fast schon mit aller Macht gegen Splits wehren: Warren Buffetts A-Aktie für das Beteiligungsimperium Berkshire Hathaway kostet 265'500 Dollar. Die Aktie ist noch nie gesplittet worden.

Ein Schweizer Beispiel ist der Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli. Lindt-Patron Ernst Tanner, heute Verwaltungsratspräsident, hat immer wieder die Vorzüge einer teuren Aktie betont – auch in Interviews mit cash.ch. Ein hoher Aktienpreis von 81'400 Franken wie aktuell bei der Lindt-Namenaktie bringt Prestige und grenzt die Zahl jener ein, welche die Aktie besitzen können. 

Exklusivität kann auch ein Ziel sein. Konservative Firmenleitungen schätzen dies. Fakt ist aber auch: Bei Lindt kann man in den wesentlich günstigen Partizipationsschein investieren, bei Warren Buffett in die viel billigere B-Aktie. Nur gehört man als Anleger dann einem weniger elitären Zirkel an.

 
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