Börsengänge - Was Aktionäre über das Galenica-IPO wissen müssen

Mit Galenica Santé kommt es an der Schweizer Börse zum nächsten Börsengang. Die Finanzgemeinde ist vom Debüt des Apothekenunternehmens angetan. Aber was liegt für «ganz normale» Aktionäre drin?
05.04.2017 18:55
Von Marc Forster
Ab 7. April werden zwei Aktien von Galenica gehandelt.
Ab 7. April werden zwei Aktien von Galenica gehandelt.
Bild: ZVG

Der Börsengang von Galenica Santé kommt bei Investoren gut an: Das sieht man daran, dass wegen hoher Nachfrage die Preisspanne für den Emissionspreis der Aktie angehoben wurde. Bei Galenica Santé handelt es sich um einen Börsengang, wo ein bereits kotiertes Unternehmen einen Firmenteil separat an die Börse bringt. Die Aktien von Galenica Santé - damit ist der Apothekenteil des Berner Unternehmens gemeint - sollen am 7. April, dem kommenden Freitag, erstmals gehandelt werden. 

Weshalb spaltet sich Galenica auf?

Über eine Aufspaltung des Konzerns in Galenica Santé, also dem Betreiber und Zulieferer von Apotheken und Vifor, den Medikamentenentwickler-Teil, wird schon seit 2014 gesprochen. Aufspaltungen werden in der Regel vorgenommen, weil das Management glaubt, separat hätten Firmenteile bessere Entwicklungs- und Wachstumschancen.

Wie heissen bei beiden zukünftigen Aktien?

Die bisherige Galenica-Aktie wird neu die Aktie von Vifor Pharma sein. Das Tickersymbol wechselt von GALN zu VIFN. Die Umbenennung des Unternehmens von Galenica in Vifor Pharma soll dann die Generalversammlung am 11. Mai beschliessen.

Erhalten Aktionäre automatisch zwei Aktien?

Nein. Die Titel der bisherigen Galenica-Aktionäre werden mit dem IPO von Galenica Santé zu Aktien von Vifor Pharma – ohne, dass die Aktionäre irgendetwas tun müssen. Bisherige Galenica-Aktionäre müssen aktiv die Titel der neuen Galenica Santé kaufen, wenn sie dabeisein wollen.

Ist dies die übliche Vorgehensweise bei IPOs von Firmenteilen?

Nein. Wenn eine Unternehmen einen Unternehmensteil separat an die Börse bringt, erhalten alte Aktionäre in der Regel automatisch Aktien beider Gesellschaften. 2009 spaltete sich der SMI-Konzern Julius Bär in die Privatbank und den Vermögensverwalter GAM auf. Aktionäre erhielten darauf je eine "neue" Aktie der sich neu kotierenden Julius-Bär-Gruppe und eine Aktie von GAM.

Als der Textilmaschinenbauer Rieter 2011 das Autozulieferer-Geschäft als Autoneum an die Börse brachte, blieb die Rieter-Aktie bestehen, und die bisherigen Aktionäre erhielten je gehaltene Aktie ein Papier von Autoneum. Diesen Vorgang nennt man Portfolio-Ausschüttung.

Das Problem für den Aktionär ist bei so einem Vorgang, dass er nun Aktionär von Unternehmen ist, deren Fundamentalsituation sich geändert hat. Autoneum-Aktionäre etwa mussten zweitweise einen Kurszerfall von bis zwei Drittel des ursprünglichen Werts hinnehmen: Die 110,50 Franken am ersten Handelstag waren erst im Herbst 2013 wieder erreicht (heutiger Kurs: 285,50 Franken).

Weswegen macht Galenica keine Portfolio-Ausschüttung?

Galenica verzichtet beim Börsengang von Galenica Santé auf eine Portfolio-Ausschüttung und wendet das oben beschriebene Verfahren an, das auch "Cash Call" genannt wird: Der Börsengang von Galenica Santé dient dazu, für die künftige Vifor Kapital zu gewinnen. Mitte des vergangenen Jahres kaufte der Konzern für Vifor den US-Pharmaentwickler Relypsa für 1,53 Milliarden Dollar. Dieser Zukauf waren wegen der Höhe des Kaufpreises bei Analysten und Aktionären umstritten. Gerechtfertigt wurde er damit, dass Relypsa die weltweiten Rechte am Kaliumbinder Veltassa hält, der zur Behandlung von gefährlichem Kaliumüberschuss bei Menschen eingesetzt wird.

Das IPO von Galenica Santé ist im Grunde genommen eine Kapitalerhöhung für Vifor. Aktionäre müssen selbst Geld in die Hand nehmen, um an der neuen Gesellschaft beteiligt sein zu können.

Weswegen sank die Galenica-Aktie in den vergangenen Tagen?

Bisherige Galenica-Aktionäre verkaufen Titel, um Geld für die neue Aktie lockerzumachen. Der Wert der Galenica-Aktie fiel seit Mitte März um 15 Prozent auf 1062 Franken.

Verlieren Aktionäre, wenn sie nur noch an Vifor beteiligt sind?

Mit den Einnahmen aus dem IPO von Galenica Santé steigt der Wert von Vifor. Der Erlös aus dem Börsengang soll die künftigen Vifor-Aktionäre vor dem Substanzverlust schützen.

Können Kleinaktionäre die neue Aktie zeichnen?

Mit der Suche nach Investoren sind Banken beauftragt. Angefragt werden dabei Grossanleger, institutionelle Investoren oder Fonds. Kleinaktionäre bekommen erst am ersten Handelstag die Möglichkeit, eine Aktie zu erwerben.

Was bedeutet die IPO-Preisspanne?

Die Preisspanne entsteht durch die Angebote der interessierten Investoren. Mit Blick auf den Börsengang hatte bei Galenica Santé die Preisspanne zunächst 31 bis 39 Franken betragen. Weil die Nachfrage hoch ist, wurde die Preisspanne auf 37 bis 39 Franken eingegrenzt. Die Preisspanne entsteht, wenn interessierte Investoren Aktien der neuen Gesellschaft zeichnen. Weil bei Galenica Santé, Betreiber und Ausrüster von Apotheken, ein starker Cashflow erwartet wird, ist das Interesse gross. Dies löst unter anderem die Erwartung einer vergleichsweise hohen Dividende aus.