Die Aktie des Halbleiterkonzerns CXMT schoss am Montag in Shanghai zeitweise um mehr als 500 Prozent in die Höhe. Sie beendete ihren ersten Handelstag schliesslich ⁠mit einem Plus von 466 Prozent auf 49 Yuan. Der Ausgabepreis hatte bei 8,66 Yuan gelegen. Der Börsenwert des Unternehmens erreichte zum Handelsschluss 3,3 Billionen Yuan, umgerechnet rund 427,5 ‌Milliarden Euro. Damit überholte der Neuling den bisherigen Spitzenreiter, die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). CXMT nahm mit ‌dem Börsengang umgerechnet mehr als 7,5 Milliarden Euro ein. Es ist der ​grösste Börsengang in Asien in diesem Jahr.

Der Erfolg von CXMT gilt als Gradmesser für die hohe Bedeutung, die Investoren der chinesischen Halbleiter-Industrie beimessen. Angesichts der US-Sanktionen und des globalen Technologiewettlaufs ist der Konzern zu einem Eckpfeiler der chinesischen Bemühungen geworden, die eigene Branche zu stärken und den Rückstand in strategischen Sektoren wie der Künstlichen Intelligenz (KI) aufzuholen.

«Speichermarkt bleibt angespannt»

CXMT ist Chinas führender Hersteller von DRAM-Speicherchips. Diese Arbeitsspeicher sind ein zentraler Baustein in praktisch allen modernen Elektronikgeräten - ‌von Smartphones über Computer bis hin zu KI-Servern. Lange wurde dieser globale Markt von den südkoreanischen Konzernen Samsung und SK Hynix sowie dem US-Unternehmen Micron dominiert. CXMT ist inzwischen zur weltweiten Nummer vier aufgestiegen. Seinem Börsenprospekt zufolge hatte der Konzern 2025 einen Marktanteil von 7,7 Prozent. Wegen der hohen KI-Nachfrage konnte CXMT den ​Umsatz im ersten Quartal um mehr als 700 Prozent steigern. Trotz des rasanten Wachstums und starker staatlicher Unterstützung steht ​das Unternehmen vor erheblichen Herausforderungen. Es hat einen technologischen Rückstand gegenüber den Marktführern - insbesondere bei hochmodernen ​HBM-Speicherchips, die für KI-Anwendungen wichtig sind.

«Der Speichermarkt bleibt angespannt», sagte Analystin Ellie Wong vom Marktforscher TrendForce. «Die Preise dürften bis Ende 2027 weiter steigen.» Viele Kunden versuchen, ihre Lieferanten zu diversifizieren, was CXMT ‌zugutekommen dürfte. Das Unternehmen selbst rechnet für das erste Halbjahr damit, dass sich der Umsatz auf 110 bis 120 Milliarden Yuan mehr als versiebenfachen wird. Der Überschuss soll zwischen 66 und 75 Milliarden Yuan liegen, nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum.

«Riecht nach Spekulation»

Das fulminante Debüt löste einen enormen Handel aus. Am Montag ​wurden CXMT-Aktien ​im Wert von 141,1 Milliarden Yuan umgesetzt. Es ist das erste Mal ⁠überhaupt, dass eine einzelne Aktie an einem Tag einen Handelsumsatz von mehr als 100 Milliarden Yuan ​erzielte. «Der Appetit der Anleger rührt ⁠vor allem daher, dass chinesische Investoren nun eine wichtige Möglichkeit haben, sich am aktuellen Superzyklus für Speicherchips zu beteiligen», sagte Aktienanalyst Jing Jie Yu vom Analysehaus Morningstar. ‌Der starke Kursanstieg könnte zudem durch den geringen Anteil frei handelbarer Aktien von nur 6,73 Prozent verstärkt worden sein.

Die Rallye weckte jedoch auch Sorgen über eine Blasenbildung. «Die Aktie ist zu teuer und riecht nach Spekulation», sagte der Hedgefonds-Manager Yuan Yuwei vom Vermögensverwalter Trinity ‌Synergy. Experten wiesen zudem auf zwei zentrale Risiken hin: Zum einen unterliegt der Speichermarkt erfahrungsgemäss starken Schwankungen zwischen hoher ​Nachfrage und Überangebot. Zum anderen behindern die US-Exportkontrollen langfristig den Zugang zu moderner Chip-Technologie. Ein anderer Fondsmanager, der die Aktie im Börsengang erworben hatte, verkaufte nach eigenen Angaben sofort wieder seine gesamten Anteile: «Bei einem solchen Preis wage ich es nicht, die Aktie zu halten oder zu kaufen», sagte Wu Zhou von Shenzhen Deyuan Investment.

(Reuters)