«Von einer Sommersorglosigkeit kann keine Rede sein», sagt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. «Anleger dürften auf der Suche nach dem Kompass in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld bleiben.»
Dennoch: Die zurückliegende Woche schloss der Schweizer Aktienmarkt insgesamt positiv ab. Der SMI stieg um 2,7 Prozent, der SPI um 2,3 Prozent. In den USA war das Bild gemischt: Während der Dow Jones ein kleines Plus von 0,5 Prozent verteidigen konnte, schlossen S&P 500 sowie Nasdaq 100 mit 2,1 respektive 4,7 Prozent deutlich im Minus.
Für Verunsicherung sorgte zuletzt eine Verkaufswelle bei KI- und Halbleiterunternehmen. Angesichts der Spekulationen über eine bevorstehende Zinserhöhung der US-Notenbank zeigten sich Anleger zunehmend besorgt über die hohen, schuldenfinanzierten Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI). Analysten bezeichneten den jüngsten Ausverkauf im US-Techsektor allerdings als nicht überraschend, angesichts des Ausmasses der zuvor angehäuften Kursgewinne.
Ob die Käufer zurückkehren, dürfte von den Gewinnen der Technologieunternehmen und den Aussichten für die US-Wirtschaft abhängen.
US-Arbeitsmarkt im Blick
Das Highlight in der neuen Konjunkturdatenwoche ist der US-Arbeitsmarktbericht, der an einem Donnerstag und damit einen Tag früher als sonst veröffentlicht wird. Denn am Freitag bleiben die Börsen in den USA wegen des bevorstehenden Feiertags Independence Day am 4. Juli geschlossen. Die Beschäftigung in den Vereinigten Staaten hat nach einer schwächeren Phase zuletzt drei Monate hintereinander kräftig zugelegt. Für Juni dürften erneut solide Zahlen gemeldet werden, prognostiziert Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer.
Der Experte zeigt sich jedoch zurückhaltend. «Ähnlich wie wir die schlechteren Zahlen im Herbst relativiert hatten, sehen wir die jüngste mancherorts herrschende Begeisterung nach den letzten Berichten als etwas übertrieben an», sagt er. «Das Gesamtbild des US-Arbeitsmarktes erscheint uns als solide, aber auch nicht mehr.» Am Mittwoch könnten die ADP-Daten zur Privatwirtschaft bereits einen Vorgeschmack auf die offiziellen Jobdaten liefern.
Sollte sich der Stellenmarkt wie schon im Mai besser als erwartet entwickeln, könnte das die letzten noch bestehenden Hoffnungen auf sinkende Zinsen zerstören.
Fed und EZB vor richtungsweisenden Treffen
Der unklare geldpolitische Kurs der US-Notenbank Fed unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh erschwert die Zinsprognosen für die Wall Street. Laut dem FedWatch-Tool der CME-Börse rechnen Händler derzeit bereits für September mit einer Zinserhöhung um mindestens 25 Basispunkte und gehen von einer weiteren Anhebung bis zum Jahresende aus.
Byron Anderson vom Vermögensverwalter Laffer Tengler hält die Zinserwartungen an den Märkten für übertrieben. Der jüngste Inflationsdruck sei grösstenteils energiebedingt und werde sich voraussichtlich umkehren, sobald sich das Ölangebot nach dem Ende des Iran-Kriegs normalisiere, sagt er. Da das Lohnwachstum nachlasse und der Wohnungsmarkt stagniere, prognostiziert Anderson für die kommenden Monate einen disinflationären Druck, wodurch die Notwendigkeit von Zinserhöhungen sinke.
Die neuesten Inflationsdaten der Euro-Zone, die am Mittwoch veröffentlicht werden, könnten ebenso für Gesprächsstoff sorgen. Die Juni-Daten für Deutschland stehen am Dienstag auf dem Plan.
Während in den USA mehrere Zinsschritte eingepreist werden, schwindet die Erwartung der Börsianer an weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Investoren weltweit achten auch auf Signale von EZB-Präsidentin Christine Lagarde für weitere Zinsschritte. Deswegen werden sie das von der Notenbank ausgerichtete Forum im Blick behalten, das von Montag bis Mittwoch stattfindet.
Bei dem Eröffnungsempfang am Montag steht die Rede von Lagarde im Mittelpunkt. Am Mittwoch nimmt sie an einer Podiumsdiskussion mit Fed-Chef Warsh teil. Das Treffen gilt als das europäische Pendant zur legendären Fed-Veranstaltung in Jackson Hole und bringt Notenbankchefs, Spitzenökonomen, Finanzmarktexperten und Journalisten im portugiesischen Sintra zusammen. Die Notenbanker nutzen das Forum traditionell, um abseits formeller Zinssitzungen die künftige Zinspolitik der Eurozone zu diskutieren.
(Reuters/cash)

