Das lange Osterwochenende dürfte den verunsicherten Anlegern nur eine kleine Atempause verschaffen. «Die Stimmung ist schlecht - an der Tankstelle wie am Aktienmarkt», sagt Helaba-Stratege ‌Adrian Keppler. ⁠Der vom Iran-Krieg ausgehende Energiepreisschock trifft die Weltwirtschaft und beunruhigt die Investoren mehr und mehr. Zudem bleiben sie vor dem Hintergrund widersprüchlicher Signale von US-Präsident ⁠Donald Trump im Ungewissen. «Angesichts einer Flut von Widersprüchen ist es derzeit nicht so einfach, echte Signale von Störgeräuschen zu unterscheiden, so wie man es normalerweise erwarten würde. Die ‌Märkte haben dadurch das Gefühl, sich auf Messers Schneide zu bewegen», sagt Mark Dowding, Anlageexperte für ‌festverzinsliche Wertpapiere bei RBC BlueBay Asset Management.

Solange der Ölhandel beeinträchtigt bleibt, ​wird Dowding zufolge jeder schnelle Ausweg anhaltende und ungewisse wirtschaftliche und geopolitische Auswirkungen haben. «Der anhaltende Konflikt im Iran und die Störungen beim Transport von Energie durch die Strasse von Hormus betreffen rund 20  Prozent des weltweiten Energieangebots», fasst Tiffany Wilding, Ökonomin bei Pimco, zusammen. So stieg der Brent-Ölpreis stieg am Donnerstag auf rund 110 Dollar pro Barrel. Trump erklärte, die USA würden die Angriffe auf den Iran fortsetzen, was die Befürchtung längerer Unterbrechungen ‌der Ölversorgung schürte. Vorherige Aussagen hatten die Investoren noch auf ein absehbares Kriegsende hoffen lassen.

Anleger fürchten sich vor dem Beginn eines Angebotsschocks

Die Aktienmärkte seien bislang noch vergleichsweise ruhig geblieben, da kurzfristige Lösungen eingepreist würden und Lagerbestände die unmittelbaren Auswirkungen abfederten, sagen die Pimco-Experten. In der Karwoche schloss der SMI am Donnerstag um 0,07 Prozent tiefer auf 12981,97 Punkten. Die Schwankungen waren aber gross: Zeitweise war der Leitindex auf ein Tagestief von 12'861 Punkten abgesackt, erholte sich dann aber wieder und kletterte kurzzeitig gar über die Marke von 13'000 Punkten. Der SMIM für die mittleren Werte verlor 0,12 Prozent auf 2949,33 Punkte und der breite SPI sank um 0,06 Prozent auf 18'123,68 Punkte.

In der verkürzten Börsenwoche hat der SMI damit ein Plus von 3,3 Prozent geschafft. Allerdings hatten sich viele Investoren schon in die Osterfeiertage verabschiedet. Die Handelsvolumina waren dünn. Der Handel wird am Dienstag wieder aufgenommen.

An der Wall Street ist die jüngste Erholung am Donnerstag ins Stocken gekommen. Die wichtigsten Indizes beendeten einen nervösen Handel mit kaum veränderten Schlusskursen. Der Leitindex Dow Jones Industrial gab am Ende um 0,13 Prozent auf 46'504,7 Punkte nach. Für die verkürzte Börsenwoche ergibt sich damit ein Plus von fast 3 Prozent. Der marktbreite S&P 500 gewann am Donnerstag 0,11 Prozent auf 6582,7 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 legte um 0,11 Prozent auf 24'045,5 Punkte zu. Während an den US-Märkten am Karfreitag kein Handel stattgefunden hat, nehmen die US-Börsen das Geschäft am Montag wieder auf.

Und der deutsche Leitindex Dax stand ​nach einer Berg- und Talfahrt mit 22'760 Punkten per Freitagnachmittag unter dem Strich ein halbes Prozent im Plus. «Mit ​anhaltenden Unterbrechungen könnten jedoch Rezessionsrisiken, ein Rückgang der Nachfrage und steigende Anleiheprämien zunehmen», warnt ​die Pimco-Ökonomin Wilding.

Vor dem Hintergrund des veränderten Inflationsumfeldes haben sich auch die Zinserwartungen deutlich verschoben. Zu Jahresbeginn hatten Marktteilnehmer noch zwei Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed eingepreist. Inzwischen wird bis Ende ‌2026 keine Zinssenkung mehr erwartet. Am Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank das Protokoll ihrer Sitzung von Mitte März, was Hinweise auf die Stimmungslage der Zentralbanker liefern dürfte.

Ölpreisanstieg treibt US-Inflation

Wegen des Nahost-Kriegs ist die US-Inflation wohl deutlich nach oben gesprungen. Wie stark, davon werden die am Freitag erwarteten Zahlen ​für März ​einen ersten Eindruck liefern. Stärkster Inflationstreiber dürfte Benzin sein, das sich zum Februar ⁠bereinigt um rund 20 Prozent verteuert habe, sagen die Ökonomen der Commerzbank. «Die teurere ​Energie hat sich aber wahrscheinlich noch ⁠nicht auf breiter Front in höheren Preisen für andere Waren und Dienstleistungen niedergeschlagen, ausser vielleicht in Ansätzen bei Flugreisen. Dies ist aber wohl ‌nur eine Frage der Zeit.» Am Ostermontag, an dem der Börsenhandel feiertagsbedingt hierzulande ruht, steht der ISM-Serviceindex an, der als wichtiger Indikator für die US-Dienstleistungsbranche gilt.

Am Dienstag steht der PMI-Index für Dienstleistungen in Europa und für Deutschland auf dem Programm. ‌

In der Schweiz stehen kommende Woche konjunkturseitig die Publikation der Arbeitsmarktdaten für den März und die Devisenreserven auf dem Programm. Betreffend Unternehmen herrscht hinsichtlich der nächsten Quartalssaison weitgehend noch Ruhe. Einzig Ems-Chemie und R&S legen ihre Ergebnisse fürs erste Quartal 2026 respektive die definitiven Ergebnisse fürs Geschäftsjahr 2025 vor. Zudem haben verschiedene Large- und Small-Caps die Investoren zu ihren Generalversammlungen geladen.

(cash/Reuters)