Britische Aktien wieder «very british»

Eine wiedererstarke Wirtschaft in Grossbritannien treibt die «Insel»-Aktien gehörig an. Im cash-Video-Interview sagt Kames-Fondsmanager David Griffiths, auf welche Titel Anleger setzen sollten.
25.05.2014 22:07
Von Ivo Ruch
David Griffiths betreut den Bereich britische Aktien bei Kames Capital.
Bild: cash

Grossbritanniens Wirtschaft läuft wieder auf Hochtouren. Im ersten Quartal 2014 wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent – die grösste Zunahme seit sechs Jahren. Zudem fiel die Arbeitslosenrate im ersten Quartal auf 6,8 Prozent und somit den tiefsten Stand seit 2009. Damit nicht genug: Experten rechnen damit, dass Grossbritannien von allen grossen Industrienationenin diesem Jahr am stärksten wachsen wird. Zuversichtlich gab sich kürzlich auch der Chef der Bank of England (BoE), Mark Carney. Die Erholung verbreitere sich, er gab vorsichtig optimistisch.

Von diesen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitiert auch der britische Aktienmarkt. Der Leitindex der Londoner Börse, der FTSE100, erreichte im Februar den höchsten Stand seit 14 Jahren. Titel wie United Utilities, Associated British Foods oder der Pharmahersteller AstraZeneca, der von Übernahmephantasien profitiert hat, haben in diesem Jahr bereits mehr als 20 Prozent dazugewonnen.

"Es kommt darauf an, wo man sein Geld anlegt"

Aktien wie jene von British Foods seien jüngst davon beflügelt worden, dass eine breite Umschichtung in defensive Titel stattgefunden habe, sagt Investment-Manager David Griffiths im cash-Video-Interview. Er betreut beim Fondshaus Kames Capital den Bereich "UK Equities". "Eine Umschichtung in defensive Titel bedeutet häufig, dass die Anleger ihren Risikoappetit zügeln. Und meist fällt danach das Marktniveau. Auf kurze Sicht wäre ich deshalb ein bisschen vorsichtiger", so Griffiths.

Längerfristig ist er aber sehr zuversichtlich für den britischen Aktienmarkt und sieht "Raum für weiteres Wachstum". "Die Anleiherenditen sind generell auf einem unterstützenden Niveau, aber es kommt darauf an, wo man sein Geld anlegt", sagt Griffiths.

Eine Aktie, die er zur Zeit besonders empfehlen kann, ist Thomas Cook. Der Reiseveranstalter hat in den letzten 52 Wochen seinen Börsenwert um 22 Prozent steigern können. "Das Unternehmen bietet eine sehr starke Geschichte. Und nach vielen Schwierigkeiten sind die Perspektiven in dieser Industrie sehr gut." Zudem ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (2015) von 7,5 sehr attraktiv bewertet. Auch Morgan Stanley hat jüngst ihr "Overwight"-Rating für Thomas Cook bestätigt.

Gefahr vom Immobilienmarkt

Als weiteren Titel mit Zukunftsfantasie nennt UK-Experte Griffiths Travis Perkins. Das Unternehmen aus Northampton betreibt im ganzen Land zahlreiche Baumärkte und profitiert somit direkt von der regen Bauaktivität, die in Grossbritannien als wichtiger Treiber für das Wirtschaftswachstum gilt. Ab 2012 hat die englische Notenbank über das Kreditprogramm "Funding for Lending" die Vergabe von Hypotheken gefördert. Und die britische Regierung hat mit einem eigenen Programm die Immobiliennachfrage noch zusätzlich befeuert.

Doch mittlerweile gilt der Immobilienmarkt insbesondere in und um London als überhitzt, die Blasengefahr steigt. Auch Griffiths meint, dass das Preisniveau in London einen sehr hohen Stand erreicht habe. "Sobald man aber London verlässt, ändert sich das Bild. Im Rest der Insel sehen wir keine Blase."

Eine direkte Gefahr für die Wirtschaft erkennt er deshalb nicht. "Die Erholung der Wirtschaft weitet sich über den Häusermarkt aus, zum Beispiel auf die Investitionen von Firmen." Wer sein Geld trotzdem nicht auf einzelne Titel setzen will, kann auch über klassische Anlagefonds oder die günstigeren ETFs auf die britische Erfolgsstory setzen (siehe Tabelle).

Ein Versuchskaninchen für die Euro-Zone

Grossbritanniens Inflationsrate liegt zur Zeit mit 1,8 Prozent im Zielbereich der Zentralbank. Das erlaubt es den Währungshütern, die Leitzinsen tief zu halten. Allerdings wird vielerorts darüber spekuliert, dass die BoE von den gewichtigen Notenbanken die erste sein könnte, die dereinst ihre Zinsen erhöht. Dadurch würde die britische Wirtschaft zu einer Art Versuchskaninchen für die Euro-Zone und die USA.

Eine grosse Unbekannte ist auch das Referendum über die schottische Unabhängigkeit, das im September abgehalten wird. Aktuelle Umfragen deuten zwar auf ein Nein beim Urnengang hin. Trotzdem müssen die Diskussionen über die Zukunft des britischen Pfunds oder die Ölreserven in der Nordsee jedem langfristig orientierten Anleger bewusst sein.

 

Ausgewählte Grossbritannien-Aktienfonds

Fonds Performance seit 1.1.14 Performance 3 Jahre
Threadneedle UK Equity Income ZNI (GBP) +7% n.a.
JOHCM UK Opportunities A (GBP) +7% +51%
Candriam Equities L United Kingdom (GBP) +6% +33%
Fidelity FAST UK Y (GBP) +6% +47%
Parworld Track UK Classic-Capitalisation (EUR) +6% +31%

Quelle: cash.ch, Stand: 25.5.2014

 

Ausgewählte Grossbritannien-Aktien-ETFs

ETF Performance seit 1.1.14 Performance 3 Jahre
ComStage FTSE 100 TR UCITS (CHF) +9% +37%
UBS ETF- MSCI United Kingdom UCITS (GBP) +8% n.a.
Amundi ETF FTSE 100 UCITS (EUR) +6% +37%
iShares UK Dividend UCITS (CHF) +6% +44%
iShares FTSE 100 UCITS ETF (GBP) +5% +37%

Quelle: cash.ch, Stand: 25.5.2014

Im cash-Video-Interview sagt Griffiths zudem, welche britische Bankaktie er empfiehlt.

Das Video-Interview mit David Griffiths entstand auf Einladung von Kames Capital in Edinburgh.