Der unter Druck stehende Carrefour-Chef Alexandre Bompard will Europas grössten Lebensmittelhändler mit einem milliardenschweren Sparprogramm und einer neuen Strategie wieder auf Kurs bringen. Der Konzern strebe jährliche ‌Kostensenkungen ⁠von einer Milliarde Euro an, erklärte Bompard am Mittwoch auf dem Kapitalmarkttag in Paris. Zudem wolle ⁠sich das Unternehmen auf seine Kernmärkte Frankreich, Spanien und Brasilien konzentrieren.

«Carrefour legt heute einen ehrgeizigen neuen Strategieplan vor, der ‌radikal auf Wachstum und die Verbesserung der Rentabilität ausgerichtet ist», ‌so Bompard bei der Vorstellung des dritten Konzepts ​seit seinem Amtsantritt als Vorstandschef im Juli 2017. Die operative Marge solle von 2,6 Prozent im Jahr 2025 auf 3,5 Prozent im Jahr 2030 steigen. Die Marge von Carrefour ist seit Beginn der Pandemie 2020 gesunken und die Aktien haben seit Bompards Amtsantritt knapp 30 Prozent ‌an Wert verloren.

Teil der neuen Strategie ist auch der Verkauf von Randgeschäften. So veräusserte Carrefour sein Italien-Geschäft und kündigte den Verkauf der rumänischen Sparte an. Die Einsparungen sollen unter anderem durch eine Ausweitung ​des Franchise-Modells in Frankreich sowie einen verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz und Datenanalyse ​erzielt werden.

Anleger zeigen sich skeptisch

Die neue Strategie wurde einen Tag nach der Veröffentlichung der Bilanz 2025 vorgestellt, die den Handlungsdruck auf ‌Bompard verdeutlichte: Das operative Ergebnis sank im Vorjahr um 5,4 Prozent auf 2,16 Milliarden Euro. Neben der allgemeinen Konsumflaute belasteten Integrationskosten für die Übernahme der Cora- und Match-Filialen in Frankreich das Ergebnis.

Finanzchef Matthieu ​Malige ​äusserte sich aber zuversichtlich für 2026 und stellte ⁠einen Anstieg der operativen Marge von über 25 Basispunkten gegenüber ​2025 in Aussicht. Die Verbraucherstimmung ⁠im Heimatmarkt helle sich auf und der Lebensmittelmarkt kehre nach zwei Jahren inflationsbedingter Rückgänge auf ‌einen Wachstumspfad zurück, erklärte er.

Anleger konnte der Vorstand aber nicht überzeugen: Die Aktie gab um über vier Prozent nach. Auch Analysten äusserten sich skeptisch. Das Management ‌sei vielleicht endlich auf dem richtigen Weg, aber Carrefour müsse erst noch ​liefern, kommentierten Analysten von Bernstein. «Man muss sich fragen, warum sich das Management erst nach acht Jahren an der Spitze auf das Kerngeschäft konzentriert.»

(Reuters)