börsen-talk

Chefökonom Migros Bank -  «Es ist nicht so schlecht, dass sich die Stimmung eintrübt»

Die Gefühlslage an den Aktienmärkten hat sich verschlechtert. Christoph Sax sieht in dieser Situation Positives. Im Börsen-Talk sagt der Migros-Bank-Chefökonom, welche Aktien er jetzt kaufen würde - und welche nicht.
29.06.2018 16:43
Von Pascal Züger
Christoph Sax, Chefökonom Migros Bank.
Bild: cash

"Ich bin nicht sicher, ob wir es dieses Jahr ins Trockene schaffen werden; aber vier bis fünf Prozent Gesamtertrag sollte in der zweiten Jahreshälfte möglich sein": Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank, spricht im cash-Börsen-Talk das noch vorhandene Potenzial für den Swiss Market Index (SMI) in diesem Jahr an. Trifft diese Prognose ein, wäre der Leitindex Ende Jahr gerade Mal bei knapp 9000 Punkten – und weit von den 9500 Punkten vom Jahresanfang entfernt.

Verschiedene Faktoren belasten die Börsen: Der Zinsanstieg in den USA, Probleme mit der italienischen Regierung in der Eurozone und nicht zuletzt der sich immer mehr zuspitzende Handelsdisput der USA mit China und Europa. Dass Anleger generell bezüglich des weiteren Börsenverlaufs pessimistischer geworden sind, zeigt die cash-Umfrage von Anfang Woche: Fast die Hälfte der 4000 Teilnehmer sehen den SMI Ende 2018 auf dem gleichen Niveau oder tiefer als heute.

Lesen Sie dazu auch: cash-Leser werden bei Aktien skeptischer

Sax gewinnt dem schwindenden Optimismus der Anleger aber auch Positives ab: "Es ist gar nicht so schlecht, dass sich die Stimmung etwas eintrübt", so der Ökonom. Dies würde Anleger vorsichtiger werden lassen. 

Für selektive Einstiege ergeben sich trotz der Schwierigkeiten Gelgenheiten. Der globale Handelsstreit könnte gegen Ende Jahr wieder an Bedeutung verlieren. Sax sieht im gegenwärtigen Schlagabtausch auch etwas Wahlkampftaktik in den USA: Präsident Donald Trump wolle liefern, um für die Midterm-Wahlen im November vorbereitet zu sein. Danach könne an den Aktienmärkten eine Entspannung spürbar sein.

Tech-Sektor spannend

Wo bieten sich inmitten dieser komplizierten Lage konkrete Einstiegsgelegenheiten? Sax ortet diese derzeit primär im Tech-Sektor: Seine Favoriten sind Microsoft, Adobe und Amazon.

Dass der Tech-Sektor in diesem Jahr sehr gut unterwegs ist, zeigt ein Blick auf den amerikanischen Technologieindex Nasdaq 100: Plus 9 Prozent Performance sind es in diesem Jahr, in den letzten 52 Wochen sogar plus 24 Prozent. Der Swiss Performance Index (SPI) hingegen - er deckt den breiten Schweizer Aktienmarkt ab - hat seit Jahresanfang 6 Prozent eingebüsst. Anleger können laut Sax mit dem Einstieg bei Tech-Titeln auch noch etwas abwarten. Investoren hätten sich jüngst etwas in diesem Sektor "versteckt", so dass diese Titel bereits gut gelaufen seien.

Die Schweiz wiederum ist im Tech-Sektor etwas untervertreten, weshalb Anleger fast zwangsläufig ins Ausland blicken müssen, um diesen Bereich abdecken zu können. Einen Titel aus diesem Bereich, der zumindest in der Schweiz kotiert ist, nennt Sax dann aber doch noch: AMS. Der österreichische Halbleiterhersteller ist in den letzten 12 Wochen um 25 Prozent eingebrochen, da der wichtige Kunde Apple seine Umsatzerwartungen revidieren musste.

"Irgendwann wird sich das wieder etwas relativieren, vielleicht war man auch etwas übervorsichtig", meint Sax dazu. Derzeit ist die AMS-Aktie 75 Franken wert und somit wieder weit entfernt vom Rekordhoch im März bei 121 Franken.

Finger weg von Nestlé

Chancen warten auch noch ausserhalb der typischen Tech-Aktien: "Im Bereich E-Commerce sehe ich auch Alternativen im Bereich der Zahlungsdienstleister, zum Beispiel Visa oder Mastercard, die man meines Erachtens jederzeit kaufen kann." Es gibt aber auch Sektoren, die Sax scheut: Basiskonsumgüter, Versorger und Telecom. Der Wettbewerbsdruck sei in diesen Branchen zu hoch, die Ertragsaussichten entsprechend beschränkt. Ausserdem ist es für ihn noch etwas zu früh, um auf defensive Sektoren zu setzen.

Schliesslich nennt Sax einen Titel, den er im Moment für gar nicht kaufenswert hält: "Bei Nestlé sehe ich keinen Grund, jetzt zu investieren." Das Unternehmen habe mit grundlegenden Veränderungen des Marktes zu kämpfen und müsse sich noch ein Stück weit neu erfinden. Seit Jahresbeginn hat die Nestlé-Aktie 9 Prozent eingebüsst.

Im cash-Börsen-Talk erklärt Christoph Sax ebenfalls, weswegen er auf die zuletzt stark unter Druck geratene Roche-Aktie setzt. Er analysiert den Zustand der Schweizer Wirtschaft  und macht eine Prognose, wann in der Schweiz die Zinswende kommen könnte.