Chip-Hersteller - AMS-Zahlen top - Kursfeuerwerk geht aber der Zunder aus

Aufträge von Smartphone-Herstellern verschaffen dem Chiphersteller AMS eine gute Geschäftsbilanz. Nach anfänglich starken Kursgewinnen im frühen Handel liegt der Aktienkurs mittlerweile aber deutlich im Minus.
22.10.2019 11:27
Von Marc Forster
AMS-Logo am Firmensitz im österreichischen Unterpremstätten.
AMS-Logo am Firmensitz im österreichischen Unterpremstätten.
Bild: ZVG

Nachdem der Kurs nach Handelsstart bei über 6 Prozent im Plus gelegen hatte, ist der Kursgewinn kontinuierlich geschrumpft. In der Zwischenzeit ist der Verlauf ins Minus gekippt und die Aktie fällt um 1,5 Prozent zurück. 

Dass der Kurs im Tagesverlauf so gedreht hat, kann in der Tat auch an Leerverkäufern liegen, die wegen der geplanten Kapitalerhöhung für den Kauf des deutschen Lichtunternehmens Osram entsprechende Positionen aufbauen. AMS ist eine beliebte Aktie bei Anlegern, gerät aber auch immer wieder unter den Druck von Leerverkäufern (cash berichtete).  Zudem waren die Erwartungen an AMS vor der Ergebnispräsentation hoch gewesen. Eine dritte Erklärung ist, dass die Anleger erste Zweifel an der Nachhaltigkeit der Margen hegen: Die Betriebsmarge ist seit letztem Jahr um 15 Prozentpunkte auf 28 Prozent vorgerückt.

Der "Dreher" im heutigen Kursverlauf spiegelt auch den volatilen Charakter der AMS-Aktie. Im Vergleich zum Jahresanfang 2019 liegt der Kurs der AMS-Aktie um 89 Prozent höher. Mit den anfänglichen Kursgewinnen des heutigen Tages war es sogar fast zu einer year-to-date Kursverdoppelung gekommen.

Zuletzt hatte die Aktie aber unter Druck gestanden: Auf 12 Wochen hinaus ist der Kurs um 22,8 Prozent zurückgegangen.

Der Kurs der AMS-Aktie seit Anfang Jahr (Grafik: cash.ch).

Die Zahlen zum dritten Quartal, die AMS vorgelegt hatte, werden generell als gut bewertet. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 41 Prozent auf 645 Millionen Dollar. Verglichen mit dem zweiten Quartal legten die Verkäufe gar um 57 Prozent zu.

Bei den Gewinnzahlen überzeugt das österreichische, in der Schweiz kotierte Unternehmen ebenfalls. Der vor allem um Akquisitionseffekte bereinigte Ebit wuchs auf 177,9 Millionen Dollar, nachdem dieser vor einem Jahr bei 57,6 Millionen und im Vorquartal bei 49,5 Millionen gelegen hatte.

Der Reingewinn erhöhte sich in der Folge massiv auf 177,9 Millionen Dollar. Vor einem Jahr hatte die Technologiegruppe 17,8 Millionen Dollar verdient, im zweiten Quartal waren es 25,9 Millionen gewesen.

Erwartungen übertroffen

AMS hat damit die Erwartungen übertroffen, wie Analysten anmerken: "Gleichzeitig bestätigt der Ausblick für das vierte Quartal die sehr solide Geschäftsdynamik, nicht nur im Hinblick auf Apple, sondern auch auf das Android-Ökosystem", schreibt die Bank Vontobel. AMS ist stark von Apple abhängig, möchte aber verstärkt auch bei anderen grossen Technologieherstellern Fuss fassen. 

Insbesondere im Consumer-Geschäft setzte AMS dank der guten Nachfrage nach optischen Bild- und Audiosensoriklösungen den Steigerungslauf fort. Produkthochläufe im Smartphone-Bereich seien der Hauptreiber des kräftigen Wachstums, schreibt AMS.

Im laufenden vierten Quartal geht AMS von einer weiterhin guten Geschäftsentwicklung insbesondere auch im Smartphone-Bereich aus. Der Umsatz soll im Bereich von 610 bis 650 Millionen Dollar liegen nach 491 Millionen vor einem Jahr. Das entspräche einem Wachstum von 28 Prozent.

Alle Augen auf dem 3D Sensing 

Grundlage der guten Performance im dritten – und erwarteterweise auch vierten – Quartal sind die starken durch die Smartphone-Zulieferung generierten Volumen, wie auch die Bank Barclays schreibt. "Wir gehen davon aus, dass diese in erster Linie auf die weitherum berichteten höheren Aufträge und Verkäufe von neuen iPhones zurückgehen", notiert das britische Finanzinstitut in einem Marktkommentar.

Als entscheidend für die künftige Entwicklung bei AMS sieht Barclays die Entwicklung der Sensoren, welche die Umgebung dreidimensional erfassen können, wie sie beispielsweise in einer Smartphone-Kamera oder für die Gesichtserkennung zum Einsatz kommen können (so genanntes 3D Sensing). AMS braucht nach eigenen Angaben noch 18 Monate, um diese Sensoren unter das Display zu bekommen. So ist kein Gehäuse für die Sensoren mehr nötig (so genannte "notch), welches das Display verkleinert und somit als störend empfunden wird.

Zuversicht für Osram-Angebot

Bei AMS dreht sich derweil seit Wochen und Monaten alles auch um die Frage, ob der geplante Kauf von Osram gelingt. Nachdem der letzte Versuch dazu gescheitert war, hatte AMS am vergangenen Freitag ein neues Angebot lanciert. AMS bietet je Osram-Aktie erneut 41 Euro, reduziert aber Mindestschwelle zur Annahme des Angebots auf 55 Prozent. Beim letzten Versuch wurde die Schwelle von 62,5 Prozent noch verfehlt.

AMS halte bereits einen Fünftel an Osram und man sei zuversichtlich, dass die Übernahme gelinge, hiess es dazu im Communiqué vom Dienstag. Das Angebot sei "finanziell attraktiv und strategisch überzeugend". Zusammen mit Osram wolle man ein "weltweit führendes Unternehmen" für Sensorlösungen und Photonik schaffen. Noch wartet AMS auf die Zustimmung der deutschen Behörden.

Analysten interessiert nach wie vor, wie weit der Kauf die Bilanz belasten wird und wie eine notwendige Kapitalerhöhung durchgeführt werden soll. Der weitere Verlauf der Osram-Pläne von AMS ist ebenfalls ein wichtiger Einflussfaktor für die Aktienkurs.

(Mit Material der Nachrichtenagentur AWP)

 
Aktuell+/-%
ams I16.350+6.07%
OSRAM Licht N42.00+2.04%
EUR/USD1.1300-0.00%
Apple Rg383.68+0.25%
Vontobel Holding N68.60+0.22%
Barclays Rg1.178+5.18%