Dies ging am Freitag aus Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht und die koreanische Börse hervor. Damit ist die Aktienemission die zweitgrösste ⁠aller Zeiten nach dem 85,7 Milliarden Dollar schweren Börsengang des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX vor wenigen Wochen.

Die Emission von SK Hynix war Insidern zufolge mehr als siebenfach überzeichnet. Die Papiere ‌sollen am Freitag unter dem Kürzel «SKHY» erstmals an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden. Das Geld soll ‌vor allem in den Ausbau der Produktionskapazitäten fliessen.

Hynix hatte Investoren 179,9 ​Millionen American Depositary Receipts (ADRs) zum Kauf angeboten. Dabei stehen jeweils zehn dieser Hinterlegungsscheine für eine Aktie des Unternehmens. Der Ausgabepreis entspricht einem Aufschlag von 2,7 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen drei Handelstage, teilte das Unternehmen mit. Hynix lehnte eine Stellungnahme zur Nachfrage und zum Preis ab.

Es hatte vor einigen Tagen mitgeteilt, dass einige Vermögensverwalter Papiere im Volumen von sieben Milliarden Dollar kaufen wollten. An der Börse in Seoul stiegen die ‌Hynix-Papiere zur Eröffnung am Freitag um 2,8 Prozent, blieben damit aber hinter dem Gesamtmarkt zurück, der um 4,5 Prozent zulegte. Begleitet wird der Börsengang von den Banken Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und JPMorgan.

Mit dem Gang an die Wall Street hofft Hynix, ​seinen Bewertungsrückstand auf den kleineren US-Rivalen Micron zu verringern. Dessen Aktienkurs liegt derzeit beim 6,66-fachen des Gewinns je Anteilsschein, ​während Hynix auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 5,5 kommt. Dieser Wert ist seit Ende Oktober von ​7,9 gesunken, da die massiven Gewinnsteigerungen des Unternehmens den rasanten Kursanstieg übertrafen.

Der Analyst Lee Min-hee von BNK Investment & Securities dämpfte jedoch die Erwartungen, dass die US-Notierung den heimischen Aktien ‌starken Auftrieb geben werde. Südkoreanische Unternehmen litten weiterhin unter dem sogenannten Korea-Abschlag – einer tendenziell niedrigeren Bewertung aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung. Die Papiere werden voraussichtlich zeitnah in den Philadelphia-Halbleiterindex aufgenommen, was zusätzliche automatische Käufe von Fonds auslösen könnte.

SK Hynix ist der führende Anbieter sogenannter ​HBM-Speicher (High Bandwidth ​Memory) mit einem Weltmarktanteil von 61 Prozent. Diese margenstarken Hochleistungschips werden in Rechenzentren ⁠für Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt. «Solange es eine Nachfrage nach KI-Rechenzentren gibt, ist SK Hynix ​unverzichtbar», sagte Yoo Hoi-jun, Professor für Elektrotechnik ⁠am Korea Advanced Institute of Science & Technology.

Hynix ist ein wichtiger Zulieferer für Nvidia, den weltgrössten Anbieter von KI-Prozessoren. Daran werde sich nichts ändern, betonte ‌Nvidia-Chef Jensen Huang im vergangenen Monat. Er sagte voraus, dass das Angebot an Speicherchips auf Jahre hinaus knapp bleiben wird. An den vergangenen Tagen kamen einigen Anlegern jedoch Zweifel an einer Fortsetzung des Booms beim Bau von KI-Rechenzentren.

Auslöser waren ‌die Quartalszahlen des Hynix-Lokalrivalen Samsung, die trotz kräftiger Umsatz- und Gewinnsteigerungen enttäuschten. Daraufhin brachen Hynix-Titel zeitweise und verloren ​in den vergangenen zwei Wochen rund ein Viertel ihres Wertes. Im Vergleich zum Vorjahr notieren sie aber immer noch etwa 680 Prozent im Plus. Die Gewinne des Konzerns fallen derart hoch aus, dass jeder Mitarbeiter voraussichtlich einen Jahresbonus von rund 574.500 Dollar erhalten wird.

(Reuters)