Der Goldpreis steigt am Montag um 0,1 Prozent  4347 US-Dollar pro Unze. Das ist der höchste Stand seit dem 17. Juni. Letzte Woche konnte der Goldpreis rund 5 Prozent zulegen. Allein am Mittwoch stieg er um 4 Prozent, da Anzeichen für Fortschritte bei der Wiedereröffnung der Strasse von Hormus den energiepreisbedingten Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) verringerten. Diese sieht sich nun weniger in Zugzwang, die Zinssätze anzuheben.

Die stärkste dreitägige Goldrallye seit dem Spekulationsrausch im Januar wurde durch die Rückkehr von ETF-Käufern gestützt - einer Gruppe, deren Beteiligung für nachhaltigere Kursgewinne unerlässlich ist. Die positive Entwicklung des Goldpreises zieht die Aufmerksamkeit von ETF-Käufern auf sich, einer wichtigen Stütze des Edelmetalls.

Die gesamten Goldbestände von ETFs sind seit dem 20. Juli um 24 Tonnen gestiegen, was einen Tiefpunkt markiert zu haben scheint. Dies ist das stärkste Kauftempo seit Anfang April, als die Hoffnung auf einen Waffenstillstand im Iran aufkam.

Zuvor verzeichnete lediglich der Spekulationsrausch zu Jahresbeginn ein schnelleres Kauftempo. Dies unterstreicht die zentrale Rolle, die ETF-Investoren für die Goldpreisentwicklung spielen. Die Käufe der Zentralbanken legten den Grundstein, doch die Erholung setzte erst mit dem Wiederanstieg der ETF-Zuflüsse ein. Dies war der letzte fehlende Baustein für eine positivere Einschätzung des Goldpreises.

Ob sie langfristig investiert bleiben, wird massgeblich von der Entwicklung der US-Zinsen abhängen. Da Händler ihre Wetten auf Zinserhöhungen weiter reduzieren, dürfte der Goldpreis steigen – wie die Kursgewinne vom Freitag belegen. Die Inflationsdaten der kommenden Woche könnten die Lage jedoch verändern, insbesondere da die aktuelle Schwäche des Arbeitsmarktes angesichts der insgesamt robusten Wirtschaft wahrscheinlich überbewertet ist.

Selbst wenn der Konsumentenpreisindex die Erwartungen auf eine Zinserhöhung im September bestätigt, dürfte sich die Rallye eher verlangsamen als umkehren. Zum jetzigen Zeitpunkt könnte nur ein umfassender Straffungszyklus den Goldpreis zum Einsturz bringen, doch die Daten deuten nicht mehr in diese Richtung. Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs haben das Goldpreis-Ziel für Dezember auf 4900 Dollar gesetzt.

Drei Jahre lang ging es mit dem Goldpreis in der Tendenz nach oben. Aber zu Beginn des Jahres war der Höhenflug mit dem Rekordhoch bei knapp 5600 US-Dollar je Feinunze abrupt zu Ende. Zwischenzeitlich verlor das Edelmetall etwa ein Viertel seines Werts. Erst im Juli konnte sich der Goldpreis stabilisieren und hielt sich seitdem in einer vergleichsweise engen Spanne über der Marke von 4000 Dollar.

Ein wesentlicher Grund war, dass andere Anlageformen in der ersten Jahreshälfte an Attraktivität gewonnen hatten. Unter anderem festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen waren wegen der Aussicht auf steigende Zinsen gefragt. Hintergrund war, dass hohe Preise für Energierohstoffe durch den Iran-Krieg für eine steigende Inflationserwartung gesorgt haben. Das setzt Notenbanken wie die Europäische Zentralbank unter Druck, die Zinsen im Kampf gegen eine zu starke Teuerung zu erhöhen. Dagegen machten Anlegerinnen und Anleger derzeit eher einen Bogen um Gold, das keine Marktzinsen abwirft.

(Bloomberg/AWP)

Bloomberg
BloombergMehr erfahren