Die italienische Bank UniCredit biete den Commerzbank-Aktionären keinen angemessenen Aufschlag auf den Aktienkurs und habe «keinen nachvollziehbaren und belastbaren strategischen Plan für einen Zusammenschluss vorgelegt», bekräftigte die Commerzbank-Führung am Montag ihre Ablehnung in der offiziellen Stellungnahme, die sie zu der vor knapp zwei Wochen vorgelegten Offerte abgeben muss. Beide Gremien seien der Überzeugung, dass die Commerzbank mit ihrer eigenen Strategie mehr Wert schaffen könne, die sie vor gut einer Woche vorgestellt hatte.
«Was die UniCredit als Zusammenschluss bezeichnet, erweist sich als Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes und profitables Geschäftsmodell eingreifen würde», sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp. Die strategischen Pläne von UniCredit seien vage und so nicht umsetzbar. Im Falle einer Fusion von Commerzbank und der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) drohe ein Abbau von 10.000 bis 11.000 Stellen, das wäre mehr als ein Viertel der Belegschaft. Der Betriebsrat der Commerzbank geht sogar von bis zu 23.000 zu streichenden Stellen aus, wenn man als Massstab nehme, wie die UniCredit bei der Münchener Tochter HVB vorgegangen sei.
Commerzbank fürchtet Überlappungen mit HVB
Durch Überlappungen mit der HVB und deren Kunden seien Ertragsverluste von mehr als 500 Millionen Euro zu befürchten, heisst es in der Stellungnahme. UniCredit unterschätze die Kosten und Risiken, die mit ihren Plänen verbunden seien. Statt der von UniCredit-Chef Andrea Orcel veranschlagten Kosten von 3,4 Milliarden Euro seien 4,2 Milliarden realistisch. Eine so grosse Zahl von Stellen lasse sich nicht so schnell abbauen wie Orcel glaube.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann pflichtete Orlopp bei: «Die unausgereiften Vorstellungen der UniCredit bergen erhebliche Risiken und gefährden die auf Vertrauen und Verlässlichkeit aufgebauten Kundenbeziehungen der Commerzbank ebenso wie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter», sagte der ehemalige Bundesbank-Chef.
14 Gespräche seit dem Einstieg der Italiener vor eineinhalb Jahren hätten zu nichts geführt, hiess es in der Stellungnahme. Dennoch bekräftigte die Bank, Vorstand und Aufsichtsrat blieben gesprächsbereit, wenn UniCredit den Aktionären eine attraktive Prämie bietet und über einen Plan zu sprechen bereit sei, «der auf den Stärken des Geschäftsmodells und der Strategie der Commerzbank aufbaut».
Gegenüber den Aktionären argumentiert die Commerzbank in der Stellungnahme vor allem finanziell: Das Übernahmeangebot liege unter dem Commerzbank-Aktienkurs, die Kursziele von Analysten lägen mit 41,50 Euro im Schnitt noch fünf Euro darüber. Das Angebot orientiere sich nur an der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgegenleistung und sei «ein opportunistischer Versuch, Kontrolle zu erwerben». Auch die Investmentbanken Goldman Sachs und UBS kommen in Studien zu dem Schluss, dass das Tauschangebot in UniCredit-Aktien «unangemessen» sei.
Im Hintergrund arbeitet Orcel derweil daran, die Beteiligung an der Commerzbank über das Tauschangebot hinaus aufzustocken. Insgesamt könnte sich UniCredit Zugriff auf bis zu 38,9 Prozent an der Commerzbank verschaffen. Sie hat den Bestand an Derivaten (Total Return Swaps) auf Commerzbank-Aktien erhöht, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung hervorgeht. Für einen Grossteil davon ist zwar ein Barausgleich vorgesehen. Das kann aber in der Regel leicht geändert werden, so dass UniCredit auf diese Weise auch Commerzbank-Aktien erwerben könnte. Dies birgt aber das Risiko, dass die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) davon ausgehen, dass UniCredit die Commerzbank faktisch kontrolliert - was ihre Kernkapitalquote abschmelzen lassen würde.
Direkt hält UniCredit 26,77 Prozent an der Commerzbank, über Derivate kann sie jederzeit bis auf 29,99 Prozent aufstocken. Das noch bis 16. Juni laufende Tauschangebot ist in der ersten Woche nur für 0,006 Prozent der Aktien angenommen worden.
(Reuters)

