«Unsere Strategie funktioniert - und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant», sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp am Freitag in Frankfurt. Ihr Kalkül: Die Bank soll aus eigener Kraft besser werden, so dass ihr Aktienkurs weiter steigt und eine Übernahme für UniCredit zu teuer macht. Die zweitgrösste börsennotierte Bank in Deutschland setzt nicht nur auf Wachstum, sondern auch auf mehr Effizienz: Weitere 3000 von derzeit rund 38.000 Arbeitsplätzen sollen gestrichen werden. Das sei mit dem Betriebsrat vereinbart worden, erklärte die Bank. Dafür nimmt sie rund 450 Millionen Euro in die Hand.
Zehn Prozent der Arbeit werde in den nächsten Jahren durch Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt, sagte Orlopp. Mitarbeiter könnten dann anders eingesetzt werden - oder ihre Stellen fielen weg. Das Filialnetz will sie aber nicht weiter ausdünnen. Dabei seien betriebsbedingte Kündigungen «faktisch ausgeschlossen», sagte Kevin Voss von der Gewerkschaft Verdi.
«Wir haben gesehen, was die Alternative wäre», erklärte Konzern-Betriebsratschef Sascha Uebel im Intranet der Bank. «Einsparungen werden unvermeidlich sein – doch sie sind weit weniger schmerzhaft als der Kahlschlag, den wir bei einer Übernahme erwarten müssten.» Im In- und Ausland wären dann «schnell über 10.000 Arbeitsplätze betroffen», warnte Uebel. Verdi sähe bei einem Zusammenschluss mit der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank sogar bis zu 15.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Die Commerzbank hat mehrere Sparrunden hinter sich: Erst vor einem Jahr hatte sie den Abbau von 3900 Stellen angekündigt, von denen ein Teil aber an anderer Stelle neu entstehen soll.
Rückendeckung vom Kanzler
Orlopp kämpft gegen eine Übernahme durch UniCredit, die am Dienstag ein offizielles Tauschangebot an die Commerzbank-Aktionäre vorgelegt hatte. Dieses liegt zwar rechnerisch unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie, doch haben sich die Italiener über Aktienoptionen bereits Zugriff auf gut 35 Prozent an der Commerzbank gesichert. Bisher halten sie 26,7 Prozent. Damit hätte Vorstandschef Andrea Orcel ab Anfang 2027 freie Hand, den Anteil weiter aufzustocken und die Commerzbank stärker unter Druck zu setzen. Orlopp riet den Aktionären stillzuhalten: «Wer bei uns investiert bleibt, erhält Wertschöpfungspotenzial und alle Handlungsoptionen.» UniCredit versuche, den Wert der Bank herunterzureden, um ihren Aktienkurs zu drücken. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich am Donnerstag erneut hinter die Commerzbank gestellt: «Feindliches und aggressives Vorgehen lehnen wir entschieden ab. So wird Vertrauen zerstört.»
Orlopp wirft Orcel vor, das Geschäftsmodell der Commerzbank auch nach zehn Treffen in den vergangenen Monaten nicht verstanden zu haben. Was Orcel mit der Bank vorhabe, sei in dem genannten Zeitraum völlig unrealistisch, warnte sie. Seit Ostern herrscht zwischen Orcel und Orlopp Funkstille. Man bleibe aber gesprächsbereit, sofern die Italiener den Aktionären eine Prämie auf den Aktienkurs böten und bereit seien, «offen über einen Plan zu diskutieren, der die Säulen des Geschäftsmodells und der Strategie der Commerzbank berücksichtigt». Orcel zweifelt unter anderem am grossen internationalen Netz der Commerzbank, mit dem sie den deutschen Mittelstand im Ausland begleitet. «Das ist unser Kerngeschäft» und bringe 1,8 Milliarden Euro an Erträgen, sagte Orlopp.
Commerzbank will trotz schwacher Konjunktur wachsen
Trotz der schwachen Konjunktur schraubt die Commerzbank ihre Ziele für 2028 nach oben und verspricht für 2030 noch mehr: Bis dahin will Orlopp die Erträge auf 16,8 (2025: 12,2) Milliarden Euro steigern. Das Zwischenziel für 2028 liegt mit 15 Milliarden Euro 800 Millionen höher als bisher geplant - allerdings auf dem Niveau, das Analysten schon einkalkuliert haben. Finanzvorstand Carsten Schmitt sagte, die Bank rechne von 2027 an mit einer anziehenden Wirtschaft. Das Wertpapiergeschäft soll ausgebaut werden, bei deutschen Firmenkunden will die Bank Marktanteile gewinnen. «Wir wachsen stärker als geplant, und unsere neuen Ziele bis 2030 spiegeln das wider – ehrgeizig und gleichzeitig verlässlich in der Umsetzung. Daran muss sich jede Alternative messen lassen», sagte Orlopp.
Die Bank soll bis 2030 einen Nettogewinn von 5,9 Milliarden Euro abwerfen, für das laufende Jahr liegt die Latte nun bei 3,4 (2025: 3,0) Milliarden Euro, 200 Millionen mehr als im Februar vorhergesagt. Analysten rechnen mit fast 3,5 Milliarden. Allein 600 Millionen Euro Investitionen in KI sollen einen Wertbeitrag von einer halben Milliarde Euro bringen - durch Einsparungen, mehr Erträge und geringere Risiken. Das soll das Verhältnis von Kosten und operativen Erträgen auf 43 Prozent senken. Für 2026 peilt die Bank 53 Prozent an. Orcel hatte die HVB als Vorbild für die Commerzbank genannt - sie kommt auf 34 Prozent. Die Eigenkapitalrendite will Orlopp bis 2030 auf rund 21 (2025: 10) Prozent verdoppeln, 2028 peilt sie 17 Prozent an.
Im ersten Quartal übertraf die Commerzbank mit einem Nettogewinn von 913 (834) Millionen Euro die Erwartungen der Analysten. Das sei das beste Nettoergebnis seit 2011, erklärte die Bank. Die Commerzbank-Aktie verlor trotzdem ein Prozent auf 36,55 Euro. Ein Händler sagte, das Quartalsergebnis sei solide, aber nicht herausragend. Aus dem Übernahme-Thema sei etwas die Luft raus.
(Reuters)

