«Eine Lösung für die Atomambitionen des Iran bleibt eine genauso grosse Hürde in ‌den Verhandlungen wie ⁠die Marke von 25'000 Punkten für den Dax», sagt Andreas Lipkow, Chefanalyst des Brokers CMC Markets. Am Mittwoch hatten die USA und der Iran zwar ein 14-Punkte-Abkommen geschlossen, das unter anderem ⁠die im April verkündete Waffenruhe verlängert und eine Öffnung der Strasse von Hormus vorsieht. Für die anschliessenden Verhandlungen, die auch den Umgang mit dem iranischen Atomprogramm regeln sollen, wurde eine Frist von 60 Tagen gesetzt. Die für diesen Freitag ‌in der Schweiz geplanten Gespräche wurden jedoch abgesagt.

Die Anleger zeigten sich vorsichtig optimistisch. Der Swiss Market Index schloss um 0,06 Prozent höher bei 13'774,02 Punkten. Für die Gesamtwoche resultierte damit ein minimes Plus von 0,5 Prozent. An der Wallstreet ergab sich für die feiertagsbedingt verkürzte Handelswoche ein Plus von 0,71 Prozent. Und obwohl der Dax am Freitagnachmittag leicht tiefer notierte, ‌legte er im Wochenvergleich jedoch um insgesamt rund 1,5 Prozent zu.

«Für die nervösen Anleger, ​die von Lieferketten- und Benzinpreissteigerungen geschädigten Unternehmen sowie die von Inflation gestressten Verbraucher dürfte die Beurteilung des ausgehandelten Rahmenabkommens eher eine untergeordnete Rolle spielen», schreiben die Experten der Helaba. «Hauptsache, der Ölpreis ist wieder deutlich niedriger.» Die Preise für die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl WTI lagen zum Wochenschluss bei rund 80 und 77 Dollar je Fass (159 Liter). Vor dem US-Iran-Krieg hatten sie zwischen 60 und 70 Dollar geschwankt.

«Die entscheidende Frage wird sein, ob die geopolitischen Schlagzeilen vollständig abklingen und die Märkte sich den offenen Rechnungen der Weltwirtschaft zuwenden», sagt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. Auch nach den jüngsten Notenbanksitzungen sei ‌die Hoffnung auf eine ruhige Sommerbörse verflogen. Die Anleger warten daher mit Spannung auf frische Konjunkturdaten. Daraus erhoffen sie sich Hinweise auf das Ausmass der langfristigen Auswirkungen des Iran-Krieges und auf den künftigen geldpolitischen Kurs der Zentralbanken.

Stimmungsindikatoren im Fokus

Die neue Woche eröffnen am Montag Daten zum Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juni. Am Dienstag folgen die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum und die USA im vergangenen Monat. ​Zur Wochenmitte werden zudem die endgültigen US-Wachstumsdaten für das erste Quartal und der ​PCE-Index für Mai erwartet. Dabei handelt es sich um ein für die Fed wichtiges Inflationsmass, das auf die persönlichen Ausgaben der US-Konsumenten bezogen ist.

«Wir gehen davon aus, dass sich die Erleichterung über das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran ‌insbesondere beim Einkaufsmanagerindex zeigen wird», sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Denn die Umfrage für diesen Index beginnt erst Mitte des Monats und damit dieses Mal nach der Bekanntgabe der Einigung zwischen den beiden Ländern. Hingegen hatte die Ifo-Umfrage schon deutlich früher begonnen, sodass viele Unternehmen ihre Antworten bereits bis zur Monatsmitte eingereicht hatten.

Nvidia lädt zur Hauptversammlung ein

Auf der Unternehmensseite stehen die Hauptversammlungen einiger grosser Unternehmen an. In Deutschland laden ​unter anderem Porsche AG, ​Qiagen und Porsche SE zum jährlichen Aktionärstreffen ein.

Im Rampenlicht in den USA steht die Hauptversammlung ⁠des Chipriesen Nvidia am Mittwoch. Davon erhoffen sich Börsianer Hinweise auf die Nachhaltigkeit der boomenden Nachfrage nach Chips für Künstliche ​Intelligenz (KI). «US-Aktien haben seit Jahresbeginn trotz des Iran-Kriegs markant ⁠zugelegt. Die Krux ist jedoch, dass dieses Gewinnwachstum zu 60 Prozent aus dem IT-Sektor stammt», schreiben die Experten der LBBW. «Falls die Dynamik dort schwächelt, würde dies den Gesamtmarkt deutlich belasten.»

(Reuters/cash)