Givaudan hat vorgestern den Anfang gemacht und für das dritte Quartal eine kräftige Gewinnsteigerung bekannt gegeben. Zwar wurden die Zahlen gelobt, aber die Aktie gab trotzdem nach. Auch bei den übrigen SMI-Konzernen bestehen zum Teil immer noch hohe Erwartungen. Werden sie enttäuscht, sind Kursrückgänge fast vorprogrammiert. Werden die Prognosen erfüllt, kann dies die Kurse antreiben, aber auch wie bei Givaudan zu Gewinnmitnahmen führen.

Um die Verfassung der Schweizer Grosskonzerne bestehen indessen noch keine allzugrossen Sorgen: "Die Stimmung ist gut und die Erwartungen an die meisten Unternehmen sind immer noch positiv", sagt Anastassios Frangulidis, Chefstratege der Bank Pictet. Die Gewinne und Umsätze seien noch nicht gross betroffen, auch wenn es die bekannten Störfaktoren gebe: Der Franken habe sich handelsgewichtet etwas aufgewertet und natürlich bestünden die Unsicherheiten um den globalen Handel.

Schwergewichte an zwei Tagen

Nächste Woche werden innerhalb von 24 Stunden die drei SMI-Schwergewichte Roche, Nestlé und Novartis ihre Zahlen vorlegen. Obwohl keines der drei Unternehmen im Halbjahr sonderlich schlecht abgeschnitten hat, sind die Kursentwicklungen weiterhin verhalten. Der Roche-Bon ist so viel wert wie zum Jahresanfang, Nestlé ist um insgesamt 3 Prozent gesunken, bei Novartis gab es auf die vergangenen gut neun Monate gesehen ein Plus von 3 Prozent.

Bei Nestlé, wo übrigens ein Umsatz-Update und nicht der ganze Zahlensatz vorgelegt wird, richten sich die Augen wie häufig auf das organische Wachstum. "Es dürften vorerst 3 Prozent Wachstum sein", sagt Analyst Stephan Vollert vom Research der Helvetischen Bank. In den nächsten Jahren könnte sich dieses aber komfortabel verbessern. "Konzernchef Mark Schneider tätigt zahlreiche Käufe und Verkäufe, mit dem klaren Ziel vor Augen, künftig auf die Kernthemen Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden zu setzen." Vollert attestiert Schneider einen sehr guten Job zu machen, gibt aber zu bedenken, dass die Umstellung Zeit brauche. "Geduld und Gelassenheit sind bei Anlegern gefragt."

Bei den Pharmatiteln bevorzugt der Finanzanalyst Novartis. Das Unternehmen hat sich jüngst bewusst von Teilen des Generika-Portfolios getrennt und verfolgt nun die Abspaltung der Augenheilsparte Alcon. Massnahmen, die dem Aktionär zugutekommen. Dies sei bei Roche anders, wo ein Umbau und eine Neupositionierung nötig seien. Über solche Pläne bei Roche, wo seit nunmehr zehn Jahren Severin Schwan Konzernchef ist, ist derzeit nicht viel bekannt. Allerdings nutzen Konzerne einen Berichtstag nicht selten dazu, wichtige und manchmal auch unerwartete Entscheidungen bekanntzugeben.

SMI-Unternehmen und ihre Bilanzvorlagen in den nächsten Wochen

TitelDatumArt der MitteilungPerformance seit
1.1.2018
Roche17.10.Ergebnis Q30%
Nestlé18.10.Umsatz 9 Monate-3%
Novartis18.10.Ergebnis Q3+3%
ABB25.10.Ergebnis Q3-17%
Lonza25.10.Update 9 Monate+19%
Sika25.10.Umsatz 9 Monate0%
UBS25.10Ergebnis Q3-17%
LafargeHolcim26.10.Ergebnis Q3-17%
Geberit30.10.Ergebnis Q3+3%
Credit Suisse1.11.Ergebnis Q3-19%
Swiss Re1.11.Ergebnis 9 Monate+2%
Swisscom1.11.Ergebnis 9 Monate-15%
Adecco6.11.Ergebnis Q3-32%
Swiss Life7.11.Zwischenmitteilung Q3+9%
Zurich8.11.Update 9 Monate+7%
Richemont9.11.Interimresultate Halbjahr*-16%
Julius Bär20.11.Interimsbericht 10 Monate-20%

*Richemont-Geschäftsjahr geht bis Ende März / Daten: AWP/cash.ch

Mit Kursrückgängen von 17 bis 20 Prozent seit Anfang Jahr haben die drei SMI-Banken an der Börse bisher kein gutes Jahr hinter sich. Die Kurse von Grossbanken reagieren schnell auf den Zyklus und angesichts der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und anderen Wirtschaftsblöcken setzen ihnen auch die Unsicherheiten zu. Für UBS, Credit Suisse und auch Julius Bär gibt es wenig ermunternde Signale aus dem wichtigen Vermögensverwaltungsgeschäft.

Denn die Privatkunden dürften sich im dritten Quartal angesichts der herrschenden Unsicherheiten eher zurückgehalten haben. Vor allem das für die Erträge von den drei SMI-Banken wichtige Transaktionsgeschäft in Asien dürfte gelitten haben. Entsprechende Hinweise gab es bereits von UBS-Chef Sergio Ermotti. Besser dürfte es im Investmentbanking wegen der Volatilität an den Finanzmärkten gelaufen sein: "Während die Kundenaktivität im Wealth Management eher vom Sentiment getrieben ist, lebt das Investmentbanking mehr von der Volatilität", sagt Bankenanalyst Daniel Regli vom Finanzdienstleister MainFirst. Positiv ist für die Banken indessen das steigende Zinsniveau, insbesondere im Dollarraum.

Vorsicht herrscht bei Zyklikern

Die Versicherer Zurich und Swiss Life gehören zu den am besten performenden SMI-Titeln dieses Jahr, während Swiss Re an der Börse weiterhin wenig Impulse bekommt. Alle drei Versicherer im SMI werden allgemein gehaltene Berichte zum Geschäftsverlauf nach neun Monaten vorlegen, allerdings keine vollständigen Zahlensätze publizieren. Bei der Swiss Re dürften die Schäden des Sturms Florence in den USA oder der Taifun Mangkhut in Südostasien ein Thema sein. 

Zu den Dividendenzahlungen, die bei den Schweizer Versicherern generell überdurchschnittlich hoch sind, werden erst mit den Jahresberichten definitive Angaben erwartet. Dazwischen liegen bei den Versicherern noch die Investorentage im November und Dezember, wo über strategische Gesichtspunkte berichtet werden wird: Vermutlich werden diese mehr Aufschluss auf den Zustand der Konzerne liefern als die als eher dünn erwarteten Zwischenberichte zu den ersten drei Quartalen.

Auch bei den Zyklikern haben sich die Unsicherheiten schon bemerkbar gemacht. ABB und LafargeHolcim fielen seit Januar um 17 Prozent, Adecco um fast ein Drittel. "Auch bei den zyklischen Aktien glaube ich, dass die Resultate immer noch gut sein werden", sagt Pictet-Stratege Frangulidis. Wegen der Störfaktoren sei die Vorsicht der Investoren in diesem Segment aber schon grösser geworden. "Vor allem beim Franken und bei den Handelskonflikten steigt die Angst vor dem, was noch kommen kann."

Der Beitrag wurde verfasst mit redaktioneller Mitarbeit von Pascal Züger.