Der Schweizer Franken legte am Montag stärker zu als alle anderen G10-Währungen. Auslöser war eine zunehmende Risikoaversion, nachdem Donald Trump neue Zölle gegen acht Länder vorgeschlagen hatte. Diese Länder hatten sich seinen Plänen zur Übernahme Grönlands widersetzt.
Die Bewegung unterstreicht die Rolle der Schweizer Währung als bevorzugter sicherer Hafen der Anleger. Die vergleichsweise geringe Staatsverschuldung der Schweiz, ihre politische Neutralität und die berechenbare Wirtschaftspolitik heben das Land von den USA und Japan ab. Dort haben Trumps abrupte politische Entscheidungen den Dollar und US-Staatsanleihen belastet, während Japans stark steigende Staatsverschuldung und politische Spannungen auf den Yen drücken.
Der Franken sei «der sichere Hafen der Wahl in Zeiten wie diesen», sagte Kamakshya Trivedi, Chefstratege für Devisen und Schwellenländer bei Goldman Sachs, in einem Interview mit Bloomberg. «Er korreliert mit Gold und ist von der aktuellen Runde der Zölle teilweise ausgenommen. Daher erwarte ich, dass der Franken der Hauptprofiteur sein wird.»
Trumps überraschende Zollankündigungen im April des vergangenen Jahres veranlassten Investoren bereits, über den traditionellen Schutz des Dollars hinauszublicken, was die Attraktivität des Frankens weiter stärkte. Diese Dynamik nahm nach dem Wochenende erneut zu, als Trumps neues Ultimatum in Bezug auf Grönland riskantere Anlagen wie Aktien weltweit unter Druck setzte und zugleich eine Rally bei Gold auslöste.
Unter den sicheren Häfen bei Investoren besonders beliebt
Über lange Zeiträume habe die Währung ihre Kaufkraft gemessen an Gold erreicht oder sogar übertroffen, sagt Costa Vayenas, Chief Investment Officer bei Genesis Investment Partners. Zudem habe der Franken im vergangenen Jahr gegenüber dem Dollar, dem Yen und anderen wichtigen Währungen an Wert gewonnen.
«Er übertrifft seine Währungskonkurrenten aufgrund der politischen Stabilität, eines Inflationsziels, das auch null Prozent akzeptiert, ausgeglichener Haushaltsregeln, die das Angebot an Franken-Vermögenswerten begrenzen, sowie eines anhaltenden Leistungsbilanzüberschusses», so Vayenas.
Wird der MSCI World Index als Mass für das Risiko herangezogen, tendieren sowohl der Franken als auch der Yen an Tagen mit erhöhter Risikoaversion dazu, gegenüber dem Dollar zuzulegen. Der Franken hat dabei jedoch konstant besser abgeschnitten und bietet einen stärkeren Puffer gegen Volatilität. Im Durchschnitt ist er auf Tagesbasis rund vier Basispunkte stärker.
Die Schuldenquote der Schweiz liegt laut den jüngsten IWF-Daten bei rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – ein deutlicher Unterschied zu den USA mit mehr als 100 Prozent und Japan mit rund 250 Prozent.
Franken gegen Yen
Vor der Pandemie teilten sich der Franken und der Yen die Rolle des bevorzugten sicheren Hafens an den Märkten. Seit Mai 2020 ist der Schweizer Franken jedoch um mehr als 80 Prozent gegenüber der japanischen Währung gestiegen, ein Zeichen für die aus Sicht von Devisenhändlern wachsenden Risiken des Yen.
Bemerkenswert ist, dass sich das Währungspaar seit Mitte 2023 von den Zinsdifferenzen entkoppelt hat. Der Franken legte gegenüber dem Yen zu, obwohl die Renditen zehnjähriger Schweizer Staatsanleihen fielen und die entsprechenden japanischen Renditen stiegen. Diese Divergenz würde normalerweise Kapital in höher verzinste japanische Anlagen lenken. Dass der Franken dennoch stärker wird, zeigt, dass die soliden Staatsfinanzen der Schweiz für Investoren wichtiger sind als klassische Carry-Trade-Erträge.
Allerdings ist eine Anlage im Franken nicht ohne Vorbehalte. Es besteht das Risiko von Interventionen durch die Schweizerische Nationalbank, die eine lange Tradition darin hat, eine übermässige Aufwertung der Währung zu bremsen, um die exportorientierte Wirtschaft zu schützen. Für Händler bedeutet die Gefahr plötzlicher Zentralbankverkäufe das Risiko erheblicher Bewertungsverluste, wodurch eine stetige Aufwertung schnell in volatile Bewegungen umschlagen kann.
Dennoch sehen viele Strategen Interventionen eher als Bremsschwelle denn als echtes Hindernis. «Bei einem ausgeprägten Risiko-Off-Ereignis würden wir klar erwarten, dass der Franken besser abschneidet», sagte Alex Cohen, Stratege bei der Bank of America.
(Bloomberg/cash)
