Der SMI als Fels in der Brandung

Griechenland bleibt das Hauptthema an den Märkten. Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich im Gegensatz zu seinen europäischen Pendants davon weitgehend unbeeindruckt. Bleibt das so?
07.07.2015 00:40
Von Ivo Ruch und Pascal Züger
Die Krisenwelle prallt bis anhin am Schweizer Aktienmarkt ab.
Die Krisenwelle prallt bis anhin am Schweizer Aktienmarkt ab.
Bild: pixabay.com

Selten hat eine Abstimmung in einem kleinen Land für so viel Aufsehen gesorgt. Das griechische Referendum über die Reformvorschläge der Geldgeber dominiert weltweit seit Tagen soziale Netzwerke und Medien. Dementsprechend hohe Wellen schlug das klare Nein von Griechinnen und Griechen am Sonntagabend.

Auch an den Aktienmärkten sind diese politischen Ereignisse spürbar. Zwar kam es am Montag nirgends zu dramatischen Einbrüchen, aber die Aktienmärkte in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien oder Portugal verloren alle an Wert. Deutlicher wird dies auf Sicht der letzten Tage: Innerhalb der letzten Woche haben Dax und Co. rund 5 Prozent verloren. Einmal mehr zeigt sich, dass eine Krise mit fortlaufender Dauer an Bedrohung einbüsst.

Schweizer Börse ohne Probleme

Weitgehend unbeeindruckt zeigt sich dagegen die Schweizer Börse. Der Swiss Market Index blickt auf eine Wochenbilanz von minus 0,2 Prozent zurück, wobei der Schweizer Markt einmal mehr seinen defensiven, krisenresistenten Charakter ausspielt. Credit Suisse, Syngenta, UBS, Swisscom, Roche, Novartis und Zurich weisen in dieser Zeitspanne gar ein Kursplus auf.

Direkt von der griechischen Wirtschaft abhängige Schweizer Aktien gibt es ohnehin wenige. Am häufigsten wird der Reise-Detailhändler Dufry genannt. Über die Tochtergesellschaft Hellenic Duty Free macht der Griechenland-Anteil rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden könnten Reiseveranstalter wie Kuoni. Beide Aktien haben in der letzten Woche wenig (Dufry -1,1 Prozent) bis gar nichts (Kuoni +0,3 Prozent) verloren.

Obwohl die Zukunft Griechenlands derzeit völlig offen ist, rechnet die Zürcher Kantonalbank (ZKB) nicht mit einer länger anhaltenden Baisse an den Finanzmärkten – weder in der Schweiz noch im Ausland. "Die Korrektur dürfte relativ rasch zu einem Ende kommen. Das Geschehen an den Märkten wird vorderhand aber volatil bleiben", schreiben die ZKB-Analysten in einem Markt-Kommentar.

Auch Thomas Della Casa, Anlagechef der Neuen Helvetischen Bank, sieht derzeit kein grosses Gefahrenpotenzial für den SMI: "Einzig ein unerwartetes geopolitisches Ereignis könnte den SMI stärker negativ beeinflussen." Überhaupt, so Della Casa, habe die griechische Schuldenkrise keinen grossen Einfluss auf global aufgestellte Firmen.

Griechenland bald weniger im Mittelpunkt

Der Fokus der Investoren dürfte sich in nächster Zeit weg von Griechenland und wieder hin zu ökonomischen Fundamental-Bedingungen verschieben, sind sich viele Beobachter einig. Diese sind die konjunkturellen Probleme in China, Brasilien und anderen Schwellenländern. Für Unruhe könnte auch die nahende Zinswende in den USA sorgen.

Auch die Devisenmärkte reagierten auf den Ausgang des "Greferendums" weniger stark als in vergangenen Zeiten. Der Euro rutschte zwar in einer ersten Reaktion im asiatischen Handel unter 1,10 Dollar, stabilisierte sich aber im Anschluss wieder. Ähnlich die Reaktion beim Euro-Franken-Kurs. Er pendelte nach einer kurzen Schwächephase wenig unter 1,05.

Erholung des Schweizer Frankens?

"Die Finanzmärkte haben sich schon länger an einen möglichen 'Grexit' gewöhnt", erklärt Ursina Kubli von der Bank J. Safra Sarasin die ausbleibenden Ausschläge am Devisenmarkt gegenüber cash.ch. Am Wochenende sei es diesbezüglich nicht zu einer Trendwende gekommen. Erst wenn die Krise in Griechenland auf andere europäische Sorgenkinder überspringen würde, muss mit einer weiteren Eskalation gerechnet werden. Beispielsweise wenn in Italien die Reformen keinen Effekt haben - oder wenn in Spanien die reformfeindliche Podemos an die Macht käme. "Dann würden die Devisenkurse wieder stärker ausschlagen", so Kubli.

Für den Schweizer Franken sieht die Sarasin-Devisenexpertin weiterhin eine hohe Nachfrage, aber mit einem positiven Szenario: "Kommt es in Griechenland im Verlaufe des Jahres noch zu einer klaren Lösung, dann schätzen wir den Euro-Franken-Kurs gegen Ende Jahr auf 1,08."

Das dürfte die Schweizer Wirtschaft freuen. Am Dienstag trifft sich die Euro-Gruppe in Brüssel zu einem Gipfel, wo Griechenland neue Vorschläge zur Überwindung der Schuldenkrise in Griechenland vorlegen will. Ein kleines Land sorgt weiterhin für Aufsehen.