Ob steigende Langfristzinsen, das Herunterfahren von gehebelten Positionen oder die sinkende Nachfrage von Investoren, weil die Bitcoin-Positionen unter Wasser stehen: Das sind alles plausible Argumente für die Bitcoin-Talfahrt der letzten Monate, die den Bitcoin von 123'520 Dollar auf 68'600 Dollar am Dienstag gedrückt haben. 

Der Elefant im Raum, wie angelsächsische Investoren ein wichtiges und oftmals übersehenes Argument an den Finanzmärkten beschreiben, dürfte indessen das Anlagevehikel Strategy sein. Das Firma - damals noch unter dem Namen MicroStrategy - schrieb ab August 2020 mit dem Erwerb von 21'454 Bitcoin für 250 Millionen Dollar als Reservewährung als erstes börsennotiertes Unternehmen Geschichte. Bis zum heutigen Tag hat das Unternehmen regelmässig Bitcoin hinzugekauft und ist mit 714'644 Bitcoin der grösste Halter weltweit. Im Zuge dieser Geschäfte ist der Strategy-CEO Michael Saylor zum mehrfachen Milliardär aufgestiegen. 

Die an der US-Börse Nasdaq kotierte Strategy finanzierte die Bitcoin-Käufe über die Ausgabe von eigenen Aktien und Wandelanleihen. Dies hatte über die Jahre diverse Vorteile. Erstens konnten sich institutionelle Investoren, die aus regulatorischen Gründen nicht direkt in Kryptowährungen investieren durften, über die kotierte Firma in der ältesten Kryptowährung engagieren. Zweitens waren die Wandelanleihen ein ideales Tummelfeld für grosse Investmentbanken und Hedgefonds, um einen profitablen Arbitragehandel zwischen Zinsenniveaus, Aktien von Strategy und Bitcoin zu betreiben. 

Arbitragehandel ist eine Finanzstrategie, bei der ein Händler ein oder mehrere Assets auf dem Markt kauft und diese gleichzeitig auf einem anderen Markt oder in einem anderen Instrument zu einem höheren Preis verkauft, um von der kurz- oder langfristigen Preisdifferenz zu profitieren.

Prämie über dem aktuellen Bitcoin-Kurs schrumpft 

Bei Strategy hat sich der sogenannte Nettoinventarwert - auf Englisch «Net Asset Value» oder kurz NAV - aufgrund der hohen Nachfrage bis im  November 2025 auf nahezu 60 Prozent aufgebläht. Der NAV bezeichnet dabei den Gesamtwert eines Investmentfonds oder Unternehmens, berechnet aus der Summe aller Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten. Das hiess konkret, für einen Bitcoin zu einem angenommenen Wert von 50'000 Dollar bezahlten Investoren bei Strategy zum gleichen Zeitpunkt 80'000 Dollar. 

Langfristigen Investoren ist dabei klar, dass dies auf Dauer nicht gut gehen kann. Denn wer will schon eine Prämie bezahlen, wenn er den Bitcoin direkt zu einem Preis ohne Prämie erwerben kann? Kein Wunder, hat sich die Prämie nun mit 25 Monaten Verspätung zurückgebildet. Das hat so lange gedauert, weil viele Investoren auch nach der Einführung der ersten Bitcoin-ETFs im Januar 2024 weiterhin nicht in diese ETFs investieren durften. Einerseits, weil es dauerte, bis institutionelle Investoren ihre Anlagerichtlinien angepasst hatten. Andererseits sind etwa Anlegern des grossen Vermögensverwalters Vanguard erst seit Dezember 2025 Bitcoin-ETFs direkt zugänglich - vorher hielt dies Vanguard für ihre eher konservative Kundschaft als zu gefährlich, in Kryptowährungen zu investieren. 

Mit Blick auf die Prämie bei Strategy sind findige Hedgefonds und Banken in den vergangenen zwei Jahren folgenden Trade eingegangen: Sie haben Strategy mit einer Prämie von 60 Prozent verkauft und im Gegenzug einen Spot-Bitcoin-ETF wie den «iShares Bitcoin Trust ETF» oder den «Ark 21shares Bitcoin ETF» zu einem Bitcoin-Wert von 100 Prozent gekauft.  

Mit dem Zusammenschmelzen der Strategy-Prämie gegenüber der Bitcoin-Position auf 16 von 60 Prozent konnten Hedgefonds nun einen geschätzten Gewinn von bis zu 44 Prozent abzüglich Finanzierungskosten einziehen. Sie stellten auf der einen Seite ihre Short-Position in Strategy glatt und warfen auf der anderen Seite die gekauften Bitcoin-ETFs auf den Markt. Insgesamt wurden im vierten Quartal 2025 gemäss Daten von Bloomberg fast 1,4 Millionen Anteile des iShares Bitcoin ETF auf den Markt geworfen. Der grösste Verkäufer war die US-Investmentbank Goldman Sachs, gefolgt von der auf quantitative Handelsstrategien fokussierten SIG Holding oder der auf Hochfrequenzhandel spezialisierten Clear Street Group.

Die positive Nachricht für Krypto-Bullen ist, dass ein Grossteil dieser Positionen geschlossen wurde. Damit sollte der Verkaufsdruck auf die Bitcoin-ETFs abnehmen. Das Kursniveau könnte nach der breiten Bereinigung von spekulativen Positionen für langfristige Investoren ein guter Einstiegszeitpunkt sein. 

Thomas Daniel Marti
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