Unter seinem neuen Chef Luka Mucic will Deutschlands grösster Immobilienkonzern Vonovia in Erwartung steigender Zinsen die milliardenschwere Schuldenlast deutlich abbauen. Im Tagesgeschäft strebt Mucic ‌indes ⁠Wachstum an, wie er bei seiner ersten Pressekonferenz als CEO des Bochumer Konzerns am Donnerstag ankündigte.

Ein Kursfeuerwerk löste er mit den ⁠Plänen nicht aus - im Gegenteil: Vonovia-Aktien rutschten in einem schwachen Gesamtmarkt zeitweise um über zehn Prozent auf 22,02 Euro ab, den tiefsten Stand seit November 2023. Mucic scheine davon ‌auszugehen, dass steigende Finanzierungskosten für Vonovia ein Thema werden könnten, erklärten Baader-Analysten.

«Wir wollen das Wachstum ‌beschleunigen, um zusätzlichen Wert zu schaffen», kündigte Mucic an: «Dies erfordert auch ambitioniertere ​Ziele für die Verschuldung.» Denn Vonovia erwarte eine steigende Zinsbelastung. So soll der Verschuldungsgrad (LTV) von zuletzt 45,4 Prozent bis Ende 2028 auf rund 40 Prozent sinken. Dazu seien auch «verstärkte Verkaufsaktivitäten» geplant. «Dabei werden sämtliche Optionen geprüft, einschliesslich nicht-strategischer Minderheitsbeteiligungen im In- und Ausland», hiess es. Mucic will das Ziel eines geringeren LTV einerseits durch eine weitere Aufwertung der Immobilien erreichen: Er erwarte eine fortlaufende Erholung der Immobilienwerte, sagte er.

Andererseits könnte sich ‌Vonovia von Beteiligungen und Wohnungspaketen in einem Volumen von rund fünf Milliarden trennen, signalisierte er. Der Konzern werde dies ruhig angehen und stehe nicht unter Verkaufsdruck. Mucic bekräftigte zudem das Ziel, den bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) bis 2028 auf 3,2 bis 3,5 Milliarden Euro zu steigern. Der ehemalige ​SAP- und Vodafone-Vorstand hatte im Januar den Chefposten bei Vonovia übernommen. Er ist Nachfolger des langjährigen Vonovia-Lenkers Rolf ​Buch, der nun beim Finanzinvestor KKR arbeitet.

Der Konzern hatte in der Vergangenheit ​wegen der Immobilienkrise den Wert seines Portfolios immer wieder herunterschreiben müssen und deshalb Milliardenverluste verzeichnet. Nach der Zinswende der EZB gewinnen Immobilien wieder an Wert und Vonovia schreibt Gewinne. ‌Doch die im Zuge des Iran-Kriegs steigenden Preise etwa für Energie könnten die Inflation ankurbeln und wieder für höhere Zinsen der Zentralbanken sorgen. Die Bochumer drücken nach der rasanten Expansion in der Vergangenheit - unter anderem hatten sie den Konkurrenten Deutsche Wohnen geschluckt - Schulden in einer Höhe von rund ​40 Milliarden ​Euro.

Wachstum sieht Mucic im Geschäft mit Dienstleistungen rund um das Wohnen. ⁠Mit Vereinfachungen beim Bau neuer Wohnungen will der Konzern zudem die Baukosten drücken ​und wieder in die Offensive kommen. ⁠Vonovia setzt mit Partnern auch auf die Serienproduktion von Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser. Mucic sieht auch in der Nutzung von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz «erhebliches» Potenzial ‌für Vonovia. Dadurch liessen sich Kostenvorteile erzielen.

Für das Jahr 2026 erwartet Mucic eine Steigerung des bereinigten operativen Gewinns (Ebitda) auf 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro. Insgesamt verbuchte Vonovia im vergangenen Jahr Zuwächse: Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) stieg wie von Analysten ‌erwartet um sechs Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro. Die Mieten legten organisch um 4,1 Prozent ​zu, Leerstand gibt es bei Vonovia zudem praktisch nicht. Unter dem Strich schrieb Vonovia nach einer Aufwertung des Immobilien-Bestands einen Gewinn von 4,8 Milliarden Euro, vor Jahresfrist stand wegen der Branchenkrise noch ein Verlust von rund einer Milliarde Euro in den Büchern. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 1,25 Euro je ‌Aktie erhalten.

(Reuters)