Die Aktien der Online-Apotheke DocMorris notieren am Donnerstag kurz nach Börseneröffnung 7,67 Prozent höher bei 6,18 Franken, während der breite Markt gemessen am SPI 0,15 Prozent nachgibt. Mit dem Kurssprung macht das Unternehmen einen Teil des Kursrückgangs wett, der seit Mitte Januar eingesetzt hatte. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch 3,53 Prozent im Minus, auf Jahressicht beträgt das Minus 42,58 Prozent.
Auslöser des Kursanstiegs sind die Quartalszahlen. DocMorris steigerte den Umsatz im ersten Quartal 2026 um 7,3 Prozent auf 318,1 Millionen Franken und verringerte den bereinigten EBITDA-Verlust deutlich. Besonders das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland übertraf die Analystenerwartungen mit einem Plus von gut 26 Prozent.
Das Management bestätigte denn auch seinen Ausblick. Aufgrund des im ersten Quartal verringerten EBITDA-Verlusts sieht sich das Management «gut im Plan», den EBITDA-Break-even im Laufe des Jahres 2026 zu erreichen. Der Free Cashflow soll dann im kommenden Jahr 2027 positiv werden. Das Umsatzwachstum soll im mittleren einstelligen bis tiefen zweistelligen Prozentbereich liegen.
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) stuft die Aktie weiterhin mit «Marktgewichten» ein, mahnt im Marktkommentar aber: Gelingt DocMorris die Gratwanderung zwischen Wachstum und Kosteneffizienz nicht, könnte die Liquidität bis Ende 2027 knapp werden. Als möglichen Puffer nennt der zuständige Analyst die ausstehende Wandelanleihe über 50 Millionen Franken mit Fälligkeit im Jahr 2028.
Unter den bei Bloomberg erfassten Analysten empfehlen vier die Aktie zum Kauf, vier zum Halten und einer zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 7,11 Franken - ein Aufwärtspotential von gut 15 Prozent zum aktuellen Kurs.
Streit mit Grossaktionär eskaliert
Derweil spitzt sich der Konflikt mit dem Grossaktionär CEPD im Vorfeld der Generalversammlung zu. Der Verwaltungsrat warnt in der am Donnerstag veröffentlichten GV-Einladung vor dem «Versuch einer kalten Übernahme durch die Hintertür».
CEPD, die zur polnischen Pelion-Gruppe gehört, fordert eine weitgehende Neubesetzung des sechsköpfigen Verwaltungsrats und die Abwahl von Präsident Walter Oberhänsli. Jüngst hat sie ihren Anteil an DocMorris auf 15 von 14 Prozent erhöht.
Gelinge es dem von Pelion-Exponenten wie Jacek Szwajcowski dominierten Investor, drei eigene Vertreter sowie den Präsidenten zu stellen, könne er das Unternehmen «nach Belieben» kontrollieren, warnt nun der Verwaltungsrat. Er empfiehlt den Aktionären daher die «deutliche» Ablehnung der entsprechenden Anträge. Eine Kontrollübernahme müsse über ein öffentliches Angebot mit Prämie erfolgen.
Der Konflikt schwelt seit Wochen. Ende März hatte CEPD den umfassenden Umbau des Verwaltungsrats beantragt und die bisherige Führung scharf kritisiert. Diese habe es verpasst, das Unternehmen nachhaltig auf Kurs zu bringen und sei mitverantwortlich für den massiven Kursverfall der Aktie der vergangenen Jahre.
Darauf stellte sich Anfang April Aktionär Sterling, der rund 3,2 Prozent der Anteile hält, hinter den Verwaltungsrat - zumindest teilweise. So plädierte Sterling zwar ebenfalls für Veränderungen im Gremium, lehnte jedoch den von CEPD geforderten Radikalumbau entschieden ab.
Stattdessen betonte Sterling-VRP Giulia Nobili im Gespräch mit AWP die Bedeutung von Kontinuität im Präsidium. Der operativen Turnaround solle nicht gefährdet werden. «Wir sehen einen klaren Weg zur Gewinnschwelle beim EBITDA im laufenden Jahr», so Nobili. Auch mit Blick auf den für 2027 angestrebten positiven freien Cashflow zeigte sie sich zuversichtlich.
Weiter gestand Nobili CEPD zwar einen Sitz im Verwaltungsrat zu. Gleich drei Sitze hielt sie aber - bei einem Anteil von damals noch 14 Prozent - für übertrieben.
Den geforderten Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats hält allerdings auch Nobili für angezeigt - dieser müsse aber «geplant und strukturiert» erfolgen. Die Nachfolgeplanung für Oberhänsli könne ab 2027 erfolgen.
(cash/AWP)
