Die ersten drei Börsenmonate 2026 waren durchsetzt mit geopolitischen Ereignissen: Die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump marschierten in Venezuela ein und erhoben Anspruch auf Grönland. Im Nahen Osten brach erneut ein Krieg aus, als die USA und Israel Ende Februar den Iran angriffen und dieser zurückschlug. Die Sorgen um den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus belasten die Märkte bis heute.
Vor diesem Hintergrund sank der Swiss Market Index (SMI) um 4,5 Prozent auf unter 12'900 Punkte, wobei ihm vor allem der Konflikt im Iran zusetzte. Bis dieser entbrannte, stieg der Schweizer Leitindex auf den Rekordstand von 14'014 Punkte, erst danach ging es zügig bergab. Auch unter den Einzelwerten des SMI hielten viele dem Sog nach unten nicht stand. Auf Quartalssicht gibt es Gewinner und Verlierer.
Swisscom
Zu den Gewinnern der ersten drei Monate zählt Swisscom. Die Aktie gewann unter dem Strich 16,8 Prozent. Sie wurde getrieben durch die im Januar angekündigten und per April geltenden Abo-Preiserhöhungen, durch das Jahresergebnis, bei dem insbesondere der freie Cashflow über dem Konsens lag, sowie durch die um vier Franken erhöhte Dividende. Anleger erhalten neu 26 statt wie bislang 22 Franken.
Mitte März erreichten die Valoren bei 726,50 Franken sogar ein 26-Jahres-Hoch. Dass es von da aus wieder talwärts ging, hat Gründe: Anleger haben auf den Höchstständen Gewinne realisiert. Im laufenden Iran-Krieg ist zudem fraglich, wie gut sich Swisscom im Telekommunikationsmarkt behaupten wird. Denn die schon länger bekannt gegebenen Abo-Preiserhöhungen treffen nun auf eine sich eintrübende Konjunktur und eine absehbar anziehende Teuerung. Das dürfte sich gerade in Italien bemerkbar machen, wo der Wettbewerb laut Experten so hart wie in kaum einem anderen europäischen Markt ist und die Konsumenten überdurchschnittlich stark auf den Preis achten.
Insofern wird es kaum erstaunen, dass der Analystenkonsens für das Kursziel 14 Prozent unter dem aktuellen Stand der Aktie liegt. Entsprechend hoch werden die Kursverluste für Investoren mittelfristig sein.
Novartis
Für die Aktien von Novartis bleibt bis heute ein 9-prozentiger Zuwachs seit Anfang Jahr. Sie liefen in den ersten Wochen des Jahres sehr gut, obschon das Anfang Februar vorgestellte Jahresergebnis samt Ausblick für 2026 nur teilweise erwartungsgemäss ausfiel.
Die Analystinnen der Privatbank Berenberg folgerten, dass die Titel des in Basel beheimateten Pharmaunternehmens zu gut gelaufen seien. Novartis habe vielen Anlegern einen sicheren Hafen geboten, was aufgrund des Umsatzwachstums und der Margenausweitung in den letzten Jahren nachvollziehbar sei. Das Unternehmen trete nun jedoch aufgrund auslaufender Patente in eine Phase verlangsamten Wachstums ein.
Berenberg stuft Novartis mit «Hold» ein und veranschlagt das Zwölf-Monate-Kursziel bei 110 Franken. Mittelfristig dürfte der Titel also von momentan 121 Franken auf den Stand der ersten Januartage 2026 zurückfallen.
Die Langfristperspektiven sind jedoch besser - wenigstens in den Augen von Thibault Boutherin, dem zuständigen Analysten der US-Bank Morgan Stanley. Er sieht in der Pipeline zusätzliches Aufwärtspotenzial. Neun neue Medikamente mit Blockbuster-Potenzial könnten aus seiner Sicht bis 2035 rund 23 Milliarden US-Dollar an risikoadjustierten Umsätzen erreichen. Das Kursziel - 135 Franken - wird von einem «Overweight»-Rating unterstrichen. Das neu gesetzte Preisziel bedeutet, dass die Novartis-Aktien wiederum einen Rekordstand erreichen dürften.
ABB
Plus 5 Prozent - das ist die Kursbilanz der ABB-Aktie seit Anfang Jahr. Glanzpunkt war der Auftragsbestand des vierten Quartals 2025. Er wurde 21 Prozent höher ausgewiesen, als Analysten erwartet hatten. Solide war dann auch der Ausblick zum Umsatz im Jahr 2026. Er soll um 6 bis 9 Prozent und somit ein Stück stärker als von Experten erwartet wachsen.
Im März gab die Aktie des Technologieunternehmens wegen des Nahost-Konflikts nach, und zwar um 13 Prozent. Hier schlug die Konjunktursensibilität des Titels durch. Auf Dauer aber dürfte ABB von den Folgen des Krieges profitieren. Der Schock an den Ölmärkten hat ein vermehrtes Streben nach Strom aus Kern-, Wasser-, Solar- und Windkraft bewirkt. Die Elektrifizierung ist aber gerade die Paradedisziplin von ABB. «Ganz klar» werde ABB von einem Schub in der Elektrifizierung profitieren, sagte Karen Kharmandarian, Anlagechef und Portfoliomanager der Investmentgesellschaft Mirova im Gespräch mit cash.ch.
Ausserdem werde der schweizerisch-schwedische Konzern in der Automation Zuwächse sehen. Denn die geopolitischen Spannungen hätten auch einen anderen Trend ausgelöst: «Unternehmen organisieren ihre Lieferketten wieder näher um den Heimmarkt herum - weil sie Verlässlichkeit höher gewichten, als sie das früher getan haben. Für dieses Re-Shoring benötigen sie die Lösungen, die ABB mit der Automation-Sparte anbietet», so Kharmandarian.
Richemont
Das Luxusgüter-Unternehmen ist einer der grossen Verlierer unter den SMI-Unternehmen. Die Aktie steht momentan 20 Prozent tiefer als Anfang 2026. Dabei hatte Richemont ein überzeugendes Weihnachtsquartal ausgewiesen. Der Umsatz lag über den Erwartungen und speziell die Schmuckmarken hatten sich besser als von Experten angenommen entwickelt.
Dass die Aktie dennoch fiel, liegt an negativen Währungseffekten sowie an den gestiegenen Rohstoffkosten - sprich: an den über längere Zeit hinweg gestiegenen Goldpreisen. Angesichts dieses Gegenwinds benötige Richemont eine gute Umsatzentwicklung, um die Margenerwartungen erreichen zu können, folgerte Patrik Schwendimann, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB).
Hinzu kamen die Entwicklungen in der Golfregion. Der dort schwelende Konflikt lähmt den Tourismus und hemmt so die Verkäufe des Luxusunternehmens. Nach Einschätzung der Bank of America dürften die Verbesserungen in den Märkten Chinas und der USA den Gegenwind im Tourismus und im Nahen Osten jedoch ausgleichen. Der US-Bank stuft Richemont seit wenigen Tagen mit «Buy» (zuvor: «Neutral») ein. Das Preisziel von 175 Franken (zuvor: 190 Franken) deutet auf eine Rückkehr auf das Zwischenhoch von Anfang Jahr an. Ähnlich zuversichtlich ist die ZKB. Sie beziffert den fairen Wert der Aktie mit 171 Franken.
UBS
Die Kursentwicklung am heutigen Dienstag illustriert, woran die Aktien der UBS nach wie vor gemessen werden. Das 3-prozentige Plus folgte auf die Nachricht, führende Bundesparlamentarier hätten versichert, sie würden einen Kompromiss zu den Plänen des Bundesrats um schärfere Kapitalvorschriften vorschlagen. Die Politiker-Gruppe hält die angedachten Regeln für zu streng und will offenbar mildere durchsetzen.
Die noch immer laufende Diskussion um die Kapitalvorgaben lastet schon länger auf den Titeln der einzigen global aktiven Schweizer Grossbank. Sie sind auch deshalb im laufenden Jahr um rund 20 Prozent gefallen. Doch nicht nur: Hinzu kamen die geopolitischen Spannungen und wachsende Sorgen um den Privatmarkt - und dass dessen Probleme auf andere Teile der Finanzbranche übergreifen könnten.
Gerade die geringe Transparenz des Privatmarktes erschwere es, «Frühwarnzeichen von Stress zu erkennen», schreiben die Experten der Société Générale. Derartiger Stress kann von einer erhöhten Risikoaversion aufgrund des Iran-Konflikts oder aufgrund von Problemen einzelner auf den Privatmarkt spezialisierter Investmentgesellschaften ausgehen.
Dennoch: Die UBS schreibt Quartal für Quartal Gewinne, die Integration der Credit Suisse ist auf Kurs, die Analysten sind optimistisch. So hat die Bank of America das Preisziel für die UBS-Aktie zwar um 2 Franken gesenkt. Mit 46 Franken zeichnet es jedoch die Rückkehr auf den Stand des Frühjahrs 2008 und somit zu einem weiteren Langzeithoch vor.
Holcim
Aufgrund der Performance des Jahres 2025 hätte man die Aktie des Baustoffherstellers Holcim eher am oberen als am unteren Ende des SMI-Tableaus des ersten Quartals 2026 vermutet. Doch nun stehen die Aktien 16 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn. Dabei sind geopolitische Konflikte eine, aber nicht die treffendste Erklärung für die Kursschwäche. Die Aktie hat speziell auf Pläne der Europäischen Kommission reagiert, die Regeln für den Handel mit CO2-Emissionsrechten zu locken.
Schlicht gesagt: Die EU will ihr Klimaschutzprogramm aufweichen - und macht Holcim damit buchstäblich einen Strich durch die Rechnung. Denn der Konzern setzt stark auf klimafreundliche Baustoffe. Diese - auch finanziell erheblichen - Anstrengungen werden durch die Pläne der EU infrage gestellt.
Allerdings werden die neuen Regeln nicht heute und morgen greifen, sondern dürften laut Experten erst Ende um das Jahr 2030 angepasst werden. Das letzte Wort in dieser Sache ist folglich noch nicht gesprochen. Ausserdem hat Holcim ein in puncto Umsatz, Gewinn und Cashflow überzeugendes Jahresergebnis 2025 geliefert. Auch der Ausblick des Managements für 2026 ist zuversichtlich.
«Nach dem jüngsten Kursrückgang angesichts der Ungewissheit über die europäische CO2-Politik und -Preisgestaltung dürften die heutigen Zahlen unterstützend wirken», notierte der zuständige Analyst der Bank Vontobel, Mark Diethelm, unmittelbar nach der Berichterstattung. Er stuft Holcim mit «Buy» und einem Kursziel von 86 Franken ein. Demnach können Anleger auf einen 32-prozentigen Kursgewinn in den kommenden zwölf Monaten hoffen.
Gurit top, Newron schwach
Am breiten Markt hat Gurit den Befreiungsschlag geschafft. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um 232 Prozent gestiegen. So gut hat sich im gleichen Zeitraum kein Titel des Schweizer Aktienmarktes entwickelt. Den Gegensatz dazu bildet Newron. Die Aktie des Biopharmaunternehmens hat unter dem Strich 37 Prozent verloren - wobei es zunächst auf 30,40 Franken hoch-, dann um total 53 Prozent auf gut 14,20 Franken herunterging. Für den weiteren Verlauf hängt wiederum vieles vom Erfolg des Schizophreniemittels Evenamide ab.
Gewissermassen durchgereicht wird die Aktie von Sonova, und das schon seit Langem. Im Herbst 2024 war sie 327 Franken wert, fiel daraufhin zurück, wurde sodann aus dem Swiss Market Index ausgeschlossen. Sie steht momentan bei zirka 179 Franken und dürfte laut manchen Analysten noch weiter sinken. Die Experten von JPMorgan trauen den Valoren nicht mehr als 163 Franken zu.
Dennoch: Die US-Bank sieht nun ein verbessertes Chance-Risiko-Profil für die Aktie des Hörsystemherstellers und hat die Einstufung soeben auf «Neutral» von «Underweight» angehoben. Gemessen am Urteil von JPMorgan dürften die stark gefallenen Anteilsscheine allmählich die Talsohle erreicht haben, von der aus es wieder aufwärts gehen kann.

