Die heissesten Übernahmeziele

Das Übernahmekarussell dreht sich immer schneller. cash sagt, welche Schweizer Firmen noch zum Ziel einer Übernahme werden könnten.
11.09.2014 07:20
Von Lorenz Burkhalter
Wurden dank eines Bieterstreits letztendlich reich belohnt: Die Aktionäre der PubliGroupe.

Helvetia für National-Versicherung, Swisscom für PubliGroupe, Holcim mit Lafarge und Bieterstreit um Nobel Biocare. Auch in der Schweiz wird die Liste der Firmenübernahmen und –zusammenschlüsse immer länger und die von den Käufern bezahlten Aufschläge nicht etwa kleiner.

Bei der National-Versicherung lag die Übernahmeprämie bei gut 29 Prozent, bei der PubliGroupe dank einem Bieterstreit sogar bei 104 Prozent.

cash hat sich deshalb auf die Suche nach weiteren Unternehmen gemacht, bei welchen die Publikumsaktionäre auf ein lukratives Angebot hoffen können.

Versicherungsunternehmen unter Zugzwang

Mit der Übernahme der National-Versicherung versetzt Helvetia andere Mitbewerber in Zugzwang. Mit der genossenschaftlich organisierten Mobiliar und Bâloise haben die beiden anderen Grossaktionäre nämlich das Nachsehen. Insbesondere Bâloise wird immer mehr vom Jäger zum Gejagten, fliessen dem Unternehmen alleine schon aus dem Verkauf des Aktienpakets rund 100 Millionen Franken zu. Weitere 70 Millionen Franken bringt der Abverkauf der österreichischen Geschäftsaktivitäten.

Die Liste möglicher Übernahmeziele im hiesigen Versicherungssektor wird immer kleiner und die Wahrscheinlichkeit, dass verbleibende Unternehmen wie Bâloise oder Vaudoise übernommen werden, immer grösser. Auch Swiss Life wird im Berufshandel gerne als Ziel eines Käufers aus dem Ausland ins Spiel gebracht. Ob sich ein solcher ins als gesättigt geltende Schweizer Lebensversicherungsgeschäft einkaufen will, ist jedoch höchst fraglich.

Bewegung im Aktionariat von Swisslog

Im Frühling vor zwei Jahren beteiligte sich Grenzebach in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit 11,3 Prozent an Swisslog. Spätestens mit dem Ausbau des Aktienpakets auf 21,45 Prozent weckte der deutsche Grossaktionär Spekulationen verschiedenster Art. Da Grenzebach knapp 30 Prozent an der in Deutschland kotierten KUKA hält, ist eine Annäherung der beiden Unternehmen naheliegend.

Seit Montag zieht sich die Schlinge um Swisslog weiter zu. Gemäss einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX hat mit Friedhelm Loh ein weiterer Grossaktionär seine Beteiligung von 10 auf 15 Prozent ausgebaut.

Loh hat sich in den letzten Jahren nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Präsident des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie und als Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie einen Namen gemacht.

Übernahmehungrige Technologie-Giganten

Möglicherweise wird Loh im Berufshandel gerade aufgrund dieser beiden Ämter in Verbindung mit dem Grossaktionär Grenzebach gebracht. Und tatsächlich ist nicht auszuschliessen, dass die beiden Aktionäre irgendwann gemeinsame Sache machen. Auffällig hohe Handelsaktivitäten lassen weitere Verschiebungen im Aktionariat von Swisslog vermuten.

Spätestens seit dem Angebot von Infineon Technologies für den amerikanischen Mitbewerber International Rectifier und dem misslungenen Übernahmeversuch von Microchip Technology für den britischen Rivalen CSR dürfte klar sein: Im Technologiesektor brodelt es. Viele grosse amerikanische Unternehmen sitzen auf gewaltigen Auslandvermögen und warten nur so auf Gelegenheiten, diese zu "verjubeln".

Hierzulande zählen deshalb auch die äusserst erfolgreichen Halbleiterhersteller AMS und u-blox zu den möglichen Übernahmezielen. Um sich die Technologie dieser beiden Unternehmen einverleiben zu können, müssten Interessenten wie Texas Instruments, Microchip Technology oder Analog Devices vermutlich jedoch tief in die Tasche greifen, um sich die Zustimmung der Aktionäre erkaufen zu können. Auch Temenos muss immer mal wieder als potenzielles Ziel für SAP oder einen anderen grossen Softwarekonzern herhalten. Nach der substanziellen Höherbewertung der letzten zwei Jahre ist ein solcher Vorstoss aus dem Ausland jedoch unwahrscheinlich.

Übernahmefantasien im Gesundheitssektor

Nicht nur im Technologiesektor, auch bei den Pharma- und Medizinaltechnikherstellern dreht sich das Übernahmekarussell immer schneller. Der Gesundheitssektor gilt seit je her als stark fragmentiert und als geradezu für Übernahmen und Zusammenschlüssen prädestiniert.

Obschon sich in den USA langsam aber sicher politischer Widerstand gegen Steueroptimierung mittels Übernahmen im Ausland bildet, bleibt dieses Fenster weiterhin offen. Dank ihrer vergleichsweise tiefen Steuerbelastung werden der Hörgerätehersteller Sonova, das Pharmaunternehmen Galenica und den Laborausrüster Tecan hierzulande zu den attraktivsten Zielen für einen Käufer aus Übersee gehandelt. Ihrer hohen Spezialisierung wegen, eignen sich diese Firmen jedoch nicht für Jedermann. Als wahrscheinlichster Übernahmekandidat wird deshalb Actelion genannt, obschon sich CEO und Gründungsmitglied Jean-Paul Clozel bisher immer wieder für die Eigenständigkeit des Allschwiler Biotechnologieunternehmens stark gemacht hat.

Auch um Basilea kreisen schon seit geraumer Zeit die wildesten Spekulationen. Wie am Montag bekannt wurde, hat die US-Gesundheitsbehörde den Zulassungsantrag für Isavuconazol zur Behandlung bestimmter Pilzerkrankungen bei Erwachsenen akzeptiert. Dadurch steht dem Basler Pharmaunternehmen eine Meilensteinzahlung seitens von Astellas in Höhe von 12 Millionen Franken zu.

Analysten trauen Isavuconazol einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von rund 600 Millionen Franken zu. Jeder weitere Meilenstein versetzt den japanischen Vertriebspartner in noch stärkeren Zugzwang.

Denn nach der überraschenden Marktzulassung des Antibiotikums Ceftobiprole in der Europäischen Union befindet sich Basilea mit möglichen Partnerunternehmen für das Präparat in Verhandlungen. Bei Nettobarmitteln im Umfang von gut 240 Millionen Franken bei einer Börsenkapitalisierung von gut 1 Milliarde Franken könnten diese Verhandlungen in eine vollständige Übernahme münden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Nettobarmittel dank weiterer Meilensteinzahlungen bis Ende nächsten Jahres auf 400 Millionen Franken heranwachsen könnten.