Nachvollziehbar ist, dass Investoren das Geschehen um Roche, Novartis, Nestlé und die UBS sehr eng verfolgen. Es sind die grössten Titel des Schweizer Aktienmarktes, die auch in vielen Portfolios enthalten sind. Sie prägen aufgrund ihres Gewichts zudem, wohin sich der Gesamtmarkt bewegt - was relevant ist, wenn man einen ETF auf einen der Schweizer Aktienindizes - SMI, SLI, SPI - gekauft hat.

Allerdings gibt es Titel, die kaum je so gross wie die SMI-Schwergewichte in Erscheinung treten, oft im Schatten stehen, aber dennoch auf die eine oder andere Weise interessant sein können. 

Orell Füssli - Jahrhundertunternehmen und Börsensprinter der Gegenwart

Der Gründer von Orell Füssli, Christoph Froschauer, soll in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Zürcher Bibel sowie Texte des Reformators Huldrych Zwingli gedruckt haben. Heute ist Orell Füssli ein auf Sicherheitsdruck - Stichwort: Banknoten -, Buchhandel und Verlagswesen ausgerichtetes, börsenkotiertes Unternehmen - und als solches in der jüngeren Gegenwart erfolgreich.

Die Aktien werden aktuell zu rund 130 Franken gehandelt. Das ist der höchste Stand seit dem ersten Semester 2017. Allein seit Anfang 2025 legten die Titel um gut 70 Prozent zu - ein Sprint, in dem sie den Gesamtmarkt deutlich abgehängt haben.

Aufgrund der anziehenden Notierungen hat sich die Dividendenrendite zwar verschlechtert, sie liegt mit 3,4 Prozent aber nach wie vor weit über den Renditen, die eine zehnjährige Bundesobligation oder manch eine andere Schweizer Aktie abwirft. Dabei arbeitet Orell Füssli profitabel und erwartet im Geschäftsjahr 2025 eine Marge auf Stufe EBIT «leicht über dem Vorjahr», wie es im Sommer zum Halbjahresbericht mitteilte. Das Jahresergebnis 2025 wird Mitte März vorgestellt.

Emmi - Aktie mit Aufstiegspotenzial

Die Valoren des Milchverarbeiters laufen zwar unter den Höchstständen von rund 1100 Franken, aber unter ihren Möglichkeiten. Die 800 Franken, zu denen sie aktuell gehandelt werden, liegen 12 Prozent unter den Analystenschätzungen. Die Experten der Bank Berenberg sehen in Emmi ein «qualitativ hochwertiges defensives Unternehmen mit stabiler Cash-Generierung, attraktiven Dividenden und Aufwärtspotenzial aufgrund langfristiger Trends» - und zählen die Luzerner zu den Werten des Schweizer Aktienmarktes, von denen sie am meisten überzeugt sind.

Potenzial liegt insbesondere in Produkten mit hohem Eiweissgehalt - sogenannte «High-protein Products». Die Nachfrage nach solchen wird durch eine zusehends sport-, fitness- und gesundheitsbewusste Bevölkerung gestellt. Das entsprechende Angebot liefert Emmi. Ein Beispiel ist das neu lancierte Proteinwasser, ein Erfrischungsgetränk in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Solche «High-protein Products» machen laut den Berenberg-Analysten derzeit rund 7 Prozent des Umsatzes aus. Dieser Anteil könne auf 10 Prozent steigen. Die sich daraus ergebende mittelfristige Chance beziffern die Experten mit einer halben Milliarden Franken. Aktuell setzt Emmi 4,7 Milliarden Franken um.

APG - Obligationenersatz für Anleger

Seit rund sechs Jahren schwankt die Aktie von APG um die 200-Franken-Marke herum und bleibt damit unten den Rekordwerten über 480 Franken, die sie 2017 erreicht hatte. Indes schreibt das auf Aussenwerbung spezialisierte Unternehmen seit mehreren Jahren konstante, bisweilen leicht steigende Umsätze und Gewinne - es «besticht durch Stabilität und eine attraktive Dividendenrendite», sagt Fabian Zahner, Aktienanalyst der Schwyzer Kantonalbank (SZKB). Er führt aus: «Die Aktien dürften bei vielen Investoren als Bond-Ersatz gehalten werden.»

Zuletzt lag die Zahlung an die Aktionäre bei 12 Franken, woraus sich eine Dividendenrendite von 5,7 Prozent ergibt. Damit bewegt sich APG in etwa auf Höhe oft genannter Dividendenaktien wie jenen aus dem Versicherungs- oder Telekommunikationssektor. Gerade in Tiefzinsphasen sind solche Aktien wesentlich attraktiver als Obligationen.

Jüngst hat die NZZ ihre Beteiligung an APG von 25 auf 45 Prozent aufgestockt und ist nun die grösste Einzelaktionärin. Derart starke Ankereigentümer trifft man bei Schweizer Small Caps immer wieder an. «Sie bestimmen hauptsächlich in welche strategische Richtung sich das Unternehmen entwickelt», sagt Zahner. Andere Anleger, die sich damit schwer tun, dürften deshalb fein abwägen, wie stark sie ihr Engagement bei dem jeweiligen Unternehmen ausbauen.

Cham Swiss Properties - Immobiliengesellschaft mit Langfristperspektiven

Die Immobiliengesellschaft Cham Swiss Properties ging vergangenes Jahr aus der Fusion der Cham Group und Ina Invest hervor. Das fusionierte Unternehmen verfüge «über das wohl attraktivste Entwicklungsportfolio der kotierten Immobilienfirmen», sagt Zahner von der SZKB.

Cham Swiss Properties setzt zusehends auf Wohnliegenschaften, sodass deren Anteil am Gesamtportfolio bis 2032 rund 60 Prozent ausmachen soll. Somit sind stabile Mieteinnahmen über konjunkturelle Zyklen hinweg erwartbar. Insofern unterscheidet sich das in Cham beheimatete Immobilienunternehmen von anderen Gesellschaften, die stark auf Geschäftsliegenschaften ausgerichtet sind.

Geografische Schwerpunkte sind die Basel, die Innerschweiz, Zürich und Winterthur. Diese Standorte hält Zahner für attraktiv. Er weist beispielhaft auf die Preisanstiege für Wohneigentum und Mieten in der Zentralschweiz hin, wodurch sich die Immobilien aufgewertet hätten.

Risiken bestehen in Projektverzögerungen und in einem sich zum Nachteil wandelnden regulatorischen Umfeld. Handkehrum sprechen tiefe Zinsen sowie eine anhaltende Zuwanderung für einen weiterhin hoch laufenden Immobilienmarkt.

Medartis - Orthopädieunternehmen auf Wachstumskurs

Das Orthopädieunternehmen Medartis befindet sich auf Wachstumkurs. Im Juli wurde auch KeriMedical vollständig übernommen, wodurch Medartis sich als Komplettanbieter im Bereich Hand und Handgelenk positioniert habe, schrieb das Management. Im Fokus steht die Daumenprothese «Keri Touch», welche ebenfalls im Sommer 2025 die Zulassung der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA erhalten hatte.

Das Management gibt sich zuversichtlich. Der Ausblick auf das Gesamtjahr 2025, über das Mitte März berichtet wird, geht von einem organischen Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent und einer operativen Marge im hohen Zehnerbereich aus. Analysten halten diese Perspektive für durchaus realistisch.

Im Januar schrieb der Experte von Stifel, das Jahr 2025 habe die Voraussetzungen für ein beschleunigtes mittelfristiges Wachstum geschaffen. Begleitet wird diese Einschätzung von einer Kaufempfehlung für die Aktie sowie einem um 16 Franken erhöhten Kursziel von 102 Franken (derzeit: 93 Franken).

R&S Group - Anleger kehren zurück

Hoch geflogen, tief gefallen, Erholung greifbar - so lässt sich Börsengeschichte der letzten Monate des Infrastrukturunternehmens R&S Group schematisieren. Bis im Sommer 2025 stiegen die Aktien auf 40 Franken, dann gingen Anleger auf Distanz: Die Titel sackten auf 15 Franken ab, besonders nachdem das Management die mittelfristige Prognose zurückgefahren hatte.

Inzwischen ist ein Teil der Anleger zurückgekehrt, die Valoren haben sie sich auf 23 Franken berappelt. Das Ende der Fahnenstange sieht der zuständige Analyst der Bank Berenberg indes bei 36 Franken - ein Preisziel, das er durch ein «Buy»-Rating unterstreicht. Dabei stellt er die Erwartungen übertreffende Margen sowie eine zunehmende zunehmenden Auftragsdynamik in Rechnung. Seiner Ansicht nach profitiert R&S vom Elektrifizierungstrend.

Dieser Trend dürfte dem Trafohersteller in der Tat in die Karten spielen. Er ist langfristig angelegten und wird getragen durch die laufenden Anstrengungen, auf fossile Brennstoffe zu verzichten und den CO2-Ausstoss zu senken. Auch das generellere Thema «Energie und Infrastruktur» klingt bei Investoren offenbar gut an. Angaben der Deutschen Bank zufolge sind «Energieausrüstungen und Energiedienstleistungen» der seit Anfang Jahr der am besten laufende Sektor unter 73 Industriezweigen des Russell-1000-Aktienindex - noch vor der Halbleiterindustrie.

Anleger, die sich einen Kauf von Aktien eines kleineren SPI-Unternehmens vorstellen können, müssen die geringe Liquidität und das niedrige Handelsvolumen dieser Titel bedenken. Kurssprünge nach oben oder nach unten sind leicht möglich.

Reto Zanettin
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