Der Schweizerische Leitindex SMI notiert trotz den jüngsten Kursgewinnen nur 200 Punkte über dem Hoch im Jahr 2007. Ein Kursanstieg um 2 Prozent in zwölf Jahren, gleichzeitig aber immer wieder Kursrückschläge um 20 oder gar 30 Prozent sind wirklich keine gute Visitenkarte für den Aktienkauf.

Allerdings vergessen Anleger beim Blick auf den SMI die verborgene Kraft neben den reinen Kurssteigerungen: die Dividenden. So jagt der SMIC – das ist der SMI inklusive Dividendenzahlungen – schon seit Jahren von einem Rekord zum anderen. Seit dem Hoch im Jahr 2007 bringt der Index ein Plus von 50 Prozent.

Ähnliche Performanceunterschiede durch Dividenden gibt es nicht nur an der Schweizer, sondern an den meisten ausländischen Börsen. Der breite US-Aktienmarkt mit dem S&P 500 etwa kletterte seit dem 31.12.1987 von 247 Punkten auf aktuell 2900 Punkte oder auf das 11-Fache. Der S&P 500 Total Return inklusive Dividenden startete Ende 1987 zwar ebenfalls bei 247 Punkten, der Index notiert heute aber bereits bei 5900 Punkten und damit doppelt so hoch wie der S&P 500. Dieser Index ist damit in 32 Jahren auf das 23-Fache hochgeschnellt.

Der bekannteste Investor der Welt – Warren Buffett – erzielt mit seiner börsennotierten Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sogar noch grössere Gewinne. Zwischen 1964 und 2018 steigerte der US-Milliardär den Kurs der Aktien von Berkshire Hathaway im Durchschnitt um 20,5 Prozent pro Jahr. Rechnet man das auf den genannten Zeitraum von 54 Jahren hoch, steht am Ende ein Gewinn von 2,472 Millionen Prozent. Wer 1964 zum Start von Berkshire Hathaway dort 10 000 Dollar investierte, hat jetzt 250 Millionen Dollar. Buffett wurde so unglaublich reich und sitzt auf einem Vermögen von 80 Milliarden Dollar.

Einstieg bei Coca-Cola im Jahr 1988

"Der erfolgreiche Investor hat sehr viel Geduld", sagt Warren Buffett. So hält der US-Milliardär eine ganze Reihe von Beteiligungen schon sehr lange, quasi wie eine lebenslange Freundschaft. Aber seine "Freunde" sind keine sensationellen und hochgehypten Typen, sondern auf den ersten Blick meist Langweiler. Eines seiner grössten Investments ist Coca-Cola. Dort stieg Buffett im Jahr 1988 ein. Dreissig Jahre ist der Börsianer auch bei einem weiteren stocklangweiligen Wert, dem Finanzdienstleister Wells Fargo, schon Grossaktionär. Bei Wells Fargo und bei Coca-Cola hält er jeweils 10 Prozent der Anteile. Noch länger pflegt Buffett die Freundschaft zu American Express. Auch das kein Wert, der bei Zockern eine Gänsehaut auslösen würde, aber Buffett stieg dort schon im Jahr 1964 ein.

"Wer nicht bereit ist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, der sollte sie auch keine zehn Minuten lang besitzen", beschreibt Buffett die Grundlagen seines Anlagestils. Aber das ist nur der eine Teil des Erfolgsrezepts. Der US-Investor kauft Aktien nur dann, wenn sie auch günstig sind. "Kaufe 1 Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cent dafür", schildert der Börsenguru die Vorgehensweise.

 

 
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Eine günstige Aktie erkennen Anleger an Bewertungskennzahlen wie einem im Vergleich zu anderen Firmen des Sektors niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis oder einem geringen Kurs- Buchwert-Verhältnis. Erfahrene Anleger vom Schlage eines Buffett achten aber auch auf die weichen Faktoren: ein starkes Management, ein seit langem bewährtes und nachhaltiges Geschäftsmodell, starke Marken und eine starke Marktstellung. Buffett setzt also vor allem auf "herausragende" Unternehmen, steigt aber nur ein, wenn er diese günstig bewertet findet, also wenn die Firmen unter dem fairen Wert handeln, wie man in der Fachsprache sagt.

Dividendenklassiker Swiss Re

Solche "herausragenden" Unternehmen erschüttert in der Regel kaum etwas. "Man sollte nur in Firmen investieren, die auch ein absoluter Vollidiot leiten kann. Denn genau das wird eines Tages passieren", weiss Buffett. Und ein "herausragendes" Unternehmen kann dann noch nicht einmal ein Idiot kaputt machen.

"Zeit ist der Freund von wunderbaren Unternehmen und der Feind von mittelmässigen", sagt Buffett weiter. Wie wichtig Zeit ist, wusste auch ein anderer grosser Investor, der inzwischen verstorbene André Kostolany: "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich", lautet der bekannteste Ratschlag von Kostolany. Der Rat entfaltet aber eben nur seine volle Wirkung, wenn Anleger in wirklich gute Unternehmen investieren.

Die Erkenntnisse der beiden Börsenprofis sind ein gutes Fundament für Otto-Normal-Anleger. Geduld, fundamentale Bewertung, weiche Faktoren. Und da kommt man noch einmal zurück zum Thema Zeit und zum Dividendeneffekt.

 

 
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Anleger mit einem Anlagehorizont von Jahrzehnten sollten besonders auf die Höhe der Dividenden achten. Dabei sollte die Ausschüttung idealerweise Jahr für Jahr steigen und immer aus dem Gewinn gezahlt werden können. Eine hohe, nachhaltige Dividendenzahlung signalisiert Stärke. Sie ist ein Zeichen dafür, dass ein Unternehmen seit langem ein bewährtes Geschäftsmodell hat und relativ krisenresistent ist.

Auf der Suche nach solchen Titeln für die Ewigkeit oder mindestens ein Anlegerleben werden Börsianer nicht nur in den USA bei Firmen wie Coca-Cola oder American Express fündig, sondern auch in der Schweiz. Wenig sensationell und eher langweilig sind beispielsweise Immobilienaktien. Swiss Prime Site beispielsweise zahlt seit 2011 ununterbrochen Dividende und die Rendite ist mit aktuell 3,9 Prozent pro Jahr weit überdurchschnittlich hoch.

Ein Dividendenklassiker ist Swiss Re. Von dem Unternehmen ist auch Buffett überzeugt. Immerhin gab er dem Rückversicherer aus Zürich in der Finanzkrise 2009 einen Milliardenkredit und wollte sich so rund einen Viertel des Unternehmens einverleiben. Damals war der Kurs von Swiss Re abgeschmiert und keiner wollte den Titel mehr haben. Buffett sah das anders. "Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde. Ich suche Firmen, die ich verstehe und von deren Zukunftsaussichten ich überzeugt bin", sagt der Star-Investor. Dass das Geschäftsmodell des Versicherers erfolgreich läuft, zeigt die Dividendenhistorie. Seit Jahrzehnten gibt es dort schon ohne Unterbrechung hohe Dividenden. Zurzeit beträgt die Dividendenrendite 5,6 Prozent.

Dividenden seit dem Jahr 1959

Dass Anleger bei guten Firmen nicht gleich die Flinte ins Korn schmeissen sollten, zeigt auch die Aktie der Versicherung Helvetia. Die Titel mussten wahrlich harte Rückschläge überwinden: Die Russlandkrise im Jahr 1998 mit einer Kurshalbierung, der Dotcom-Crash zur Millenniumswende mit einer Viertelung des Börsenwerts und die Finanzkrise mit einem Kurstaucher um zwei Drittel. Alle diese Rückschläge an der Börse haben die Helvetia-Aktien längst verdaut. Die Versicherung zählt zu den wenigen Finanzkonzernen in der Schweiz und in Europa, die heute höher stehen als je zuvor. Zwischenzeitlich gab und gibt es auch dort steigende und hohe Dividenden. Derzeit kassieren Anleger von Helvetia eine Dividendenrendite von 3,7 Prozent.

Beste langfristige Zukunftsaussichten haben auch Traditionskonzerne und Giganten wie Nestlé und Novartis. Die beiden Unternehmen bedienen zwei Grundbedürfnisse des Menschen: Nahrung und Gesundheit. Da gibt es immer Nachfrage. Die zwei Börsenriesen können es sich leisten, ihre Aktionäre gut zu bezahlen. Beide erhöhen schon seit 25 Jahren, jedes Jahr wieder, die Ausschüttung. Bei Nestlé gibt es sogar schon seit dem Jahr 1959 Dividenden – ohne eine einzige Unterbrechung. Zudem ist der Nahrungsmittelmulti kurstechnisch gar kein Langweiler: In den vergangenen zwölf Monaten ist der Wert um 30 Prozent gestiegen. Kursgewinne und hohe Dividenden – eine Lebensaktie für Anleger.

Fakten zum Thema

  • 30 Jahre ist Warren Buffet bei Coca-Cola und beim Finanzdienstleister Wells Fargo investiert.
  • 55 Jahre ist Warren Buffet schon in Aktien von American Express investiert. Im Jahr 1964 kaufte er die ersten Titel.
  • 3,9 Prozent beträgt die Dividendenrendite der Immobilienfirma Swiss Prime Site. Seit 2011 wurde immer ausgeschüttet.
  • 25 Jahre erhöhten Nestlé und Novartis jährlich die Dividenden an die Aktionäre.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Handelszeitung unter dem Titel "15 Schweizer Aktien für die Ewigkeit".