Nach einer intensiven Berichtswoche an der Schweizer Börse stehen am Freitag zwei SMI-Schwergewichte im Rampenlicht: Der Baustoffkonzern Holcim und der Logistiker Kühne+Nagel präsentieren ihre Ergebnisse zum ersten Quartal 2026. Bei beiden Unternehmen rechnen Analysten mit rückläufigen Zahlen, die Gründe dafür sind aber unterschiedlich.

Holcim: Wetter, Franken und Portfoliobereinigung belasten

Für Holcim wird das erste Quartal kein einfaches gewesen sein. Laut AWP-Konsens, dem sechs Analysten beigetragen haben, dürfte der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,9 Prozent auf 3441 Millionen Franken gesunken sein - nach 3696 Millionen Franken im ersten Quartal 2025. Der operative Gewinn (EBIT) dürfte mit 408 Millionen Franken noch deutlicher nachgeben, nämlich um fast 16 Prozent gegenüber den 485 Millionen Franken des Vorjahresquartals.

Dafür gibt es mehrere Erklärungen: Ein harter Winter in Teilen Europas drückte auf das Baugeschäft, der starke Franken belastet über Währungseffekte, und Portfolioverkäufe in Nigeria, Jordanien und dem Irak schmälern Umsatz und wiederkehrenden Betriebsgewinn. Organisch dürfte Holcim hingegen gewachsen sein.

Das erste Quartal ist traditionell das schwächste im Jahresverlauf – entsprechend begrenzt bleibt die Aussagekraft für das Gesamtjahr. Analysten erwarten eine Belebung ab dem zweiten Quartal, wenn Preiserhöhungen auf breiter Front greifen. In der zweiten Jahreshälfte rechnet CEO Miljan Gutovic zudem mit spürbaren Impulsen aus dem deutschen Infrastrukturprogramm.

Die Belastungen durch den Iran-Krieg halten sich für Holcim in Grenzen: Der Konzern erzielt schätzungsweise nur rund 2 Prozent seines Umsatzes im Mittleren Osten. Und die gestiegenen Dieselpreise infolge des Konflikts kann Holcim grösstenteils durch Aufschläge an die Kunden weitergeben. Auch die Pläne zur Reform des EU-Emissionshandelssystems, die Anfang April für Verunsicherung gesorgt hatten, scheinen sich zu einem «fine-tuning» zu entwickeln statt einer grundlegenden Systemänderung, was Holcim als führendem Anbieter von Dekarbonisierungslösungen entgegenkäme.

Für das Gesamtjahr 2026 strebt Holcim ein Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent in lokaler Währung an, der wiederkehrende EBIT soll um 8 bis 10 Prozent zulegen. Analysten rechnen mit einer Bestätigung dieser Ziele.

Auf der Akquisitionsseite bleibt Holcim aktiv: Die Mehrheitsbeteiligung am peruanischen Zementhersteller Cementos Pacasmayo soll weiter ausgebaut werden, in Kolumbien übernimmt der Konzern die Baustoffaktivitäten von Cemex für 485 Millionen Dollar.

Aktie unter Druck, aber mit Potenzial

Die Holcim-Aktie hat seit Jahresbeginn über 8 Prozent eingebüsst und notierte am Donnerstagnachmittag bei 71,30 Franken. Belastet hatten in den vergangenen Wochen die Diskussionen um den EU-Emissionshandel sowie der Iran-Krieg. Auf Zwölfmonatssicht steht der Titel jedoch mit fast 60 Prozent im Plus.

Von den bei Bloomberg erfassten Analysten empfehlen 12 die Aktie zum Kauf, 13 zum Halten und einer zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 78,64 Franken, was einem Aufwärtspotenzial von über 10 Prozent entspricht.

Kühne+Nagel: Starkes Vorjahr macht Vergleich schwierig

Beim Logistiker Kühne+Nagel stehen die Vorzeichen für das erste Quartal 2026 ebenfalls auf Rückgang. Der AWP-Konsens (sechs Analysten) prognostiziert einen Nettoumsatz von 5577 Millionen Franken - ein Minus von fast 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Reingewinn dürfte mit 201 Millionen Franken um 33,6 Prozent unter dem Vorjahreswert von 303 Millionen Franken liegen. Beim EBIT erwartet der Konsens ein Minus von 21,9 Prozent.

Der Vergleich mit dem Vorjahresquartal ist allerdings verzerrt: Im ersten Quartal 2025 hatten Vorzieheffekte wegen Trumps Zollankündigungen den Nettoumsatz auf 6,33 Milliarden Franken getrieben - ein Plus von 15 Prozent. Dieser Basiseffekt drückt nun auf die Jahresvergleichszahlen.

Im Fokus stehen ferner auch die Sparbemühungen des Konzerns: Kühne+Nagel will über 2000 Stellen abbauen und die Kosten um 200 Millionen Franken jährlich senken. Analysten der ZKB rechnen ab dem zweiten Quartal mit Rückenwind für die Profitabilität.

Der Iran-Krieg ist für Kühne+Nagel ein zweischneidiges Schwert: Die Schliessung der Strasse von Hormus stört Lieferketten massiv, treibt aber auch die Frachtraten, insbesondere in der Seefracht, in die Höhe. Komplexere Logistik bedeutet für den Konzern höhere Margen. Grosse positive Effekte daraus erwartet für das erste Quartal allerdings kaum ein Analyst.

Aktie erholt, Kursziel aber darunter

Kühne+Nagel-Aktien haben im bisherigen Jahresverlauf über 12 Prozent zugelegt und kosteten am Donnerstagnachmittag 194,65 Franken. Steigende Frachtraten und Hoffnungen auf eine nachhaltige Profitabilitätsverbesserung stützen den Kurs.

Fünf Analysten empfehlen die Titel zum Kauf, elf zum Halten, sechs zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 178,06 Franken - rund 8,5 Prozent unter dem aktuellen Niveau.

(AWP/cash)