Dieses «Struki» bekämpft Langeweile-Börse

In Zeiten von Seitwärts-Börsen greifen Anleger häufig auf den Liebling unter den «Strukis» zurück: Den Barrier Reverse Convertible. Was bei solchen Investments beachtet werden sollte und welche Renditen möglich sind.
09.06.2016 06:43
Von Pascal Züger
Mit Wetten auf den Kursverlauf sind auch aktuell Gewinne möglich - man sollte sich jedoch auch den Risiken bewusst sein.
Mit Wetten auf den Kursverlauf sind auch aktuell Gewinne möglich - man sollte sich jedoch auch den Risiken bewusst sein.
Bild: iNg

Der Schweizer Aktienmarkt hat in diesem Jahr keine klare Richtung: Mal geht es ein bisschen hoch, dann wieder ein bisschen runter. Mit dem Resultat, dass die Kurse nicht recht vom Fleck kommen. Der SMI steht derzeit mit knapp 8160 Punkten denn auch etwa gleich da wie Mitte Januar.

Wie soll man als Anleger in diesem Seitwärtstrend an der Börse überhaupt noch Profit erwirtschaften? Eine mögliche Antwort darauf sind die sogenannten Barrier Reverse Convertibles (BRC). Bei Barrier Reverse Convertibles handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um eine Wette auf den künftigen Kursverlauf eines zugrunde liegenden Basiswertes, welcher in der Regel eine Aktie oder ein Aktienindex ist. Unterschreitet der Basiswert eine im Voraus definierte Barriere nicht, dann erhält der Anleger neben einer jährlichen, zumeist attraktiven Couponzahlung auch das eingesetzte Kapital wieder zurück.

BRC gelten als mit Abstand beliebteste Form der Strukturierten Produkte. Von der Popularität zeugen die zahlreichen Inserate von Neuemissionen in den Medien. Im ersten Quartal 2016 entfielen 59 Prozent des Umsatzes von strukturierten Produkten auf Renditeoptimierungs-Produkte, wozu auch die BRC gehören. Dies zeigen Statistiken vom Schweizerischen Verband für Strukturierte Produkte (SVSP).

Anleger «Wetten» auf Aktien

Was passiert, wenn es bei einem BRC zum Bruch der im Voraus definierten Barriere kommt? Dann gibt es für den Anleger anstatt des Kapitals die Aktie. Er trägt dann das uneingeschränkte Kursrisiko. Will heissen: Wer ein BRC kauft, tritt das obere Kurspotenzial an den Herausgeber ab und bekommt stattdessen eine Couponzahlung als "Entschädigung" ausbezahlt. Nach unten ist er dem vollen Risiko ausgesetzt.

Solche Strukis machen für den Anleger also vor allem bei seitwärts tendierenden oder leicht sinkenden Börsen Sinn – wobei die Barriere nicht unterschritten werden sollte.

In der Schweiz sind Produkte mit mehreren Aktien bzw. Indizes als Basiswert sehr beliebt. Das zeigt ein Blick auf die Statistik: Derzeit findet ein BRC der Bank Vontobel den höchsten Absatz, der als Basiswert gleich vier Aktienindizes definiert (siehe Tabelle unten): SMI, S&P 500, Nikkei 225 und EURO STOXX50. Damit neben dem Coupon von jährlich 4,7 Prozent auch der Nennwert wieder zurückerstattet wird, darf keiner der genannten Basiswerte am Ende der Laufzeit unter der festgelegten Barriere – in diesem Fall liegt diese bei 60 Prozent zum Ausgangswert - zu liegen kommen. Ansonsten ist mit Einbussen zu rechnen.

Ebenfalls beliebt ist die BRC-Wette auf die "sicheren" Schweizer Aktien Nestlé, Novartis, Roche und Zurich als Basiswerte. Hier winkt bei Vontobel ein Coupon von 5 Prozent pro Jahr. Ertragreicher ist ein "Struki" der Credit Suisse: Ganze 8 Prozent Rendite pro Jahr liegt für Anleger drin, welche die Wette mit den Aktien von Bayer, Roche und Sanofi als Basiswerte eingehen.

Natürlich ist hier aber auch das Risiko eines Barriere-Bruchs entsprechend hoch. Auch BRC mit Grundlagen Goldminen (Rendite 5,5 Prozent) oder Swisscom (Rendite 4,8 Prozent) - welche wegen der "Pro Service public"-Initiative jüngst im Fokus stand - finden sich in den "Top Five".

BRC mehr Wette als nachhaltiges Investment

Je volatiler der Basiswert, je höher die Barriere, je länger die Laufzeit und je mehr Basiswerte zugrunde liegen, desto höher ist auch der jährliche Coupon – und gleichzeitig auch das eingegangene Risiko. Das Produkt mit der höchsten Couponzahlung zu wählen, ist deshalb meist keine ratsame Strategie, zumal man sich auch einem hohen Verlustrisiko aussetzt.

Anleger müssen sich bewusst sein, dass die BRC kein Wundermittel darstellen, um in der Tiefzinsphase leicht an gute Verzinsungen zu kommen. Hohe Renditeerwartungen sind auch immer mit einem entsprechend hohen Risiko verbunden. Zusätzlich gibt man auch die Chance auf, an steigenden Märkten zu partizipieren.

Bei solchen Produkten sind in der Regel - genau wie auch bei Aktien - sämtliche relevante Informationen bereits im Kurs und in der Couponzahlung eingepreist. Will heissen, dass damit nur Geld verdienen kann, wer "schlauer" als der Markt handelt - oder das Glück hat, die richtige Wette eingegangen zu sein.

Und es ist keine unproblematische Wette: Kommt es zu einem Einbruch an der Börse, können besonders die BRC den Anleger stark schmerzen. Auch ein Totalverlust ist nicht ausgeschlossen. BRC eignen sich daher höchstens als selektive Depot-Beimischung, aber nicht für den langfristigen Vermögensaufbau (siehe dazu auch das Interview mit HSG-Professor Manuel Ammann).

Beliebteste Barrier Reverse Convertibles der letzten fünf Handelstage 

Produkt, Emittent Basiswert(e) Couponzahlung, pro Jahr Verfall
RMAIXV, Vontobel Nikkei 225, S&P 500, SMI 4,7% 15.06.2017
AAAECS, Credit Suisse Bayer, Roche, Sanofi 8,0% 20.07.2017
RMAVMV, Vontobel Nestlé, Novartis, Roche, Zurich 5,0%  24.05.2019
KICVW, UBS Barrick Gold, Goldcorp, Newmont Mining 5,5% 03.07.2017
JSAZL, Julius Bär Swisscom 4,8% 02.02.2017

Quelle: cash.ch, Stand 08. Juni 2016