Dividendentitel haben den Vorteil, an der Börse in turbulenten oder schwachen Marktphasen besser abzuschneiden und sich stabilisierend auf das Depot auszuwirken. Dies, weil die Dividendenzahlung als Zustupf an die Aktionäre ausbezahlt wird und so jederzeit reinvestiert werden kann.
Die Zahlen aus einer Studie des Vermögensverwalters Allianz Global Investors (AllianzGI) - zeigen zudem, dass die Dividendenrendite zwischen 2016 und 2020 knapp die Hälfte zum jährlichen Gesamtertrag von 5,63 Prozent beitrug. In der Periode 2021 bis 2025 trug die Dividende ein Drittel zum Gesamtertrag bei - dem sogenannten Total Return.
Über einen Zeithorizont von 40 Jahren ist der Beitrag der Ausschüttungen in Europa noch deutlicher. Der Dividendenbeitrag inklusive Wiederanlageeffekt beträgt für die annualisierte Gesamtrendite der Aktienanlage für den MSCI Europa 39 Prozent. In Nordamerika (MSCI Nordamerika) wurde die Gesamtperformance zu gut 21 Prozent durch die Ausschüttungen bestimmt. Dies hängt mit dem hohen Technologieanteil an den US-Börsenindizes zusammen.
In der Region Asien-Pazifik, gemessen am MSCI Pazifik Index, ist der Dividendenanteil mit 49 Prozent noch höher als in Europa. Allerdings bleibt die Gesamtrendite in Fernost über 40 Jahre mit 4,23 Prozent deutlich hinter Europa mit 7,98 Prozent oder den USA mit 10,81 Prozent zurück.
Die im Normalfall steigenden Dividenden bringen durch ihren Beitrag zur Gesamtrendite Stabilität in das Portfolio,. Der Studienautor Hans-Jörg Naumer, Director Global Capital Markets & Thematic Research von AllianzGI, betont zudem, dass Portfolios von Unternehmen mit höherer Ausschüttungsquote eine geringere Volatilität aufweisen als Portfolios mit Aktien von Unternehmen mit niedriger Ausschüttungsquote. Dies zeigt eine Auswertung der breiten Marktindizes Stoxx Europe 600 und S&P 500 Index.
Dabei wurden jeweils zwei Sub-Portfolios gebildet: eines mit den 25 Prozent an Unternehmen mit den höchsten und eines mit den 25 Prozent an Unternehmen mit den niedrigsten Ausschüttungsquoten. Anschliessend wurden diese Sub-Portfolios miteinander sowie mit dem Gesamtindex über die letzten 20 Jahre verglichen.
Höhere Ausschüttungsquote bringt höhere Erträge
Hohe oder tiefe Ausschüttungsquoten haben auch einen Einfluss auf die Performance. So hätte das Portfolio mit den höchsten Ausschüttungen im Vergleich zum STOXX Europe 600 um 0,29 Prozentpunkte weniger rentiert als der Index. Das ist deutlich weniger als die Unterperformance gegenüber dem Stoxx Europe 600 von 2,57 Prozent des Portfolios mit den Dividendenwerten, die eine tiefe Ausschüttungsquote aufweisen.
Im Swiss Market Index (SMI) hatte über die letzten fünf Jahre Swiss Re die höchste durchschnittliche Dividendenrendite mit 6 Prozent, gefolgt von Zurich Insurance (5,2 Prozent), Swiss Life (4,7 Prozent), Swisscom (4,2 Prozent) und Holcim (4,1 Prozent). Im S&P 500 Index stand Altria (7,9 Prozent) mit der höchsten Dividendenrendite über den gleichen Zeitraum ganz oben, gefolgt von AT&T (6,2 Prozent), Verizon (6,1 Prozent), Lyondellbasell (5,9 Prozent) und Kinder Morgan (5,84 Prozent).
Sowohl Schweizer als auch US‑Aktien konnten mit den besten europäischen Dividendenzahlern nicht mithalten. Der absolute Spitzenreiter findet sich im Euro Stoxx 500 Index mit A.P. Moller Maersk und einer Dividendenrendite von 12,5 Prozent. Hernach folgen Var Energi (11,9 Prozent), Frontline (10,3 Prozent), Enagas (9,2 Prozent) und M&G (9,2 Prozent).
Am hiesigen Aktienmarkt dominieren die Versicherer als attraktivste Dividendenaktien. Etwas anders ist es bei den zwei anderen Benchmarks. Hier dürften die unterschiedlichen Volatilitäten und Renditen mit der Sektorenaufteilung zusammenhängen, betont AllianzGI.
Wie die Betrachtung nach Sektoren zeigt, haben die Portfolios mit den 25 Prozent der höchsten Dividendenzahler sowohl beim Stoxx Europe 600 als auch beim S&P 500 einen deutlich höheren Anteil an Versorgern, Telekommunikation und nichtzyklischen Konsumgütern. Die Portfolios mit den 25 Prozent der niedrigsten Dividendenzahler hingegen sind stärker in Technologie, Finanzen, zyklischen Konsumgütern und Energie investiert.
Keine Signifikanz beim Investmentstil
Das Ergebnis dieser Untersuchung zeigt zudem, dass es keine statistische Signifikanz für einen bestimmten Investmentstil gibt. Mit anderen Worten: Dividendenportfolios rein anhand von Unternehmensgrösse und Value-Ausrichtung her einzuordnen, greife vermutlich zu kurz. AllianzGI weist hierbei darauf hin, dass bei dieser Betrachtung rein schematisch in Portfolios mit hohen und niedrigen Ausschüttungsquoten unterteilt wurde.
Eine aktive Titelselektion, die zum Beispiel auf ein zu erwartendes Dividendenwachstum setzte, fand nicht statt. Dividendenstrategien also pauschal als «Value-Strategie» einzuordnen, trifft nach diesen Berechnungen nicht den Kern, so der AllianzGI-Experte. Auch für die häufig vermutete Dominanz sogenannter Large Caps bei Dividendenstrategien findet sich nach diesen Berechnungen kein signifikanter Beleg.
Naumer von AllianzGI hat deshalb eine klare Empfehlung: «Dividenden sind eine verlässliche Quelle für ein zweites Einkommen. Gerade in Anbetracht der demografischen, aber auch der technologischen Entwicklung, ist es höchste Zeit, stärker auf Kapitaleinkommen zu setzen. Dies, in dem man sich an Unternehmen beteiligt und sein Geld härter arbeiten lässt.»

