Gegen 13.15 Uhr gewinnen DocMorris 8,3 Prozent auf 46,00 Franken, während der Gesamtmarkt (SPI) 0,1 Prozent im Minus steht. Damit knüpfen sie an den Gewinn von 5,8 Prozent am Vortag an. Insgesamt steht aktuell für das laufende Jahr ein Plus von 66 Prozent zu Buche. Im Vorjahr hatten die Titel allerdings auch 90 Prozent verloren.
Redcare Pharmacy hat im zweiten Quartal klar das Umsatzwachstum beschleunigt und die Überwartungen übertroffen, wie die am gestrigen Donnerstag präsentierten Zahlen zeigten. Die Bank Berenberg hat nun das Kursziel für den grössten DocMorris-Konkurrenten auf 115 von 80 Euro erhöht. Am Markt werden die guten Ergebnisse von Redcare Pharmacy offenbar auch als gutes Omen für DocMorris gedeutet. Mehr Klarheit werden diesbezüglich allerdings erst die Zahlen zum ersten Halbjahr vom 17. August bringen.
Entscheidend abhängig sind DocMorris und Redcare Pharmacy zudem vor allem von den kommenden Entwicklungen um das E-Rezept in Deutschland. Gerade hier sehen sich die beiden Konkurrenten derzeit aber benachteiligt. Ein Änderung vom 1. Juli vereinfacht nämlich Versicherten das Einlösen von E-Rezept in stationären Apotheken via digitaler Versicherungskarte. Der volldigitale Weg vom Arzt direkt über eine Versandapotheke ist dagegen weiterhin wesentlich komplizierter, wie DocMorris monierte.
Die beiden Online-Apotheken reichten eine entsprechende Beschwerde bei der EU ein. Sie fühlen sich besonders benachteiligt, weil in Deutschland Preisvergünstigungen für rezeptpflichtige Medikamente entgegen den eigentlich geltenden EU-Gesetzen verboten sind, was ebenfalls als Vorteil für stationäre Apotheken gewertet wird. Besonders pikant: Gerade unter dem Verweis auf strukturelle Chancengleichheit in Bezug auf das E-Rezept hatte die EU das Verbot nicht gekippt.
Nun wird bis Anfang kommendes Jahr ein vereinfachter Weg beim Einlösen von E-Rezepten auch für Online-Apotheken gefordert. Ab dann soll nämlich die Umsetzung des E-Rezepts in ganz Deutschland definitiv verpflichtend werden. Die Beschwerde kann insofern positiv gewertet werden, dass die Gesetzgeber nun unter Druck stehen, Änderungen im Sinne der Versandapotheken herbeizuführen.
Sie verdeutlicht aber auch die herrschenden Probleme der Versandapotheken in Deutschland. So argumentiert denn auch die ZKB. Der zuständige Analyst rechnet für die kommenden Monate mit einem weiterhin volatilen Kursverlaufe der DocMorris-Aktien. In einem Basis-Szenario geht er nämlich davon aus, dass das Papierrezept erst 2025 vollständige durch das E-Rezept abgelöst wird. Dann rechnet er allerdings für DocMorris mit einem Umsatzanstieg von 50 Prozent gegenüber 2023.
(AWP)
