Die Eskalation bedroht die Aussichten auf ein Kriegsende und verschärft die Unsicherheit an den Weltmärkten sowie die Inflationsrisiken. Der Goldpreis fiel am Mittwoch zwischenzeitlich um bis zu 2 Prozent auf unter 4'175 Dollar je Unze, nachdem er bereits in der vorherigen Sitzung um 1,6 Prozent nachgegeben hatte. Um 9.30 Uhr notiert er auf 4'193.72 Dollar.
US-Streitkräfte griffen iranische Ziele nahe der Strasse von Hormus an, nachdem Präsident Donald Trump Teheran für den Abschuss eines US-Hubschraubers vor der Küste des Omans verantwortlich gemacht hatte. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete, auf der Insel Qeshm sowie entlang der Südküste des Landes seien mehrere Explosionen zu hören gewesen.
Die jüngsten Gefechte bedrohen die fragile Waffenruhe und könnten die nahezu vollständige Schliessung der Strasse von Hormus verlängern. Die Meerenge ist ein wichtiger Transitweg für Energielieferungen aus dem Nahen Osten auf die Weltmärkte. Irans Aussenminister Abbas Araghtschi schrieb auf X, das Land werde «keinen Angriff und keine Bedrohung unbeantwortet lassen». Später startete die Islamische Republik einen Drohnenangriff auf die 5. US-Flotte in Bahrain, wie der staatliche Sender IRIB News berichtete.
Die Ölpreise erholten sich am Mittwoch und verstärkten damit die Sorgen über die globale Inflation. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Zentralbanken die Zinsen unverändert lassen oder anheben, was für unverzinste Edelmetalle belastend ist. Die Nordseesorte Brent stieg zeitweise um bis zu 2 Prozent auf mehr als 93 Dollar je Barrel, gab ihre Gewinne jedoch teilweise wieder ab, nachdem die USA das Ende ihrer kurzen Vergeltungskampagne bekannt gegeben hatten.
Gold notiert derzeit rund ein Fünftel unter dem Niveau vor Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar. Der jüngste Rückgang unter den 200-Tage-Durchschnitt, eine viel beachtete Kennzahl für den langfristigen Trend, hat zusätzlichen Verkaufsdruck ausgelöst, da institutionelle Investoren dieses Niveau genau beobachten.
«Wir erwarten, dass die Kursentwicklung kurzfristig anfälliger wird», schrieb Suki Cooper, globale Leiterin der Rohstoffanalyse bei Standard Chartered. Mit steigender Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung würden bei weiteren Preisrückgängen mehr Bestände in goldgedeckten börsengehandelten Produkten Verluste aufweisen. Dies werde Gold «weiteren Abwärtsrisiken aussetzen».
Das nächste technische Unterstützungsniveau für Gold liegt laut Cooper bei rund 4100 Dollar je Unze. Während Märkte wie Indien schwach seien, bleibe China ein Lichtblick auf der Nachfrageseite. Der lokale Aufschlag liege dort stabil bei unter 10 Dollar je Unze.
(Bloomberg)
