E-Mobilität - Das sind die Alternativen zu Tesla

Wer ein schnelles Elektroauto fahren oder einfach als Anleger in die E-Mobilität investieren will, landete bisher vor allem bei Tesla. Doch die Alternativen zu Elon Musks zukunftsträchtigen Erfindungen werden mehr.
10.09.2018 16:56
Von Marc Forster
Elektromotoren, Antriebsstrang und Plattform EQ genannten E-SUV von Daimler.
Elektromotoren, Antriebsstrang und Plattform EQ genannten E-SUV von Daimler.
Bild: media.daimler.com

Elon Musk hat mit Tesla die Vorstellung vom Autofahren verändert. Tesla ist das erste wirklich erfolgreiche Elektroauto der Geschichte, und weltweit sind Autofahrer und Anleger von den eleganten E-Modellen und ihrem Erfinder beeindruckt.

Manche halten Musk für einen Visionär. Und mit dieser Einstellung fiel es vielen leicht, über die Aktie in das zukunftsträchtige Geschäft von Tesla zu investieren. Der Kurs hat sich innerhalb von acht Jahren mehr als verzehnfacht, auch wenn das Unternehmen gar kein Geld verdient.

 

 

In den letzten eineinhalb Jahren entwickelte sich die Aktie zunehmend volatiler. Die 12-Monate-Kursbilanz liegt bei minus 20 Prozent. Nach einem Sommer mit zahlreichen Mätzchen und Kapriolen – Twitter-Tiraden, Irrungen und Wirrungen um einen Going Private und nun noch ein etwas bizarrer Auftritt mit psychoaktiven Substanzen – ist der Stern von Elon Musk gesunken. Auch Produktionsengpässe beim Bau neuer Modelle erklären den schwierigen Stand, den Tesla an der Börse hat.

Wer ein Elektroauto fahren will oder in die E-Mobilität investieren möchte (oder beides), findet zunehmend Alternativen zu Tesla. Für Aufsehen sorgen gerade Daimler, Jaguar und Porsche mit einem neuen Hightech-Gefährten. Zwar sind dies im Unterschied zu Tesla keine reinen Elektoautohersteller, und ihr Einstieg in dieses Segment kommt spät und erfolgt nach einem bisher eher zögerlichen Engagement. Aber wenn Sie sich etablieren, wird Tesla den Markt nicht mehr alleine beherrschen.

Diese neuen Autos sind wie die Limousine Tesla S relativ teuer und gehören dem Oberklassesegment an. Die Rede ist von Preisen über 70'000 Franken. Tesla selbst hat mit dem Model 3 eine billigere Baureihe aufgelegt, und die anderen Hersteller werden mit günstigeren E-Autos folgen.

Daimler

Der deutsche Autokonzern hat vor wenigen Tagen den vierradgetriebenen SUV EQC 400 4Matic vorgestellt, der Tesla und dessen Modell X am Markt direkt angreifen soll. Daimler hat mehr als zehn Milliarden Euro investiert in ein luxuriöses Auto, das mögliche Käufer wohl über 70'000 Euro kosten soll. Die Batterie des Mercedes-Derivats soll eine Leistung von 400 PS ermöglichen. Zur Reichweite gibt es noch keine Angaben.

Bilder: media.daimler.com, media.jaguarlandrover.com, porsche.com

Bis 2022 will Daimler zehn rein elektrische Autos anbieten. Wer als Investor an Daimler herangehen will, investiert im Moment aber noch in ein noch weitestgehend auf herkömmliche Antriebe ausgerichtetes Unternehmen. Bei der Elektro-Initiative steht Daimler unter grossem Erfolgsdruck. Während der Nimbus der Marke Mercedes dabei ein enormer Trumpf ist, sind die Leistungen des EQC, wie Experten bereits festgestellt haben, eher durchschnittlich. Schwach motorisiert ist man aber auch mit diesem Auto nicht.

Der eindrückliche Look des EQC indessen könnte indessen sofort zum Kauf der Daimler-Aktie verleiten. Die Meinungen zu diesem Titel, der in den vergangenen 12 Monaten 18 Prozent an Wert einbüsst hat, sind aber geteilt. Die UBS beispielsweise empfiehlt den Titel zum Kauf, schreibt aber auch, dass Unsicherheiten und die Entwicklung der E-Mobilität aktuell keine deutlichen Kursanstiege bei deutschen Herstellern erlauben würden.

Sollte Daimler - die Geschichte des Konzerns geht auf die Erfinder des Autos zurück - so erfolgreich E-Autos bauen, wie seit Jahrzehnten traditionelle Autos gebaut werden, dann ist die Aktie mit Blick auf die nächsten zehn Jahre aber eine Überlegung wert.

Jaguar Land Rover

Der Jaguar I-Pace geht demnächst in den Handel. Und schon an der Form ist erkennbar, dass mit diesem Auto ganz klar Tesla und dessen Limousine Model S, aber auch das SUV-artige Modell X, im Visier hat. Manche Experten sehen den Jaguar als aktuell wichtigsten Konkurrenten von Tesla. Der I-Pace gilt streng genommen als SUV und ist ebenfalls ein teures Auto. In der Schweiz wird das Modell bei mindestens 83'000 Franken eingeführt. Dafür soll es 470 Kilometer weit kommen und enorm schnell beschleunigen.

Für Investoren ist die Lage bei Jaguar etwas schwieriger: Die britische Marke gehört heute zur indischen Tata Motors, einem Konglomerat von Auto- und Nutzfahrzeughersteller und selber Teil des noch viel grösseren Tata-Konzerns. Die Aktie von Tata Motors, deren Kurs  heute 37 Prozent tiefer als vor einem Jahr, ist an der Bombay Stock Exchange kotiert, der noch den alten Namen der heute Mumbai genannten Stadt am arabischen Meer trägt. Innovativ gibt sich das Unternehmen in jedem Falle: Auch in Indien legt Tata Elektroautos auf.

"Tata statt Tesla" kommt machen Investoren schon heute leicht über die Lippen. Ein Investment mit gutem Gewissen zu empfehlen ist aber schwierig. Ein Alternative wäre, sich in Schwellenland-Technologiefonds zu engagieren, welche Tata-Aktien enthalten.

Porsche

Mit den sehr guten Beschleunigungsfähigkeiten von Eletroautos aus dem Stand ist es logisch, dass auch ein Sportwagenhersteller wie Porsche in die E-Mobilität einsteigt. Der Taycan, der Ende 2019 zu kaufen sein soll, kann angeblich in 3,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigen und in 12 Sekunden auf 200 Stundenkilometer. Dabei soll er voll aufgeladen 500 Kilometer weit kommen. Das ist etwa der Wert, der auch ein Tesla erreicht.

Der Taycan ist der erste voll elektrische Sportwagen des Herstellers. Porsche geht aber schon jetzt so weit zu sagen, dass 2022 bis 2025 jeder zweite neue Porsche mit Strom angetrieben sein soll. China und die USA, wo ein Porsche dank des hohen Prestiges genauso begehrt ist wie in Europa, sollen kräftig zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen.

Die Marke Porsche gehört zum Volkswagen-Konzern, wobei das Unternehmen Porsche Grossaktionär des VW-Konzerns ist. Somit betrifft der VW-Dieselskandal und seine möglichen finanziellen Folgen für den Konzern auch Porsche. Innerhalb der vergangenen sechs Monate hat daher auch die Porsche-Aktie einen Fünftel des Werts verloren.

Die Porsche-Aktie hat aber viele Anhänger, und die grossen europäischen Banken raten mehrheitlich zum Kauf. Die Credit Suisse etwa empfiehlt die Porsche-Aktie eher als die VW-Aktie, denn Porsche sei ingesamt transparenter. Bezüglich E-Mobilität wiederum dürfte Porsche mit Blick auf die nächsten Jahre ein interessantes Investment sein.