E-Mobilität - «Tesla verbrennt kein Benzin - aber Geld»

Die Tesla-Saga ist um eine Episode reicher: Ein massiver Stellenabbau soll die finanzielle Schieflage des E-Auto-Konzerns beenden. Was bedeutet das für die lange bejubelte Aktie?
13.06.2018 15:38
Von Marc Forster
Tesla ist Pionier bei Hochleistungs-Elektroautos.
Tesla ist Pionier bei Hochleistungs-Elektroautos.
Bild: cash

Es ist fast schon ein geflügeltes Wort in Investorenkreisen: "Tesla verbrennt kein Benzin - aber Geld". Es bringt auf den Punkt, was das Problem des seit einigen Jahren so aufsehenerregenden Elektroautobauers ist. Dass der Bau der stromgetriebenen Kultkarossen nach wie vor ein Verlustgeschäft ist. Wie verlustreich, wird in den nächsten Monaten womöglich zur Schicksalsfrage für Tesla.

Die Aktie des Autoherstellers hatte den höchsten Stand seit dem Börsengang vor acht Jahren im letzten September bei 389 Dollar. Mit 343 Dollar ist der momentane Kurs nicht übermässig viel tiefer. Allerdings ist der Autobauer in den vergangenen Monaten mehrfach durchgeschüttelt worden.

Die jüngsten Stationen der Tesla-Saga sind Fertigungsprobleme beim Model 3, das für den Massenmarkt gedacht ist. Dann ein tödlicher Unfall - und schliesslich öffentliche Wutanfälle des Firmenchefs Elon Musk, unter anderem gegenüber Medienvertretern und Analysten. Im März wurden 123'000 Limousinen vom Typ Model S zurückgerufen, was das Image von Tesla ankratzte. Auch nicht gut kam an, dass Musk auf Twitter die Pleite des Unternehmens verkündete - als Aprilscherz.

Der Kursverlauf der Tesla-Aktie seit Anfang 2016 ist volatil. Deutliche Schwankungen haben sich seit April diesen Jahres gezeigt (Grafik: cash.ch)

Es war auch im April, als der Kurs der Tesla-Aktie zuletzt deutliche Stürze verzeichnete. Die Produktion des Model 3 begann schon im vergangenen Sommer, stockt aber immer noch. Dafür konnte sich Firmenchef Musk vor einer Woche vor einem Aufstand einiger Aktionäre retten. Er verprach eine Neuausrichtung der Konzerns mit flacheren Hierarchien.

Nun erfolgte die Ankündigung, dass 3000 oder 9 Prozent der Stellen gestrichen werden sollen. An der Börse stieg der Kurs daraufhin um 3,2 Prozent.

Marketingtalent Elon Musk

Tesla steht gegenwärtig vor mehreren Herausforderungen. Die Finanzprobleme werden offensichtlicher. Im März stufte Moody's die Anleihe-Bonität von Tesla von B2 auf B3 zurück. Die Produktion des Model 3 muss gesteigert werden, um den lukrativen Volumenmarkt erobern zu können.

Ob statt aktuell 3500 bald 5000 Modelle pro Woche gebaut werden können, ist noch nicht sicher. Die Produktion könnte dann deutlich gesteigert werden, wenn es gelingen würde, weniger Kobalt für die Akkus zu benötigen. Der Rohstoff, von dem die Mehrheit des Nachschubs aus dem Kongo stammt, droht wegen des Elektroauto-Booms knapp zu werden.

Die Probleme des Model 3 zeigen, dass beim Einsteig in den Massenmarkt Fehleinschätzungen passiert sind. Elon Musk, der über ein aussergewöhnliches Marketingtalent verfügt und von seinen Anhängern als Visionär gefeiert wird, konnte die 2003 gegründete Firma schon mehrfach aus schwierigen Lagen führen. Auch dies zeigt sich im Kurs, denn allein Musks jüngste Ankündigungen und nun der Stellenabbau reichten aus, die Aktie in den vergangenen Tagen deutlich anzutreiben. Anfang Juni hatte der Kurs noch unter 300 Dollar gelegen.

Meinungen gehen weit auseinander

Analysten haben dennoch sehr unterschiedliche Meinungen zu Tesla. Barclays etwa empfiehlt die Aktie nicht und schreibt, trotz beeindruckender Autos und der Technologieführerschaft in der E-Mobilität sei die Aktie überbewertet. Die Analysten der britischen Grossbank sind der Meinung, im Kurs seien die Risiken und Herausforderungen der Firma nicht enthalten. Die Wachstumspläne werden als "hochfliegend" bezeichnet. Den realistischen Kurs sieht Barclays bei 210 Dollar.

Die Experten von Berenberg hingegen setzen das Kursziel bei 500 Dollar, setzen also eine deutliche Kauf-Empfehlung in die Welt. Die zentralisierte Technologie-Architektur von Tesla sei überlegen. Ein zentrales Argument von Berenberg ist auch, dass Tesla bei der Entwicklung der Batterien der Konkurrenz voraus sei.

Wie die jüngsten Entwicklungen bei Tesla einzuordnen sind, ist immer noch eine Glaubensfrage. Tesla ist mehr als die meisten anderen ein Unternehmen, in dem viele Emotionen und Zukunftsträume stecken. Die Frage nun, die sich Anleger oder an der Aktie interessierte in den nächsten Wochen oder Monaten stellen müssen ist: Wird Tesla zu einem "normalen" Unternehmen und gelingt Elon Musk der finanzielle Befreiungsschlag?

Ob der Stellenabbau als Folge der gefährlichen Finanzlage ein erster Schritt dazu ist, ist im Moment sehr schwierig zu beurteilen. Da die finanzielle Steuerung des Unternehmens nicht auf einer soliden Grundlage steht und die Produktionsprobleme nicht gelöst sind, bleibt Tesla ein risikoreiches Investment.