In der alten Woche hatten überraschend schwache US-Arbeitsmarktdaten für Juni neue Zinshoffnungen geschürt und den Aktienmärkten rund um den Globus Rückenwind gegeben.

Am Freitag schloss der SMI erstmals in der Folge über 14'400 Punkten. Die Marke hatte er erst am Vortag erstmals zwischenzeitlich überschritten.  Im Wochenvergleich ergab sich ein Plus von 1,8 Prozent. Der breite SPI beendete den Handel am Freitag ebenfalls auf Rekordniveau mit 20'326,79 Punkten. 

Auch der deutsche Leitindex Dax zog auf 25'800 Zähler an. Es fehlt nicht mehr viel zur 26'000-Punkte-Marke. Der Dow Jones in den USA verbucht im Wochenverlauf ein Plus von 2 Prozent, während für den Nasdaq +0,7 Prozent resultieren.

Bemerkenswert bleibe die Schere zwischen Europa und den USA, kommentiert Stratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. «Während der Nasdaq unter Gewinnmitnahmen bei vielen KI-Gewinnern der vergangenen Monate leidet, zeigt sich der Dax erstaunlich robust und lässt die monatelange Konsolidierung endgültig hinter sich.»

Die neue Börsenwoche dürfte zeigen, ob die neue Rekordjagd der Aktienmärkte weitergeht. «Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht nimmt den Zinserhöhungssorgen zwar kurzfristig den Wind aus den Segeln», sagt ‌Timo Emden ⁠vom Analysehaus Emden Research. «Die gute Stimmung an den Börsen sollte jedoch nicht kaschieren, dass unter der Oberfläche weiterhin erhebliche Unwägbarkeiten glimmen.» Dazu zählten insbesondere Nahostrisiken, Unsicherheiten über den weiteren Zinspfad der Notenbanken und kritische ⁠Fragen zum KI-Sektor.

Tech-Aktien auf Zickzack-Kurs

Nach dem rasanten Aufstieg im zweiten Quartal befindet sich der Technologiesektor in Europa und in den USA seit Anfang Juni auf Zickzackkurs. Es gibt unter Anlegern eine wachsende Unsicherheit darüber, wann sich die hohen KI-Investitionen in einem Gewinnwachstum niederschlagen, das ‌die rasant angestiegenen Aktienpreise rechtfertigt. Paul Schofield vom Vermögensverwalter Royal London beobachtet Parallelen zwischen Fussball-WM und Aktienmarkt: «Es gibt die Mannschaften, von denen jeder erwartet, dass sie gewinnen.» Beim Fussball seien es Frankreich und Spanien, an den Aktienmärkten: die grossen Technologiekonzerne. «Die psychologische Falle der Favoriten ist in beiden Welten identisch. Wenn absolute Perfektion erwartet wird, verschwindet der Spielraum für Fehler.»

Am Ölmarkt stagnierten die Preise bei rund 70 Dollar je ​Fass (159 Liter) - dem Niveau vor dem Iran-Krieg. Nun hofften Anleger auf eine vollständige Freigabe der für Öltransporte wichtigen Strasse von Hormus. Der Schiffsverkehr durch ​die Meerenge wurde teilweise wieder aufgenommen, die Lage bleibt jedoch nach wechselseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran am vergangenen ​Wochenende unsicher.

Zugleich machten die Aussagen wichtiger Notenbanker auf dem Forum der Europäischen Zentralbank (EZB) in Sintra deutlich, dass die Währungshüter beiderseits des Atlantiks ihren weiteren Kurs nicht vorab festlegen werden. «Damit rücken das reine Wachstum und Fundamentaldaten der Unternehmen wieder stärker in den ‌Fokus der Anleger», sagt Daniela Hathorn, Analystin bei Capital.com.

Konjunktur im Blick

Die neue Konjunkturdatenwoche eröffnen am Montag die Einzelhandelsumsätze und die Erzeugerpreise für die Euro-Zone sowie die Auftragseingänge in der deutschen Industrie im Mai. Diese dürften zeigen, wie stark die Verunsicherung durch den Iran-Krieg und die höheren Energiepreise die Geschäfte gebremst haben, sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. «Mit dem in den vergangenen Wochen deutlich gefallenen Ölpreis sind aber die Chancen gestiegen, dass ​die Wirtschaft im ​weiteren Verlauf dieses Jahres wieder zulegen wird.»

Ebenfalls zum Wochenstart warten Anleger auf das Barometer der Beratungsfirma Sentix ⁠für Juli. Dieses zeigt an, wie Börsianer auf die Konjunktur in der Euro-Zone blicken. In den USA steht die ​Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor und die ⁠Industrie im vergangenen Monat an. 

In der Schweiz wartet am Donnerstag Barry Callebaut mit Umsatzkennzahlen nach neun Monaten auf, während Banque Cantonale du Jura das Halbjahresergebnis präsentiert. Tags darauf legt Ems-Chemie den Geschäftsbericht 2025/2026 sowie den Halbjahresabschluss 2026 vor.

Am Donnerstag ist zudem der Börsengang von Infracore an der SIX geplant. Der ⁠Preis für die Aktien liegt bei 54 Franken. Investoren dürfen von Infracore, wie bei anderen Immobilienaktien, eine anständige Dividende erwarten. Der Krankenhausimmobilien-Spezialist besitzt nach eigenen Angaben 47 Liegenschaften in der Schweiz mit einem Gesamtwert von 1,4 Milliarden Franken. Infracore setzt auf Sale- and Leaseback-Transaktionen: Die Firma kauft den Spitälern Liegenschaften ab und vermietet sie dem ehemaligen Eigentümer gleich wieder. 

(Reuters)