Führungskräfte des Softwarekonzerns erklärten in dieser Woche, Microsoft biete niedrigere Kosten, bessere Sicherheitskontrollen und ein umfassenderes Produktportfolio. Das Treffen diente dazu, die Vertriebsstrategie für das in diesem Monat begonnene Geschäftsjahr vorzustellen.

«Alle anderen verkaufen Einzelteile — wir verkaufen das vollständige End-to-End-System. Das ist die Geschichte, die wir alle im Geschäftsjahr 2027 nach außen tragen müssen», sagte Executive Vice President Jay Parikh am Dienstag laut einem von Bloomberg eingesehenen Transkript.

Der weltgrösste Softwarekonzern positioniert sich als Plattform für Unternehmen, die KI in ihren Geschäftsprozessen anpassen, einsetzen und überwachen wollen. Gleichzeitig steht der Konzern unter starkem Wettbewerbsdruck durch grosse Start-ups wie OpenAI sowie konkurrierende Cloud-Anbieter wie Alphabet-Tochter Google.

Investoren befürchten, dass neue KI-Tools etablierte Softwareprodukte verdrängen könnten. Die Microsoft-Aktie ist in diesem Jahr um 20 Prozent gefallen. Hintergrund sind diese Sorgen und die stark steigenden Ausgaben für Rechenzentren.

Mehrere Präsentationen von Microsoft-Führungskräften, die am Dienstag begonnen haben und am Mittwoch fortgesetzt werden, thematisieren die Wettbewerbsposition des Unternehmens. Executive Vice President Jacob Andreou zeigte dabei einen direkten Vergleich zwischen Microsofts KI-Assistent Copilot und Anthropics Claude für den Einsatz in Office-Anwendungen. Er erklärte, das Produkt von Anthropic sei langsamer, weniger präzise und verfüge nicht über die nötigen Sicherheitsintegrationen.

«Wir wissen, dass jeder hier täglich mit Produkten von OpenAI und Anthropic konkurriert», sagte Andreou während der Präsentation. Sein Team arbeite intensiv daran, «Copilot als Anwendung noch wettbewerbsfähiger zu machen».

Microsoft und Anthropic lehnten eine Stellungnahme ab. Ein zentrales Thema für Kunden wird im kommenden Jahr die Kontrolle der KI-Kosten und der Einsatz günstigerer Modelle sein, sagte Vorstandschef Satya Nadella bei dem Treffen.

Nadella verwies auf Unilever und erklärte, der Konsumgüterkonzern habe auf Microsofts Plattform ein automatisiertes System zur Bearbeitung von Reklamationen entwickelt, das Einsparungen von rund 300 Millionen Dollar gebracht habe. Zeitweise habe das System eines der fortschrittlichsten verfügbaren KI-Modelle genutzt, sei dann aber auf ein günstigeres Microsoft-Modell umgestellt worden. Unilever reagierte zunächst nicht auf Anfragen.

Bloomberg hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass auch Microsoft in einigen Produkten fortschrittliche Modelle von OpenAI und Anthropic durch eine eigene günstigere Alternative ersetzt hat.

(Bloomberg/cash)